Mittwoch, 26. Dezember 2007

Fröhliche Weihnachten!

Montag 24. Dezember 2007

Weihnachten war dieses Jahr wortwörtlich ein sehr fröhliches Fest. Vormittags rief uns zwar noch die Pflicht, und mehr oder weniger pflichtbewusst, ging ich auch ein paar Minuten verspätet in die Schule. Mate kam auch gerade mit mir, und so lümmelten wir in der letzten Bank und versuchten so gut es ging aufzupassen.
Die Lehrerin schien zu wissen, dass wir zwar physisch anwesend waren, aber in Gedanken ganz wo anders. Nachdem sie anfangs noch ein paar mal versucht hatte, uns etwas zu fragen, und die Antworten immer ratlose Blicke waren, die Mate und ich uns zuwarfen, so begnügte sie sich damit, unsere Anwesenheit an Weihnachten zu würdigen und uns nach der Stunde mit einem herzlichen Lachen frohe Weihnachten zu wünschen.

Nachdem wir dann die 4 Stunden Unterricht überstanden hatten, gingen Mate und ich Kaffee trinken und ich fuhr anschließend in die Stadt, wo Kingyan und Ruks auf mich warteten zum Mittagessen. Wir aßen im Kaffeebereich einer netten Bäckerei was Süßes und machten uns dann auf den Nachhauseweg um die restlichen Geschenke zu verpacken. Ich traf mich noch mit meiner Fudao Lehrerin, die mir zwei neue Stifte schenkte, weil sie meinte meine hübschen Zeichen würden einen besseren Stift verdienen, und fleißige Studenten sollten sich nicht mit kratzigen Bleistiften herumquälen müssen.

Sie schrieb mir in ihrer schönsten Schrift eine chinesische Weihnachtskarte, damit ich die Zeichen dann auch bestimmt lesen konnte.
Ich hatte für sie ein kleines Notzizbuch und einen Stift, hübsche Haarspangen und eines der bunten, eingepackten Kekse aus der Bäckerei gekauft.
Nachdem wir uns am Anfang etwas zusammenraufen mussten, ist sie von meiner Fudao-Lehrerin mittlerweile schon fast zu einer guten Freundin geworden.

Gerade als ich heimkam rief mich Seraina an, um mir frohe Weihnachten zu wünschen, und wir plauderten noch ein bisschen, bis sie auf den Weg musste, um zu ihren Eltern zu fahren.

Und ich…. ich machte mich schön für den Abend….

Ich zog den neuen Pullover an, den ich gestern gekauft hatte, als Kingyan, Ruks und ich auf Weihnachtsgeschenke-Shoppingtour waren, machte meine Haare zurecht, und zog die Kette an, die ich in Peking gekauft hatte, und die mich so an die Zeit mit Seraina erinnert. Ich hatte mich so sehr gefreut, dass sie mich angerufen hat, und an mich gedacht hat an Weihnachten :-)

Während ich darauf wartete, dass auch Rukmani sich fertig hergerichtet hat, plauderte ich noch ein bisschen im ICQ und dann ging’s los, zum Olive Garden. Ein feines westliches Restaurant, wo es heute zu Weihnachten ein ganz besonders Buffet gab. Wir hatten einen großen Raum gemietet, und als wir hin kamen und die lange Tafel festlich rot geschmückt war, im Hintergrund Mates WeihnachtsCD lief, da wurde uns allen so richtig feierlich zu Mute. Ich saß mit Kingyan, Mate und Rukmani plaudernd und lachend an einem Ende des Tisches und es dauerte nicht lange, da wurde das Buffet eröffnet.

Es gab gutes Brot und Butter, Pizza, Spagetti, Kürbiscremesuppe, Truthahn, Reis, Kartoffeln, Puree, Salate, Meeresfrüchte, Fleisch und Wurstplatten, Käseplatten und Kuchen, und noch eine Menge Sachen, die ich nicht probiert habe…
Ich deckte mich gleich schon mal mit Brot und Butter ein…. oh wie sehnsüchtig hatte ich mich die ganze Zeit schon auf ein Butterbrot gefreut, Butterbrot mit richtigem Brot und richtigem Butter… mmhhhh… alleine das war hier in China schon Weihnachten und Geburtstag zugleich.
Alle waren begeistert von dem Buffet und so saßen wir zu dreißigst an unserer Weihnachtstafel, ließen uns die feinen Speißen schmecken, quatschen, lachten, und genossen die gemeinsame Zeit.
Kingyan bestellte für uns 4 einen guten Wein, und wir stießen auf Weihnachten, unsere Zeit in China und eine gute Freundschaft an. In Mitten meiner lieben Freunde fühlte ich mich so glücklich, dass ich mit meinem Glas edlen Wein in der Hand einfach nur da saß und lächelte, die Geräusche rund um mich schienen leiser zu werden, ich hörte nur mehr die Musik und fühlte mich, als wäre ich in eine Welle des Glücks getaucht.

Und dann war es Zeit die Geschenke auszupacken. Zuerst tauschen alle von uns ein kleines Geschenk aus, das jeder um ein paar Yuan gekauft hatte. Jeder schrieb seinen Namen auf einen kleinen Zettel und zog einen anderen Zettel mit dem Namen der Person, der man sein Geschenk überreichen sollte. Ich hatte eine Duftschale mitgebracht, die ich Joshi aus Mexiko schenkte, und ich selbst bekam ein Paar farbenfrohe Flauschsoken, zufälligerweise von Rukmani.

Und dann kamen die besonderen Geschenke….

Kingyan, Rukmani und ich hatten beschlossen uns gegenseitig etwas ganz Besonderes zu schenken. Kingyan war der Erste mit auspacken. Rukmani und ich kaufen für Kingyans MP3 Player, den er und ich gemeinsam gekauft hatten, eine zusätzliche Memorycard, damit er wenn er wieder einmal fleißig im Fitnesscenter trainiert, auch ganz bestimmt kein Lied zweimal hören muss, und dazu eine kleine Sporttasche die man an den Oberarm schnallen kann, damit beim Sport der MP3 Player nicht dauernd gegen die Beine schlägt.
Er hatte so eine Freude, dass es schön war ihm zuzusehen. Er umarmte uns ganz fest, und wir bekamen, beide ein Weihnachtsküsschen auf jede Wange, und für die Milka-Schokolade die ich ihm dann noch in seine Weihnachtskarte gesteckt hatte, bekam ich noch eine Umarmung extra.

Als nächstes war ich an der Reihe. Ich hatte ein großes Packet, das Rukmani so hübsch einpackt hatte, dass ich es einfach nicht übers Herz brachte das Paket aufzureißen.
Ich hatte so eine Freude das Paket auszupacken, und noch viel mehr, als ich dann den Inhalt sah, eine hübsche, weiße Handtasche und braune Lederhandschuhe. Nach beidem hatte ich hier in Dalian schon lange Zeit gesucht und bei den Taschen absolut nichts Hübsches gefunden, und bei den Handschuhen waren alle viel zu eng gewesen, die ich probiert hatte. Doch die beiden hatten es irgendwie geschafft eine nette Tasche und passende Handschuhe aufzutreiben. :-)
Nun war ich es, die den anderen um den Hals fiel und vor Freude am liebsten durch den ganzen Saal getanzt wäre.

Zum Schluss machte Rukmani ihr Päckchen auf. Es war voll mit ganz vielen Pflege- und Kosmetikartikeln, die Kingyan und ich für sie gekauft hatten, da sie sich fast täglich über ihre trockene Haut und das schlechte Wasser in China aufregen musste, und natürlich gabs auch für sie dazu eine Schokolade zum Schlemmern während die Cremen einzogen.
Sie strahlte ebenfalls vor Freude, und während wir noch dabei waren uns alle gemeinsam zu umarmen, kamen Mourad und Mate und ich bekam von jeder Seite noch einen dicken Weihnachtsschmatz für die zwei Tafeln Milka die ich ihnen in ihren Weihnachtskarten versteckt hatte.

Ich war von dieser glücklichen Stimmung so überwältigt, dass ich als mich Mama und Papa dann anriefen und ich hinausging vor die Türe um mit ihnen zu telefonieren, nicht einmal die eisige Kälte spürte.

Gegen Mitternacht beschlossen wir dann alle noch in unser gemütliches Lieblingscafe auf ein Dessert zu gehen. Wir flackten in die gemütlichen Sofas des Cafes, tranken Cappuccino, und ließen diesen wunderschönen Weihnachtsabend dort ausklingen.

Müde aber glücklich kehrten wir dann alle wieder zur Universität zurück und ich umarmte Kingyan, Ruks, Mate und Mourad nocheinmal ganz fest.
Zu Hause angekommen telefonierte ich noch ein bisschen mit Anna, die mir schon heute Vormittag ein so liebes Weihnachts-SMS geschickt hatte, und wir erzählten uns von unserem Weihnachtsabend, und was das Christkind uns gebracht hatte.

Als ich dann im Bettchen lag, bekam ich auch noch ein SMS von meinem Schwesterherz und damit war der Weihnachtsabend für mich perfekt. Ich hatte mit all meinen Lieben telefoniert, SMS geschrieben, gechattet oder gemailt, im Kreise meiner Freunde hier einen wunderschönen Abend verbracht, und mich so richtig, richtig glücklich gefühlt.
Das wird bestimmt für immer ein unvergessliches Weihnachten bleiben.

Montag, 24. Dezember 2007


Allen meinen Bloglesern
ein fröhliches Weihnachtsfest
und eine besinnliche Weihnachtszeit!

Alles Liebe
eure sunflower


Sonntag, 23. Dezember 2007

Lernen bei Starbucks

Samstag 22. Dezember 2007

Heute morgen wurde ich von einem SMS von Mate geweckt der vorschlug gemeinsam ins Starbucks lernen zu gehen. Ruks und ich packten also unsere elektrische Notizblockmaschinen alias Laptop ein und machten uns gemeinsam mit Mate auf zu Starbucks. Zur Erklärung: die Zeichen für Laptop in Chinesisch setzen sich aus den Zeichen für Notizen machen, Block, oder Buch und elektrisches Gerät zusammen.

Wir tranken feine heiße Schokolade und bereiteten uns für die letzten Schulwochen vor.
Nachdem mein Laptop wie immer nach kurzer Zeit keinen Akku mehr hatte, schrieb ich auf Mates Laptop meinen Blog und wartete auf Kingyan, der versprochen hatte, nach seinem Workout im Fitnesscenter ebenfalls ins Starbucks zu kommen..

Als er kam, wollten dann Ruks und Mate fast schon wieder nach Hause, weil sie mit ihren Schatzis telefonieren mussten. Kingyan und ich tranken noch gemütlich eine heiße Schokolade, quatschen mehr als wir lernten, gingen dann gemeinsam ein bisschen Schaufenster-Shoppen und schlenderten durch die fast menschenleere, sogar ein bisschen weihnachtlich erhellte Stadt in Richtung unserer Uni. Da wir nicht den Bus nehmen wollten, gingen wir ein bisschen kreuz und quer durch die Gassen und entdeckten ein paar neue Straßen Dalians.
Auf dem halben Weg bekamen wir dann plötzlich Pizzahunger, und wir gingen zum Pizzahut und teilten uns eine Pizza.
Wir redeten über Familie, Beziehungen, und Freunde und mir wurde wieder einmal bewusst was für ein guter Freund Kingyan mittlerweile für mich geworden ist, mit dem man reden konnte, als würden wir uns schon Ewigkeiten kennen.

Ein gemütlicher Freitagabend mit Mate, Kingyan und Rukmani

Freitag 21. Dezember 2007

Heute war einer der gemütlichsten Tage dieses Advents. Nach der Schule beschloss ich, dass ich die Bücher für heute nicht mehr sehen wollte, und ging gemeinsam mit Rukmani in unser Amici Pizza essen. Wir saßen in unserem Lieblingskaffee, quatschen, gingen anschließend shoppen, oder versuchten es zumindest, denn alles was wir kaufen wollten, war irgendwie nicht passend. Die Schuhe waren zu klein, die Handschuhe für unsere breiten Hände zu schmal, die Hosen zu eng, und die Taschen alle total hässlich. Aber egal, es war trotzdem lustig.

Am Abend gingen wir dann zu der Theater-Singaufführung, die die Schule organisiert hatte. Jede Klasse hatte etwas vorbereitet, entweder ein Lied, oder einen Tanz, oder ein kleines Theaterstück. Meine Klasse hatte eine ganz lustige Geschichte vorbereitet, und Marian lieferte eine atemberaubende Wushuaufführung. Ich war wirklich beeindruckt. Die Russinnen verwechselten das Ganze ein bisschen mit einer Stripshow, und die Russen rappten irgendetwas, was kein Mensch verstand, viele Klassen sangen etwas, und sogar unser Office hatte ein Lied vorbereitet.

Anschließend gingen Kingyan, Mate, Rukmani und ich in unsere Lieblingsbar und genossen das Wochenende. Ich bin echt froh, sie alle zu haben. Kingyan, Mate und Ruks machen das Leben hier sooooo viel schöner. Wir redeten eine Menge Blödsinn, erzählten von peinlichen Erlebnissen in unserem Leben, und machten eine Menge doofer Photos. Mate der von jeder Seite ein Bussi bekommt, Kingyan der Mate ein Bussi auf die Backe gibt, wir alle gemeinsam…. war echt lustig, und die anderen Gäste haben sich bestimmt gedacht, dass wir alle einen großen Vogel haben. Mate musste dann auch versprechen, die Fotos nie Ruks Freund zukommen zu lassen, und in einem unbemerkten Moment löschte Ruks dann das Foto von uns dreien wieder. Puh… der bösen Blick von Mate wäre filmreif gewesen, den er uns zuwarf als er es herausfand *gg*

Um Mitternacht kamen wir dann plötzlich auf die Idee, dass wir noch Kaffee und heiße Schokolade trinken wollen und so stiegen wir in eines der Taxis, dass vor dem Hopscotch wartete, und fuhren noch zum SPR Kaffee um es uns dort noch gemütlich zu machen. Echt ein genialer Abend.

Die erste Hälfte der Semesterendprüfungen wäre geschafft :-)

Donnerstag 20. Dezember 2007

Die letzen Tage hatte ich damit zugebracht mein Zeitungslektüre und Hörverstehenbuch zu wiederholen und mich auf die Prüfungen vorzubereiten. Obwohl ich eigentlich schon viel zu sehr in Weihnachtsstimmung war, um mich richtig konzentrieren zu können, schaffte ich es im letzten Moment dann doch wieder noch mein Hirn auf Hochtouren zu fahren. Manchmal bin ich echt froh, dass mein Hirn in Notfällen über irgendwelche ungeahnten Resourcen verfügt, die die Zahnrädchen dann doppelt so schnell rattern lassen, und so gelang es mir schließlich trotz meinem anfänglichen Motivationsproblem, und meinem anschließenden Zeitproblem, die Prüfungen recht gut vorzubereiten.

Mate und ich saßen in beiden Prüfungen nebeneinander, und wenn es uns auch nicht erlaubt war, uns gegenseitig zu helfen *gg* so hatten wir doch das Gefühl nicht alleine zu sein.

Und Donnerstagnachmittag, nachdem dann alles endlich vorbei war, machte ich es mir zu Hause gemütlich und sah mir „The Da Vinci Code“ an. Eigentlich eine interessante Idee, dass Jesus Nachkomme vielleicht immer noch unter uns lebt, wenn sich dieser Gedanke auch nicht so ganz mit den Lehren verbinden lässt, die uns die katholische Kirche lehrt.

Aber der Film war jedenfalls nicht schlecht, und warum sollte Jesus eigentlich auch keine Familie gehabt haben? Die Liebe ist doch eines der schönsten und göttlichsten Dinge auf dieser Welt….

Meine Tickets für Hainan sind gebucht

Sonntag 17. Dezember 2007

Heute ist eigentlich nichts Besonderes passiert. Ich stand spät auf, aß ein paar meiner feinen Kokusbusserl aus Mamas Weihnachtsbox, trank heißen Tee und suchte nach den billigsten Flugverbindungen nach Hainan, wo ich mich im Jänner mit Anna treffen will.

Nachmittags ging ich dann ins Reisebüro auf unserer Uni und buchte die Tickets.
Ich freue mich ja schon so sehr, meine Anna endlich wieder zu sehen, dass ich mit dem Flugticketbeleg in der Hand Luftsprünge machen könnte.:-)

Mit Kingyan bei seiner Lehrerin

Samstag 15. Dezember 2007

Heute waren Kingyan und ich bei seiner Lehrerin eingeladen. Ich hatte die beiden einmal zu ihrem gemeinsamen Lernen in ein Kaffeehaus begleitet, und seitdem gehörte ich im Kopf der Lehrerin zu Kingyan dazu, wie Sonne zum Sommer gehört.

Wir gingen also gemeinsam ein kleines Geschenk für die Lehrerin zu kaufen. Eine sonnengelbe Schale, welche wir mit Obst und Süßigkeiten füllten und anschließend von der Obstdame in Folie einpacken ließen. Sah eigentlich total lieb aus, und die Lehrerin hatte eine riesen Freude. Angekommen in ihrem Haus, durften wir uns einen Film aus ihrer großen Filmesammlung aussuchen, und ihre kleine, sehr freundlich eingerichtete Wohnung wurde für uns zu einem Kinosaal umfunktioniert.

Wir sahen uns einer Kingyan Lieblingsfilme, Scent of a Women an, und aßen dazu Youzi, eine chinesische, grapefruitähnliche Frucht.

Anschließend wurden wir zu Tisch gebeten. Die Lehrerin hatte so viele verschiedene Speisen zubereitet, dass wir es beim besten Willen nicht schaffen, auch nur die Hälfte davon zu essen. Wir redeten über den Sohn der Lehrerin und sie zeigte uns ganz stolz Fotos von seiner Studienzeit in Amerika. Dann gingen in ihr kleines Bücherzimmer, wo sie ein kleines Klavier hatte, eine Menge Bücher, und ihre Münzensammlung. Sie hatte sogar unsere alten Schillinge in ihrer Sammlung. Das Klavier und die Schillinge erinnerten mich an alte Zeiten und ich hätten am liebsten ein bisschen herumgeklimpert, aber nachdem alle hier in China denken, dass jeder aus Österreich ein großer Musiker ist, wollte ich mich dann doch nicht blamieren, nachdem ich schon so lange Zeit nicht mehr gespielt hatte.

Die Zeit verging wie im Flug, und wir saßen alle gemeinsam um ihren Wohnzimmertisch, Kingyan und ich auf der Coach und sie auf ihrem großen Fernsehsessel, und redeten über unsere Pläne für die Zukunft. Als wir heimgingen war es schon sehr dunkel und kalt. Aber die herzliche Wärme mit der uns die Lehrerin empfangen hatte, wärmte uns von innen. Kingyan Lehrerin hatte mir Handschuhe mitgegeben und am liebsten hätte sie mich wahrscheinlich noch in einen dicken Wintermantel gepackt, weil sie befürchtete ich könnte kalt haben.

Sie war so lieb, ich fühle mich bei ihr gleich zu Hause. Als wären Kingyan und nicht nur erst einmal bei ihr zu Gast gewesen.

Eine Weihnachtsbox aus Österreich

Freitag 14. Dezember 2007

Heute hatte die Weihnachtsbox, die Mama mir geschickt hat, endlich zu mir gefunden. Da aus unerfindlichen Gründen die Post, die an die gleiche Adresse geschickt wird, hier an der Universität an 5 verschiedenen Orten landen kann, und ich bis jetzt nur 2 kannte, hat mein Packet schon ein paar Tage auf mich gewartet, bis ich es endlich entdeckte.

Aus welchem Grund auch immer, hatte man es auf das Hauptpostamt im Stadtzentrum geliefert und ich musste es mit einem Zettel, den ich an einer noch anderen Poststelle auf der chinesischen Seite unseres Campus bekommen hatte, dorthin gehen, um mein Paketchen abzuholen.

Ich saß auf meinem Bett und packte die ganzen schönen Dinge aus die mir Mama geschickt hatte. Französische Bücher die Nicole für mich ausgesucht hatte, Magazine die Papa gekauft hatte, selbst gemachte Bienenwachskerzen und einen Brief von Mama, mein Lieblingsparfum, Tee, Schokolade und Kokusbusserl...
Mit viel Liebe hatte Mama alles in das kleine Paket geschlichtet, und mir wurde ganz warm ums Herz als ich alles, eines nach dem anderen herausnahm.

Das Christkind musste dieses Jahr ja einen so langen Weg zu mir zurücklegen, und ich freute mich deshalb umsomehr, dass es mich nicht vergessen hat :- )

Schifahren... :-)

Mittwoch 12. Dezember 2007

Gestern rief uns plötzlich unser Office an, und fragte so ganz spontan ob wir, das heißt die Stipendiaten morgen vielleicht Schifahren gehen wollen. In Anbo gibt es ein großes Schiopening und wir könnten dort morgen als Vip-Gäste erscheinen, und bräuchten für alles nichts zu bezahlen.

Da war ich natürlich gleich dabei. Die Aussicht, morgen statt in der Klasse zu sitzen, weiße Schneehänge hinunterzudüsen, war einfach zu verlockend :-)
Da störte es mich nicht einmal mehr, dass ich weder Schijacke noch Schihose hatte.
So stand ich also heute, früh morgens um 6 auf, und packte mich so dick ein wie ich nur konnte. Alle möglichen T-shirts und Pullover, die man irgendwie übereinander anziehen konnte ohne sich dabei vorzukommen, wie ein zu fettes Stofftier wurden aus dem Kasten genommen.

Im Bus musste ich dann zwar die Hälfte wieder ausziehen, weil mir viel zu heiß wurde, aber im Rest, fein eingepackt in wohliger Wärme, schlief ich dann bis wir in Anbo ankamen.
Dort glaubte ich zuerst, unser Bus hätte wahrscheinlich eine Panne oder ähnliches, da ich außer ein bisschen Puderzucker auf den Bäumen keinen Schnee sehen konnte.

Aber nein. Es schien keine Panne zu sein, und man hielt uns mit dem üblichen 快一点儿! 快一点儿! zur Eile an.

Wir watschelten also mit verdutzten Gesichtern hinter unseren Profs her, hindurch durch ein großes Haus, das auf der einen Seite aussah wie ein Hotel, auf der anderen Seite wie ein Schiverleih und als wir dann durch die Hintertüre dieser „Schistation“ hinausgingen, sahen wir, was die Chinesen hier als großes Schiopening bezeichneten.

Auf einem Hügel, der Wohl mehr Kunstschnee gesehen hat, als wirklichen Schnee, hatte man eine kleine Burg aufgebaut, vor uns tanzten Drachen zu unserer Begrüßung und hinter einer Reihe mit weißen Stoff überzogenen „Schneemännern“ begannen, die Obrigkeiten der Stadt über die Bedeutung des Schitourismus in Dalian zu sprechen.

Gemeinsam mit einer natürlichen heißen Quelle, will man mit dem Schiresort die Urlauber auch im Winter in die Region locken. Als Beweis, wie toll diese Strategie funktioniert, wurden wir in die erste Reihe gestellt und von einer Menge Fotographen und Kameramännern aufgenommen. Wir taten unser bestes freundlich zu lächeln, bis ein kleiner Japaner eine Rede hielt, von dem man hinter dem Rednerpult nur mehr einen Teil seiner Glatze sehen konnte. Da mussten wir uns dann sehr beherrschen, nicht zu viel zu lachen *g*.

Dann regnete es plötzlich buntes Schnipselzeug und aus der Burg gingen farbige Rauchraketen los. Sobald das Spektakel vorüber war, wurden wir zu einem großen Hotelrestaurant gefahren, und durften wieder mal die Spezialitäten der Region kosten. Kraben, Raupen, und ein Haufen anderer Meeresviecher. Gott sei Dank machten sie dann für Rukmani, Mourad, Alka und mich noch ein paar Vegetarische Speisen und so gingen wir wohl gestärkt wieder zurück zur Piste, wo man uns in übergroße Schijacken und viel zu kurze Schihosen steckte, und Schi und Stöcke und die Hand drückte….

und los gings.

Ich versuchte zuerst einmal den sonnenverwöhnten Inderinnen die Grundsätze des Schifahrens beizubringen, half noch Ping, dem englisch sprechenden Officer aus unserem Bangongshi auf die Beine und dann verlies ich mit Mate die Babypiste und ging hinüber zur schwierigsten der drei… Mittlere Kinderpiste. *gg*

Aber es war lustig. Wir fuhren immer gemeinsam mit dem Sessellift, hatten lustige, ernsthafte, interessante und manchmal tiefsinnige Gespräche. Oben angekommen, genossen wir für einen kurzen Augenblick den Ausblick über die wunderbar „weiße“ Winterlandschaft und machten dann ein Wettrennen hinunter. Manchmal fuhren wir auch hintereinander Slalom und versuchten Zöpfe in den Schnee zu machen, nur leider konnte man sie in dem Kunstschnee nicht sehen. Aber gemeinsam hatten wir eine total lustige Zeit. Als unsere Hände eingefroren waren und man sie auch mit Rubbeln nicht mehr warm kriegen konnte, der Wind anfing unter unseren viel zu kurzen Schihosen hineinzuwehen und die Sonne auch schon in Nebel verschwunden war, beschlossen Mate und ich im Resorthotel eine Tasse Kaffee zu trinken und als wir schließlich heimgingen, waren wir beide überzeugt, dass man die Piste zwar eher verwenden konnte um Schifahren zu lernen, als um richtig hinunter zu wedeln, aber es trotzdem ein riesen Spaß geworden war :- )

Montag, 10. Dezember 2007

Der schlimmste aller Schmerzen, ist der im Herzen.

Sonntag 9. Dezember 2007

"La vie est un voyage, qui est bien preferable de faire avec un compagnon à ses cotés, mais parfois on perd son compagon sur le chemin, et le voyage devient insurportable...
Et oui, l'être humain est armé contre beaucoup de choses, mais pas contre la solitude...."

Als ich heute Morgen aufwachte, war ich vor lauter Sorge, weil meine Roommate in dieser Nacht nicht nach Hause gekommen war, total außer mir. Ich malte mir alles Mögliche aus, was ihr passiert sein könnte, und als sie dann ihr Handy nicht abnahm, war ich schon knapp davor die Polizei zu rufen. Da sah ich dann den Zettel auf meinem Tisch, den sie gestern wahrscheinlich noch geschrieben hatte, und auf dem stand, dass sie heute Abend mit ihren Freunden trinken gehen würde, und dann bei ihnen schlafen würde.

Einerseits beruhigt, dass ihr wahrscheinlich nichts passiert war, und andererseits zutiefst beunruhigt, dass sie schon wieder ausging um sich zu betrinken, ging ich dann mit Ruks und Kingyan in unser Kaffeehaus frühstücken.
Ich erzählte ihnen von meiner Sorge um Xiaxi, die seit ihr Freund sie verlassen hat, fast täglich ausging und mehr als nur einmal in einem Rausch zurückkam und sich übergab.

Ich fühlte mich hilflos, ihr dabei zusehen zu müssen, wie sie an dieser Trennung litt. Selbst wenn wir darüber redeten, ich sie aufzuheitern zu versuchte, ihr Mut zusprach, alles half nicht, diesen Schmerz im Herzen zu besänftigen. Egal wie fest, und wie lange man sich selbst einzureden versucht, dass alles in Ordnung ist, dass es der Typ wahrscheinlich ohnehin nicht wert ist, sich den Kopf und noch viel weniger das Herz darüber zu zerbrechen, man kann nicht verhindern, dass sich der Schmerz immer tiefer ins Herz bohrt, und eine brennende Wunde dort hinterlässt, wo einst der Platz dieses geliebten Menschen war. Manchmal können gute Freunde einen wieder ans Licht ziehen, einen aus dem dunklen Loch befreien, in das man gefallen ist. Sehr gute Freunde können einem den Sonnenschein wieder zeigen, und die Freude ins Leben zurückbringen, und die besten Freunde können für gewisse Zeit die großen Lücken füllen, die der Verlust in unser Herz gerissen hat .…solange, bis die Liebe es wieder ausfüllt.

Doch Xiaxis beste Freundin war in Japan, ihre sehr guten Freunde ebenfalls, und ihre Freunde hier in Dalian glaubten wohl, dass ihr am besten geholfen sei, wenn sie mir ihr trinken gehen. Sollte ich sie darauf ansprechen? Ich war ja nicht ihre Mama, und trotzdem… ich machte mir Sorgen um sie. Kingyan und Ruks waren der Meinung ich sollte zumindest versuchen, mit ihr zu sprechen, denn Alkohol war noch keines Problems Lösung gewesen. Vielleicht hilft er für kurze Zeit zu vergessen, doch irgendwann kommt alles, was wir durch den Rausch betäubt nicht verarbeitet haben wie ein Bumerang zurück und wirft uns aus der Bahn. Und dann kann uns vielleicht wieder nur der Alkohol helfen, und so wiederholt sich das Spiel, bis man sich nicht mehr aus diesem Teufelskreis befreien kann.

In Gedanken versunken, und in Sorge um Xiaxi fiel mir der Satz wieder ein, mit dem eine Folge der Desperate Housewives, die ich mir letzte Woche auf Französisch angeschaut habe, geendet hatte. Man könnte ihn in etwa so übersetzen:

„Das Leben ist eine Reise, die am schönsten ist, wenn man sie mit einem Partner an seiner Seite macht. Doch manchmal verliert man diesen Menschen auf dem Weg, und die Reise wird unerträglich. Denn - der Mensch ist gegen vieles gewappnet, aber nicht gegen die Einsamkeit. …“

Ich werde Xiaxi nicht alleine lassen und ihr den Weg zurück auf die sonnigen Pfade des Glücks zeigen.
Denn das Leben ist sooooo wunderschön! Man muss es nur genießen, und sich an den kleinen Geschenken erfreuen, die es uns jeden Tag macht. :-)
Und irgendwann kommt die Liebe wieder zurück in unser Leben und macht es vollkommen :-)

Weihnachtsplanung

Samstag 8. Dezember 2007

Heute war Mate, Daniel, Kingyan, Mourad, mir und den russischen Girls so richtig nach Winter und Weihnachten zu Mute, und wir zogen los, um den Eislaufplatz in Dalian zu finden. Man sagte uns, dass es einmal im 4ten Stock eines Einkaufzentrums in der Stadtmitte eine Bahn gegeben hätte…. Im Einkaufszentrum? Klang merkwürdig, aber wir machten uns dennoch auf den Weg dorthin .
Leider war die Bahn geschlossen worden und auch unser Ausweichplan fiel ins Wasser, weil keine Bowlingbahn frei war, und so blieb uns nichts anderes übrig als Essen zu gehen *gg*.

Nachdem die russischen Girls nach Hause gehen wollten, riefen wir Rukmani, Marie-Louise und Gabriele an, und wir verabredeten uns für ein Abendessen im Olive-Garden.
Bei feinem, fast schon richtig europäischem Essen, machten wir Pläne für Weihnachten, und das Leuchten in Mates und Daniels Augen, verriet mir, dass sie sich genauso sehr auf Weihnachten freuten wie ich. Alleine wäre ich hier, so weit weg von zu Hause bestimmt verzweifelt, aber im Kreise meiner Freunde, wird dieses Fest bestimmt auch etwas ganz Besonderes. Nach und nach wurden alle von uns von dieser vorweihnachtlichen Stimmung mitgerissen, und es war uns, als müssten wir die Botschaft von Weihnachten in dieses Land hinaustragen, in dem von Weihnachten eigentlich nur die Geschäfte richtig Notiz nahmen, da es ein guter Grund war, die Menschen zum Einkaufen zu bewegen. Weihnachten und unser Neu-Jahr hat in China keine große Bedeutung, und zu unserem großen Erstaunen, hatte man uns gesagt, dass am Heiligtag sogar Unterricht stattfinden wird… Doch wir beschlossen in unserem Kreise dieses Weihnachten zu einem schönen, strahlenden, fröhlichen Fest zu machen, an das wir uns alle noch lange errinnern würden.

Curryhühnchen in Papas Haus

Freitag 7. Dezember 2007

Nach einem harten Lerntag freute ich mich heute ganz besonders, als Kingyan mich anrief, und Ruks und mich zum Curryessen einlud :-) Abendessen bei Papa war immer was ganz besonders. Nicht nur des guten Essens wegen. Wenn Ruks und ich bei Kingyan eingeladen waren, dann war ein Abend voller Lachen vorprogrammiert. Wir quatschten soviel Blödsinn, machten Witze, einen nach dem anderen, heckten fiese Pläne aus, wie wir der koreanischen Community einen Bären aufbinden. Wir dachten uns die unsinnigsten Storys aus, die wir ihnen erzählen könnten, um dann zu sehen, wie schnell sich das Gerücht verbreitet. Einmal war eine von uns schwanger, ein andermal war Kingyan in irgendjemanden aus der koreanischen Community verliebt. Einmal musste Rukmani heimgehen, weil ihre Eltern sie verheiraten wollten, dann wieder waren Kingy und ich ein geheimes Paar *gg*
Wir hatten einen riesen Spaß uns so viel Blödsinn wie möglich auszudenken, je absurder die Geschichten, umso besser. Wir beschlossen zwar schlussendlich die Community zu verschonen, aber lustig war’s trotzdem *gg*

Und als wir schließlich Kingyan erzählten, dass Rukmanis „Mister Hippo“ und mein „August“ gestern eine hitzige Diskussion in Chinesisch hatten, und August schließlich von dem fliegenden Nilpferd getroffen in Ohnmacht fiel, sodass Hippo ihn wieder wach küssen musste, da war uns klar, dass wir nach und nach immer verrückter wurden *gg*.... oder vielleicht eh immer schon waren, und nun im Trio die Verrücktheit hoch 3 waren *gg*

Nikolaus im Bett

Donnerstag 6.Dezember 2007

Heute morgen wachte ich auf, mit einem geschwollenen Auge und Kopfweh, als hätte ich die ganze Nacht gesoffen, oder wäre in eine schlimme Schlägerei verwickelt gewesen. Ich versuchte mir mit Wasser den Schlaf aus den Augen zu waschen, aber anstatt besser zu werden, wurden meine Augen ganz rot, und das Licht schmerzte fürchterlich. Nachdem auch noch eine Ladung Wasser, die Situation nicht verbesserte, kroch ich wieder ins warme Bett zurück und beschloss mir heute noch ein bisschen Schönheitsschlaf zu gönnen. Ich kuschelte mich also wieder unter die Decke und versuchte bei dem Kopfweh Schlaf zu finden. Nachdem ich dann fast den ganzen Vormittag verschlafen hatte, ging ich auch zur letzten Stunden nicht mehr hin, und lernte dafür zu Hause Vokablen.

Als für die anderen die Schule aus war, kam plötzlich verfrüht ein Nikolaus vorbei, und brachte mir Vanillepuddingtörtchen…. Mate, neben dem ich in letzter Zeit die meiste Zeit gesessen war, hatte sich Sorgen um mich gemacht, als ich nicht im Unterricht war, und war losgezogen um was Süßes für mich zu finden… So lieb

Meine Jungs hier sind sowieso alle total lieb. Marian und Mate teilen mit mir die letzte Bank unserer Klasse und helfen mir, wann immer ich etwas nicht mitkriege, Marian bringt mir manchmal Frühstück mit in den Unterricht, weil er weiß, dass ich immer so spät aufstehe, dass ich dann keine Zeit mehr habe etwas zu essen, Mate kümmert sich um mich, wenn’s mir nicht gut geht oder ich einen Mann zum reden brauche. Mit ihm kann man echt über alles reden und die tiefgründigsten Gespräche führen. Daniel, der Organisator meiner Geburtstagsparty, ist mein persönlicher Sonnenschein, Mourad mein Französisch-Lehrer und Kingyan… ja Kingyan ist mittlerweile einer meiner besten Freunde und einfach ein Schatz, ein Freund, ein Ratgeber, ein Meisterkoch, einfach unser „Papa“ *gg*

Zusammen mit Rukmani und Yuni sind sie hier meine „Family“ . Gemeinsam mit ihnen wird Weihnachten bestimmt auch so weit weg von zu Hause ein schönes Fest werden. :-)

Ruks Freund aus England zu Besuch

Mittwoch 5. Dezember 2007

Gestern und heute war ich nach der Schule fast den ganzen Tag mit Rukmani und ihrem Freund Philip aus England unterwegs, der gekommen war um sie zu besuchen.
Wir gingen fein essen, machten eine Spazierfahrt an der Meeresküste entlang, entdeckten, romantische, wilde Küsten, und süße kleine Windmühlen, sahen den Xinghaiplatz (Sternenmeerplatz) bei Nacht, zeigten Philip das Straßenleben um unsere Universität, und hatten eine lustige Zeit. Zumindest die meiste Zeit, denn auf einmal begannen komische Dinge zu passieren. Eine Freundin von Rukmani brachte ihr eine riesen Torte, auf der Sorry stand, und rannte wieder weg, bevor wir die Türe aufmachten konnte. Keiner von uns wusste warum, und Rukmani am allerwenigsten. Vielleicht hatte jemand aus der koreanischen Community gestern unser Gespräch beim Nachtessen in dem koreanischen Restaurant in der Nähe unserer Uni belauscht, und ihr erzählt, dass Ruks sich darüber beschwerte, dass die Koreaner nichts für sich behalten können, alle Geheimnisse mit der ganzen Community teilen müssen, und die dann auch noch so frech sind, und mit „gutgemeinten“ Ratschlägen kommen, um Ruks Liebesleben, Studienleben, oder sonst irgendetwas zu kommentieren. Das Privatleben eines jeden wurde in der Community besprochen und ein Konsens gefunden, was in diesem Fall wohl das Beste für die Person wäre. Ob die betreffende Person auf die Meinung der Community wert legte spielte dabei keine Rolle, man wurde einfach darüber informiert.

Naja, jedenfalls hatte sich Rukmani darüber ziemlich aufgeregt, dass sie ihr Privatleben nun mit den ganzen Koreanern teilen musste, obwohl sie es eigentlich nur dieser einen Freundin erzählt hatte, und wahrscheinlich war der Sorry-Cake ein Reaktion darauf.
Als wir dann am Abend in den Pizza Hut essen gingen, war in Rukmanis Pizza eine Plastikfolie. Als wir das der Bedienung erzählen, bekamen wir auch noch eine Sorrypizza *gg*. Naja, zumindest das morgige Mittagessen war gesichert *gg*

Spaziergang im Wasserschutzgebiet Dalians

Montag 3. Dezember 2007

Heute Nachmittag rief Julian mich ganz spontan an, ob Kingyan und ich vielleicht Lust hätten, aus der Stadt rauszufahren, mal etwas Neues zu sehen, und eine bisschen spazieren zu gehen. Das Wetter war zwar eisig kalt, aber so wunderschön sonnig, dass ich mich nicht lange bitten ließ und gleich zusagte, und auch Kingyan war nach einigem Überlegen dabei. Nachdem ich Xiaxi nicht alleine lassen wollte, nachdem ihr Freund vor kurzem Schluss gemacht hat, überredete ich auch sie, mit uns mitzugehen, die Sonne zu genießen und ein bisschen auf andere Gedanken zu kommen.

Wir nahmen also einfach einen Bus, der Richtung dem Stadtrand westlich unserer Uni fuhr, und stiegen aus, als wir auf der anderen Seite der Straße einen großen See entdeckten.
Es war ein künstlich angelegter Stausee, der mich mit den Bergen im Hintergrund fast ein bisschen an unsere Bergstauseen erinnerte…. wäre da nicht der viele Abfall gewesen, der den Rand des Wasserschutzgebietes säumte. In Richtung des Ufers es dann aber wieder sauberer und wir verbrachten trotz der Kälte, die mit aller Kraft durch alle unsere Kleider blies eine lustige Zeit, an diesem neu entdeckten See.

Ich schaute über den See, betrachtete wie sich die Sonne im Wasser spiegelte und bekam fast ein bisschen Heimweh, nach meinem Bodensee….

Sonntagsfrühstück bei Amici

Sonntag 2. Dezember 2007

Heute verbanden Kingyan, Rukmani und ich unser sonntägliches Frühstück mit einer langen, langen Reiseplanung. Wir hatten vor in unseren großen Ferien im Jänner und Februar gemeinsam reisen zu gehen und dieses riesige, mysteriöse Land, von dem keiner von uns noch allzu viel gesehen hat, zu erkunden. Während wir über der Landkarte und dem Guidebook saßen wurde unserer Liste der „Must sees“ immer länger und unser Kaffee immer kälter. In unserer Euphorie wollten wir alle schönen Orte, die in meinem dicken Chinaguide angegeben waren in unsere Reiseroute miteinbeziehen. Wir machten also einen Plan, wie wir diese Reise am besten gestalten sollten, und als unsere Planung zu Ende war, war unser Kaffee eiskalt, und die Liste viel zu lange.

Uns war klar, dass wir Teile unseres Planes wieder streichen mussten, und doch war es zumindest einmal der Anfang einer konkreten Idee wie wir diese Ferien verbringen wollten. Mit erwartungsvoll- fröhlichen Gesichtern und in Gedanken schon auf unserer großen Reise störte es uns auf dem Heimweg nicht einmal mehr, dass der Bus wie immer extrem überfüllt war, die Chinesen uns von allen Seiten einquetschten und uns, wann immer sie Platz brauchten, mehr oder weniger gewaltsam aus dem Weg schubsten.

Ich hab vor mit Kingyan und Rukmani durch China zu reisen und eine Woche oder 10 Tage mit Anna in Hainan zu verbringen. Ich freu mich jetzt schon sie wieder zu sehen. Diese Ferien werden bestimmt ein Erlebnis. Nach so langer Zeit endlich wieder einmal meine Anna zu sehen und sie ganz fest drücken zu können, den Rest der Zeit mit Rukmani und Kingyan unterwegs zu sein, viele neue Dinge zu entdecken, und für kurze Zeit, der eisigen Kälte hier in Dalian zu entkommen und in den warmen Süden zu fahren… JUHUIIIIII … ich freu mich schon! Das wird bestimmt genial!!!

Tiger Beach Ocean Park

Samstag 1. Dezember 2007

Nachdem wir gestern noch lange in Julians Wohnung gefeiert hatten, war ich heute Morgen wieder einmal viel zu faul um aufzustehen. Ich stellte den Wecker von wecken zu wecken um 10 Minuten weiter und konnte mich einfach nicht von meinem fein warmen Bettchen trennen. Doch bis zur Abfahrt unserer Busses zum gemeinsamen Schulausflug in den Tiger Beach Ocean Park hatte ich es dann schlussendlich doch aus den Feder geschafft und sogar schon zwei Maschinen Wäsche gewaschen, ohne dass die Maschine dabei Schaden genommen hätte :-) Der Feelingscollector hatte diesmal wohl keine unabwaschbaren Probleme zu beseitigen *gg*

Kingyan hatte es wohl noch schwerer aus dem Bett geschafft als ich, und kam fast zu spät, sodass ich den Buschauffeur davon abhalten musste, ohne ihn zu fahren…
Immer diese Schweizer, oder sollte man sagen Chinesen? Hongkonger… ?
Angekommen im Ocean Park teilte sich unsere Gruppe und ich schaute mir mit Mate, Mourad, Kingyan und Marian die Aquarien an. Dannach gab es eine Delphinshow, mit 4 Delphinen, die für das Publikum rechneten, ein Boot zogen, durch Reifen hüpften, Bälle balancierten und einem Kind aus dem Publikum ein Bussi gaben... Ein Delphinbussi :-)
Ich fand den Park zwar in der Richtung ganz interessant, dass man alle möglichen Fische und Meerestiere sehen konnte, von denen man zum Teil noch nicht einmal gehört hatte, und von denen bestimmt jeder Taucher träumen würde, ihnen einmal zu begegnen. Es gab Aquarien mit Haien und Kugelfischen, Moränen, Flundern, und tausenderlei anderen Fischen, von denen ich die Namen nicht einmal auf Deutsch kannte, und deren chinesischen Namen selbst unsere Lehrerin nicht lesen konnte. Naja, so schlimm war es zwar nicht, aber bei einem komischen Fisch, konnte sie uns auch nicht sagen, wie das Zeichen ausgesprochen wurde, das auf der Tafel neben dem Becken stand.
Doch dann wieder war das Ganze recht bedrückend, weil vor allem die Becken für die Seehunde extrem klein waren und diese nur einen Minikreis schwimmen konnten, bevor sie wieder anstanden…. eigentlich war es eher ein Salto den sie machen mussten.
Auch das Gelände der Eisbären war winzig, und die Pinguine hatten zwar mehr Platz, waren aber so viele, dass sie schlussendlich doch wieder recht eng gedrängt waren. Bei dem Anblick wurde ich irgendwie total traurig, und als ich sah, dass der Seehund 40 Jahre alt werden konnte, noch umso mehr. 40 Jahre kleine Kreise zu schwimmen, das war schlimmer als jede Gefängnisstrafe. Fasziniert von den schönen Tieren und gleichzeitig nachdenklich, was wir Menschen mit den Tieren auf dieser Erde anstellen, gingen Kingyan und ich zum Bus zurück. Wir Menschen nehmen uns aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen das Recht heraus, alle anderen Lebewesen auf dieser Erde als unserer Untergebenen anzusehen, und glauben, dass es uns zusteht, mit ihnen zu machen, was immer wir wollen. Wir können sie einsperren, zusammenpferchen, stopfen, töten, jagen, essen, sie quälen und an ihnen experimentieren und das alles ohne ein schlechtes Gewissen zu haben? Wenn wir von uns selbst schon behaupten, wir wären die einzigen Lebewesen auf dieser Welt, die ein Bewusstsein und eine Seele besitzen, dann ist uns von dieser Seele ganz offensichtlich nicht viel geblieben und wir sind schlimmer als jedes Raubtier, das wenigstens nur dann tötet, wenn es Hunger hat, und etwas zu essen braucht.

Freitag, 30. November 2007

Ein Österreicher ist Gewinner des Dalian-Redewettbewerbs 2007

Freitag 30. November 2007

Heute war die Endrunde des Dalian-Redewettbewerbs. Mehr oder weniger freiwillig wurden wir, das heißt die Stipendianten also in einen Bus verfrachtet und als seelische Unterstützung für unsere Kandidaten zu einem der größten und teuersten Hotels Dalians gebracht, wo der Wettbewerb stattfinden sollte.
Da wir die Reden schon 2 mal gehört hatten, saßen wir alle recht unmotiviert im Publikum und wurden nur aktiv, wenn einer unserer Freunde an der Reihe war, um ihm oder ihr mit Schriftzügen, die die Universität auf Tafeln hatte drucken lassen, Glück zu wünschen und ihn anzufeuern.
Da vor den Studenten noch die Vorträge der Volks- und Mittelschulen waren, kamen wir in den Genuss ganz kleine Kinder chinesisch quatschen zu sehen, und das mit einer Geschwindigkeit und einer Sicherheit, dass einem fast der Atem weg blieb. Was quälten wir uns da eigentlich so herum, und waren stolz auf jeden kleinen Fortschritt den wir machten, wenn Chinesisch doch im wahrsten Sinne so ein „Kinderspiel“ ist *gg*.

Da fielen mir wieder die Worte von Kingyans Lehrerin ein, die ihn einmal, als er sich darüber aufregte, dass er sich ein paar Zeichen einfach nicht merken konnte, mit den Worten beruhigte: Mach dir keinen Kopf. Bedenke du bist einfach schon 10 Jahre älter als die meisten anderen auf unserer Universität. Da geht eine neue Sprache einfach nicht mehr so schnell in deinen (verkalkten) Kopf rein *gg*.

Als Kingyan mir das damals erzählte, hatte ich ihn ausgelacht und gemeint, dass er jetzt halt schon zum alten Eisen gehört *gg*… Doch heute, traf mich die Situation genau gleich wie ihn… Könnte man nur einmal wieder so einfach eine Sprache lernen wie ein Kind, man könnte sich viel Mühe ersparen.

Nach den Volksschüler kamen die Gymnasiasten und nach ihnen die Studenten, und wir fieberten mit unseren Freunden mit und wünschten ihnen viel Glück.
Als Julian schließlich an die Reihe kam drückte ich ihm ganz fest die Daumen....
... und er wurde Erster! Und damit, kommt der Sieger des diesjährigen Redewettbewerbs in Dalian doch tatsächlich aus diesem winzig kleinen Land…. das zwar als Land der Musik in aller Munde ist, doch dessen eigentliche Lage niemand so genau kennt…

Wo war das doch gleich nochmal? In Europa vielleicht?

Koreanische Zhou (Reisschleimsuppe) für meinen Magen

Dienstag 26. November 2007

Heute war ich zwar wieder in der Schule, aber so ganz richtig in Ordnung war mein armer Magen noch immer nicht. Was auch immer es gewesen war, das ihn so aus der Fassung brachte, es hatte lange Nachwirkungen. Ich saß also im Unterricht und hörte mit einer Hand auf meinem Bauch mit der anderen im Heft zu, wie wir ironischerweise einen Lektionstext über Lebensmittelvergiftung und Chemikalien im Essen durchnahmen.
Als Yuni mich so sah, kam sie gleich ganz besorgt um zu fragen ob alles in Ordnung sei, und lud mich ein, am Abend bei ihr auf eine Reisschleimsuppe vorbei zu kommen.
Sie meinte, dass man hier in China und Korea Zhou essen würde, wenn man Probleme mit dem Magen hätte, und dass sie einen großen Topf für mich zubereiten würde.

Mit großen Topf hatte sie auch wirklich nicht übertrieben, denn als ich am Abend zu ihr kam, wartete eine riesen Schüssel Reisschleimsuppe auf mich, von der sie mir mehr als die Hälfte anschließend noch einpackte und mir befahl morgen zum Frühstück zu essen.
Es ist wirklich so unglaublich süß, wie sich alle hier um mich kümmern. Vor dem Schlafengehen schrieb sie mir noch eine SMS und vergewisserte sich, ob mein Magen noch in Ordnung war, und wie immer wenn sie mir am Abend schreibt wünschte sie mir die allerliebsten Träume. Und diese Nacht meinte es das Sandmännchen auch tatsächlich wieder einmal richtig gut mit mir und schenkte mir ganz viele schöne Träume. Ich schlief wie ein kleines Kind, bis zum Morgen, ohne auch nur einmal wegen Bauchweh aufzuwachen. :-)

Montag, 26. November 2007

Auf dem Weg der Besserung

Montag 25.November 2007

Nachdem mein Magen in der Nacht wieder Krämpfe bekommen hatte, beschloss heute nicht zur Schule zu gehen und meiner Körper eine Auszeit zu gönnen.
Ich schlief ganz lange, trank heißen Kamillenblütentee, den ich noch von Österreich mitgenommen hatte, und den Mama und Papa im Acker gebrockt hatten, und las ein Buch das ich von Rukmani bekommen hatte, und Geschichten über die indische Gesellschaft erzählte. So interessant, wie die Menschen unterschiedlicher Kulturen denken, und Bücher schreiben. Ich war total fasziniert von dem Buch, dass ich total die Zeit vergaß.

Am Mittag brachte mir Xiaxi ganz viel Obst und Wasser und fragte ob ich sonst noch irgendwas brauche. Total herzig, wie sie sich um mich sorgt. Ich aß ein bisschen was und ging dann wieder ins Bett, raffte mich am Nachmittag irgendwann auf meinen Text für die morgige Stunde durchzulesen und vorzubereiten und hörte dann ein bisschen japanische Musik, die Xiaxi mir gegeben hatte. Obwohl ich kein Wort davon versteh, mag ich einige ihre Lieder total gerne. Vor allem die langsamen Lieder gehen so richtig zu Herzen. So ruhig und doch lebendig… man müsste gerade japanisch auch noch lernen :-)

Viren und Wirren

Sonntag 25.November 2007

Letzte Woche war abgesehen von den Viren und Wirren eine ganz normale Schulwoche.
Xiaxi und ich quälten uns jeden Morgen aus den Betten, saßen in der letzen Reihe in der Klasse und folgten mal mehr, mal weniger motiviert dem Unterricht. Manchmal saß ich auch neben Terasu, einen Japaner der seine Zeichen so schön schreibt, dass ich lieber seine kopiere, als die Zeichen der Lehrerin von der Tafel abzuschreiben.
Gemeinsam machten wir in den Kouyu (Sprechpraktikum) –Stunden witzige Dialoge, bei denen die ganze Klasse in Lachen ausbrach, wenn wir sie vor allen vortragen mussten, und hatten meist eine lustige Zeit. Terasu ist zwar einer der ernsthaftesten Schüler unserer Klasse und es gibt fast keine Hausübung die er nicht gemacht hat, aber genauso hat er eine ganz liebe Art von Humor, die den Unterricht um einiges lustiger macht.
Nachmittags war ich meist alleine oder mit meiner Fudao gemeinsam am lernen, Zeichen wiederholen, Hausübungen machen, die Lektionstexte laut zu lesen und Aussprache üben. Und so gegen 5 ging ich dann wie fast jeden Tag seit ein paar Wochen zu meiner koreansichen Freundin Yuni um Sport zu machen.
Abends traf ich mich entweder mit Kingyan, Ruks, Mourad oder meinen chinesischen Freundinnen zum Abendessen und so wäre die Woche ohne große Aufregung vorbei gegangen, wären da nicht die Viren gewesen, die in unserem Wohnheim ihr Unwesen trieben. Mein Computer bekam plötzlich ganz komische Allüren und führte sich einmal auf, wie ein eigenwilliges, kleines Kind, das nie das tut, was man gerne von ihm hätte, ein anderes mal, als wäre er ein uralter Greis, der nicht zwei Sachen nebeneinander machen kann, und für alles 100 Jahre braucht bis er fertig ist. Die Programme öffneten sich so zeitverzögert, dass man gar nicht mehr wusste, dass man sie einmal öffnen wollte und schlossen sich selbst, wenn sie das Gefühl hatten für heute genug gearbeitet zu haben. Irgendwann glaubte auch mein Computer, trotz aller meine Reparaturversuche, und obwohl er eine ganz neue Festplatte zu seiner Unterstützung bekommen hatte, dass er in einen langen, sehr langen Dornröschenschlaf fallen müsse und lies sich auch mit gutem Zureden und 1000fachen Versuchen nicht mehr hochfahren. Er fing an die Festplatten zu prüfen und blieb aber immer bei 9% der Prüfung stehen. Da war nichts zu machen. Am Tag zuvor hatte schon der Computer meiner japanischen Freundin sich selbst ausgeschalten und ließ sich durch nichts mehr dazu bewegen weiterzuarbeiten, und fast zeitgleich mit meinem gab auch der Computer einer russischen Freundin Aliona den Geist auf.

Entmutigt von dem hoffnungslosen Fall, ließ ich den Computer zu Hause bei seinen 9% herumraunzen und ging zu Kingyan auf Kaffee und Süßes. Als ich dann spät abends wieder nach Hause kam, hatte er es zumindest schon auf 35% geschafft, und so ließ ich den widerwilligen Patienten eben die ganze Nacht prüfen und prüfen und prüfen….bis er es nach mehr als 7 Stunden dann endlich geschafft hatte sich hochzufahren, ohne den geringsten Fehler gefunden zu haben. Doch auf irgendeine mysteriöse Weise waren die Sicherheitsprogramme auf meinem Computer blockiert worden, und Norton war auf dem Stand von Wochen zuvor. Irgendwie hatte sich die automatische Updatefunktion ausgeschaltet gehabt und als ich ihn dann dazu aufforderte sich mal auf den neuesten Stand der Dinge zu bringen, fing er an Ewigkeiten Updates herunter zu laden.
Keine Ahnung an was es wirklich gelegen war, dass unsere Computer alle auf einmal so spinnig geworden waren. Aliona musste sogar Windows ganz neu installieren, da der Computer nur mehr komisch zusammengewürfelte Zahlen und Buchstaben von sich gab. Doch nach ein paar Tagen war der Spuk wieder vorbei, und auch wenn mein Computer noch immer nicht so schnell ist, wie in Österreich, so tut er zumindest wieder das was ich will.

Doch kaum war die Computervirengeschichte vorbei, da trafen die Viren uns Menschen.
Am Samstag hatte ich voller Freude zum Palatschinken/Crepeessen eingeladen. Kingyan hatte mir netterweise seine Wohnung, bzw seine Küche zur Verfügung gestellt und so hatte ich den ganzen Nachmittag damit verbracht, alle Zutaten zu finden, die ich brauchte. Auf dem Weg zu Kingyan nahm ich dann bei einem der kleinen Straßenläden noch eine Portion Eier-Tomaten-Reis für Kingyan und eine Portion gebratener Nudeln für mich mit, da wir planten, die Palatschinken als eine Art Dessert zu machen und den anderen nicht schon alles wegessen wollten.

Aber das stellte sich als keine gute Idee heraus, denn nach dem ich einige Palatschinken gemacht hatte und wir auf die anderen warteten um zum kommen, fing plötzlich mein Bauch an ganz arg zu schmerzen und bekam die allerschlimmsten Krämpfe, sodass mich Kingyan nach ein paar weitern Palatschinken auf die Couch verfrachtete mir eine große Tasse Tee in die Hand drückte. Bis die anderen kamen machte er dann noch den Rest des Teiges fertig und setzte sich dann zu mir auf die Couch. Rukmani, Liufan, Yuni, Haymi und Mourad ,die inzwischen gekommen waren, machten sich dann über die Palatschinken mit Erdbeermarmelade her, und fast alle gingen um sich Nachschlag zu holen, nur ich konnte meine Palatschinken gar nicht mehr probieren, so schlecht war mir mittlerweile geworden. Nicht mal Kingyans feiner Tee konnte da mehr helfen, und als ich schließlich nach Hause kam, legte ich mich total erschöpft von den Krämpfen ins Bett.

Nur sollte es nicht für lange sein, denn nach kurzer Zeit drehte sich mein Magen komplett um. An Schlaf war nicht mehr zu denken, denn mein Magen krampfte sich so arg zusammen, mir wurde abwechselnd heiß und kalt, und bald rannte ich alle Halbstunden auf unsere Toilette um mich zu übergeben. Total gerädert schlief ich dann irgendwann in der Früh schlussendlich doch ein, und schlief, nachdem ich mich bei Ruks und Kingyan entschuldigt hatte, dass ich nicht zu unserer geplanten Reisebesprechung im Amici-Kaffee kommen konnte, bis Mittags um 12, als die beiden dann, gemeinsam bei mir auftauchten um nach mir zu sehen. Rukmani brachte mir Toast, Bananen und Tee und Kingyan gute Laune. Wir setzten uns in Rukmanis Zimmer und im Kreise meiner Freunde fühlte ich mich gleich schon etwas besser und nicht mehr so arg alleine wie in der Nacht. Rukmani hatte zwar gesagt, dass ich sie jederzeit wecken könne, wenn es mir nicht gut geht, aber ich wollte sie wirklich nicht stören, zumal sie mir ja auch nicht wirklich helfen konnten. Doch jetzt war ich froh, dass die beiden für mich da waren und mich wieder aufheiterten.

Am Nachmittag erhielt ich dann noch einen besorgten Anruf von Yuni und Liufan, die mir eine gute Besserung wünschten, und als mich am Abend auch noch Mama und Anna anriefen fühlte ich mich von allen so lieb umsorgt, dass ich schon deshalb ganz bald wieder gesund werden musste :-)

Montag, 19. November 2007

Rukmani is back

Sonntag 18. November 2007

Heute Abend ist Rukmani wieder nach Dalian zurückgekommen. Von ihrem 30 Grad warmen New Delhi ins eisig kalte Dalian. Vor lauter Vorfreude konnte ich es gar nicht erwarten, sie endlich wieder mal zu drücken, und als sie dann endlich da war, beschlossen wir in einem koreanischen Restaurant mit Kingyan gemeinsam essen zu gehen.
Da wir wieder einmal nicht so genau wussten, was wir essen sollten, fragten wir die Kellnerin um Rat und sie empfahl uns ein Gericht, dessen Namen gar nicht so schlecht klang. Doch was eigentlich ein köstliches Wiedersehensessen hätte werden sollen, stellte sich als Nudeln heraus bedeckt mit einer dickflüssigen kohlrabenschwarzen Paste, die genauso schlecht schmeckte, wie sie aussah. Hätte man Motorschmieröl als Soße verwendet, hätte es kaum schlechter schmecken können. Gemeinerweise, waren die Nudeln alle unter dieser Soße vergraben und es war unmöglich sie da herauszubekommen, ohne nicht noch massenhaft von dieser „delikaten“ Paste mitzubekommen. Als die Kellnerin dann auch noch mit einer großen Schere kam um die Nudeln zu schneiden, da glaubte ich, Teil eines Aprilscherzes geworden zu sein *gg*.

Tja Ruks… welcome back to China *Gg*

Ein Abend mit Liufan

Samstag 17. November 2007

Heute war wieder einmal Redewettbewerb. Diesmal traten die beim letzten Bewerb Zweit- und Erstplatzierten aller Universitäten Dalians gegeneinander an. Unter ihnen war mein Sitznachbar Marian, der Kungfu-Meister, Julian aus Österreich, seine Freundin Diana aus Bulgarien, und André aus Deutschland. Während die Koreaner und Japaner von unserer Universität auf keinen besonderen Rang kamen, wurde Andre 2ter, Julian 3ter, Diana 5te und Marian 6ter. Ich finde das kann sich sehen lassen!!

Ich werden ihnen auf alle Fälle bei der Endausscheidung Ende November ganz fest die Daumen drücken, und wer weiß, vielleicht kommt der diesjährige Gewinner des Redewettbewerbs in Dalian ja aus Österreich :-)

Während die Sieger nach dem Wettbewerb gemeinsam Essen gingen um sich von den Strapazen der letzen Woche zu erholen, traf ich mich mit meiner chinesischen Freundin Liufan zum Abendessen. Ich aß zum ersten Mal die berühmten chinesischen Hundun, und war sofort total begeistert. Ich glaube, das könnte ich öfters essen :-)

Liufan habe ich einmal in der Mensa kennengelernt, als sie mir ihre Karte lieh um zu bezahlen, da die Kassiererin kein Geld annehmen wollte, und seither hatten wir uns einige Mal getroffen und waren inzwischen schon ganz gute Freundinnen geworden.
Sie hatte Freude dabei, mir neue Wörter und Zeichen zu erklären und ich half ihr ein bisschen bei ihrem Englisch. Obwohl wir uns bisher noch nie in ein Klassenzimmer gesetzt hatten um zu lernen, wie ich es mit meinen anderen chinesischen Freunden oft mache, sondern immer irgendwo zum Essen unterwegs sind, oder einfach nur am spazieren, habe ich mit ihr wahrscheinlich schon am meisten neue Wörter und Zeichen gelernt.

Auch heute Abend, als wir nach dem Abendessen zu Kingyan in die Wohnung gingen, und uns dort bei Kaffee und Keksen zusammensetzten, bewies sie wieder einmal ihrer „Lehrerqualitäten“. Gemeinsam versuchten Kingyan und ich einen Zeitungsartikel zu entziffern, den sie geschrieben hatte, und sie erklärte uns dabei ein paar besondere Wörter und Satzkonstruktionen. Als wir dann genug vom Lesen hatten, malte sie mit uns Zeichen und erläuterte, in welcher Reihenfolge die Striche zu setzen sind.

So bei Kaffee und Keksen und mit einer so lieben Lehrerin, da kam uns das „Lernen“ wie ein Vergnügen vor, und so saßen wir bis spät Abends auf Kingyans Sofa und quatschen über Chinesisch, aber auch über Kultur, Urlaub, Reisen, und was uns sonst noch so alles einfiel.

Glühweinparty bei Julian

Freitag 16. November 2007

Der Winter war gekommen, mit eisigen Temperaturen, und einem Wind der durch jede Falte der Kleidung blies die er nur finden konnte. Wagte man sich nach draußen, so färbten sich die Wangen bald vor Kälte rot, die Finger gefroren trotz Handschuhen zu Eiszapfen und der Atem begann vor unseren Nasen kleine Wolken zu bilden.
Der Winter war gekommen, und mit ihm die Glühweinzeit. Zumindest für uns Österreicher, Schweizer, Bulgaren und Russen. Zum Abschied von einem unserer russischen Mitstudenten, der morgen nach Hause fliegt, veranstaltete Julian in seiner Wohnung eine Glühweinparty. Da saßen wir also mit unseren Tassen heißen Glühweins, oder Glindweein, wie die Russen sagen in der Hand um Julian's Wohnzimmertisch und aßen russischen Käse und eine duftende, russische Wurst, sangen alte Lieder und hatten eine lustige Zeit.
Die Russinnen scheinen das singen und tanzen im Blut zu haben, und gaben begleitet von einer Karaoke-DVD alte russische Lieder zum Besten. Irgendwann fanden wir dann auch noch eine englische DVD und tanzten und sangen alle Hand in Hand vor dem Fernseher herum. Hätten sich nicht irgendwann die Nachbarn über diesen „unerträglichen Lärm“ beklagt, den diese Ausländer wieder mal machten, wären wir am nächsten Tag bestimmt alle heiser gewesen, von unserem mitreißenden Gesang *gg*

Kingyan, der Meisterkoch

Mittwoch 14. November 2007

Heute lud Kingyan am Abend zu einem großen Spagettiessen ein. Doch das waren nicht einfach nur irgendwelche Spagetti, nein die allerbesten, die ich je gegessen hatte, mit selbstgemachter Soße aus frisch zermanschten Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch und sonst noch ein paar Geheimzutaten, geriebenem Parmesan und duftendem Knoblaubbrot dazu.

Man durfte danach zwar keinen mehr küssen, der nicht auch an dem Essen beteiligt gewesen war, und hätte wahrscheinlich jeden Vampir mit einem Atemhauch umgelegt, aber es war köstlich…. mhhh….

Wasserstop

Dienstag 13. November 2007

Heute Nachmittag traf ich mich wieder einmal, mit meiner lustigen, kleinen chinesischen Freundin Hongying, die inzwischen schon ganz vernarrt in Österreich ist, so viel hab ich hier von unserem schönen Land erzählt.
Ich glaube, ich sollte Botschafter oder so was werden. Ich würde die Kunde von unserem faszinierenden Land in alle Welt tragen, und alle Menschen mit meiner Begeisterung für unser schönes Vorarlberg und mein geliebtes Wien anstecken. Je länger ich von zu Hause weg bin, umso mehr fällt mir auf, auf welchen besonderen Flecken Erde wir eigentlich leben, welch einzigartige Kultur unser Leben prägt, in welch wunderschönen Land ich eigentlich zur Welt gekommen bin.
Oft schenken wir diesen vielen kleinen Dingen, die unser Land so lebenswert machen, gar keine Beachtung mehr, nehmen als Selbstverständlichkeit an, was andere als großen Luxus betrachten würden.
Wir machen uns keine großen Gedanken, wenn wir das Fenster aufmachen und einen tiefen Atemzug frischer Luft atmen, den Wasserhahn aufdrehen und einen großen Schluck sauberen Wassers trinken. Wir vergessen welchen Komfort es darstellt, jeden Tag zu jeder Uhrzeit warm duschen zu können, nicht vom Wasserkocher heiß Wasser holen zu müssen um Geschirr waschen zu können, die Heizung aufdrehen zu können wenn es kalt ist, und nicht wie die Menschen hier in China darauf warten zu müssen, bis am 15. November die Heizungen von irgendeinem zuständigen Amt, ferngesteuert eingeschaltet werden, oder vielleicht überhaupt, wie etwas weiter südlich in China gar keine Heizung zu haben.

Heute Abend als ich nach Hause kam, wurde uns mitgeteilt, dass wir ab abends um 8 bis morgen um 9 kein Wasser, aus Gründen die keiner von uns richtig verstand, mehr hätten. Wir stürzten uns also alle um 7 sobald das Warmwasser angestellt wurde in die Duschen und füllten unsere kleinen Wasserbecken mit Wasser um morgen zumindest das Gesicht waschen zu können. Hatten wir uns an anderen Tagen noch über die hin und wieder komisch gelbe Farbe des Wassers und den eigenartigen Geruch des Wassers beschwert, so waren wir heute froh, zumindest ein kleines Becken dieses Wassers aufbewahren zu können.

Und mit einem Mal wurde mir bewusst, wie oft wir gedankenlos, unser Wasser vergeudeten, während andere vielleicht kein sauberes Wasser haben um sich zu waschen, und viele Millionen Menschen auf der Erde nicht mal genug zu trinken.

In meinem Kopf nahmen Bilder wieder Gestalt an, von einer Dokumentation über Afrika die ich vor langer Zeit einmal gesehen, Bilder von kleinen Kindern, die vor Hunger schon fast nur mehr Haut und Knochen waren und sich mit von verdrecktem Wasser aufgequollenen Bäuchen weinend an ihre Mütter drückten.
Ein Gefühl, der Verzweiflung überkam mich, und ich hatte das dringende Gefühl, etwas unternehmen zu müssen, nur wusste ich noch nicht was….

Die Testergebnisse sind da

Montag 12. November 2007

Wieder mal Montag und ich quälte mich aus dem Bett, um in die Schule zu gehen, wo zu meiner großen Überraschung schon die Testergebnisse ausgeteilt wurden. Obwohl unsere Qingdu-Lehrerin mit unserer Klasse gar nicht zufrieden sein schien, und sich Haare raufend fragte, warum denn einige so schlecht abgeschnitten hatte, war ich mit meinen Test ganz zufrieden. Einen Einser im Mündlichen und einen guten Dreier im Schriftlichen war mehr als ich mir zu träumen gewagt hatte.

Voller Motivation traf ich mich dann am Nachmittag auch zum ersten Mal wieder mit einer neuen Fudao-Lehrerin. Obwohl ich eigentlich lieber alleine lerne, wie, wann, und vor allem auf die Weise wie ich will, habe ich jetzt doch beschlossen es nochmals mit diesem Fudao zu versuchen. Es scheint in China irgendwie zum guten Ton zu gehören mit einer Fudao-Lehrerin zu lernen. Fast jeder hier hat seine eigene Fudao, mit der er sich oft sogar täglich zusammensetzt und für ein-zwei Stunden Chinesisch lernt. Im Normalfall, sind die Fudao-Lehrerinnen Studentinnen unserer Uni, die Chinesisch oder Chinesisch für Ausländer auf Lehramt studieren und in ihrer Freizeit für 1,5 Euro pro Stunde den ausländischen Studenten helfen, das Gelernte zu wiederholen und zu vertiefen, offene Fragen zu klären, um mit dem Eilzugtempo, das an der Uni vorgelegt wird Schritt zu halten zu können. Mal sehen, ob sich mein Hirn mit dieser asiatischen Lernmethode anfreunden kann. Aber egal, mit oder ohne Fudao, ich habe hier eine Faszination für alles was mit Sprachen zusammenhängt entwickelt, dass ich jeden Tag motiviert bin, etwas Neues zu lernen, neue Wörter zu finden, neue Texte zu lesen. Sprache eröffnet uns den Weg zu so viel neuem Wissen, zu so vielen unterschiedlichen Denkweisen, denn in jeder Sprache ist auch die Denkweise der Menschen enthalten die sie sprechen. Sprachen zu lernen, bedeutet auch, die Welt durch andere Augen zu sehen, aus einem anderen Blickwinkel wahrnehmen zu können, seinen Horizont über die Grenzen der eigenen Sprache hinweg erweitern zu können. Sprache ist der Schlüssel zu Wissen, Sprache ist der Schlüssel zum Verständnis, Sprache ist ein Wunder in sich.

Die ersten Fotos von meiner kleinen Nichte

Sonntag 11. November 2007

Heute gleich in der Früh, noch bevor ich mit Kingyan zu unserem sonntäglichen Frühstück aufbrach, schaltet ich meinen Computer ein, um die ersten Fotos von der kleinen Isabella und ihrer stolzen Mami zu sehen. Ein so süßes Baby, und noch so winzig klein. Ich wollte es am liebsten gleich schon wieder herzen.

Ein seltsames aber ebenso freudiges Gefühl überkam mich, wenn ich daran dachte, dass die Beziehung meiner kleinen, großen Schwester nun zu einer richtigen, kleinen Familie geworden ist, und sie in ihren Armen wahrscheinlich gerade ihre wunderschöne kleine Tochter hielt.

Ich schaute die Fotos wieder und wieder an, und wünschte mir so sehr ich könnte zu Hause sein. Warum war ich nur so weit weggegangen? Warum, warum, warum? Ich wusste warum; Ich wusste, dass ich selber entschieden hatte, hierher zu kommen, aber damals hatte ich nicht realisiert, was das bedeutet. Dass ich dann wie ein außen stehender Beobachter zusehen muss, wie ein neuer Mensch in unsere Familie geboren wird, dass ich diesen neuen Menschen nicht in den Arm nehmen kann, meine liebe Schwester nicht drücken kann, oder ihr helfen kann, dass ich dann alle diese tiefen Gefühle, die diese besondere Zeit prägen nur aus der Ferne erfahren kann. Ich war wieder den Tränen nahe, und sehnte mich danach, mit ihr diese Momente erleben zu dürfen.

In Gedanken versunken, und im Herzen bei meiner Schwester machte ich mich auf den Weg mit Kingyan frühstücken zu gehen, und egal wie groß mein Kummer auch war, er schaffte es mit seiner ruhigen optimistischen Art mich wieder aufzuheitern, und mit seinen ironisch-sarkastischen Sprüchen sogar zum Lachen zu bringen.
Ich bin froh, hier so liebe Freunde gefunden zu haben, denn ohne sie wäre die Zeit hier in China nur halb so schön. Wo immer der Schuh drückt, was immer es ist, was mein Herz bedrückt, sie schaffen es, mich mit ihrer guten Laune anzustecken, und den Sonnenschein in mein Herzen zurück zu bringen.

Am Abend skypte ich dann auch noch mit meiner lieben Anna, und als ich ihre Stimme dann wieder hörte, ging’s mir im Herzen schon fast wieder gut. Obwohl sie so weit weg ist, und wir uns nun so lange Zeit nicht sehen können, so sind wir im Herzen doch immer beieinander, und für einander da. Jeden Tag, selbst wenn wir uns nicht sehen können, so können wir doch fast jeden Tag im ICQ quatschen und dann hab ich das Gefühl, dass sie eigentlich gar nicht so weit weg ist. Ich bin wirklich so unendlich glücklich, eine so liebe Freundin gefunden zu haben, mit der ich alles teilen kann, meine Freude, meinen Kummer, meine Gedanken, mein Herz. Eine Freundin, die mich immer wieder aufbaut, wenn ich traurig bin, wenn ich Liebeskummer hab, wenn’s mir nicht gut geht. Eine Freundin, die mich einfach nie im Stich lässt, egal wie weit wir voneinander getrennt sind. Einfach ein kleiner Engel auf Erden :-)

Isabella

Samstag 10. November 2007

Heute Morgen brachen Kingyan und ich gemeinsam auf, um für meinen komplett überforderten Laptop nach einer neuen Festplatte zu suchen. Ich hatte wohl in letzter Zeit, zu viel von meinem alten Lappe verlangt und ihn damit an den Rande des Wahnsinns, oder besser gesagt, an den Rande des Absturzes gebracht.
Ich war gerade dabei, mit den Verkäuferinnen auf Chinesisch über die Eigenschaften ihrer externen Festplatten zu diskutieren, was für mich ja schon auf Deutsch eine Wissenschaft für sich darstellt, und mich auf Chinesisch nicht nur an die Grenzen meines Computerwissens, sondern auch meines Vokabelwissen brachte, da erhielt ich einen Anruf von Papa, dass Papa seit heute nicht nur mehr Papa, sondern auch Opa, Mama nicht nur mehr Mama sondern auch Oma und ich seit heute frischgebackene Tante war.
Ich hüpfte vor Freude neben Kingyan hin und her, der mich nur mit einem Grinsen auf den Lippen anschaute, und fragte, was denn so freudiges passiert war. Meine kleine Nichte Isabella war geboren!!!

Am liebsten wäre ich gleich nach Hause geflogen, um das kleine Baby zu herzen und seine Mama ganz fest zu drücken. Als ich dann nach unserer Einkaufstour alleine zu Hause angekommen war, vermisste ich mein Schwesterherz so sehr, dass ich nicht anders konnte als dicke Tränen des Kummers zu vergießen. Niemand war da um mich zu drücken. Rukmani war nach den Tests für eine Woche nach Hause in die Wärme gefolgen und hatte mich hier im eisig-kalten Dalian allein gelassen. Keine Tür gleich neben an, an die man klopfen konnte wenn man traurig war, und heißen Tee und liebe Worte für ein wundes Herz bekam.
Warum konnte ich nicht auch zu Hause sein? Ich wollte so gerne auch dabei sein, wenn meine kleine, große Schwester ihr erstes Baby bekommt. Doch alles, das mir blieb, war ihr ein SMS zu schreiben und mich aus der Ferne ganz fest für sie zu freuen.

Liebe Nicole, liebe Isabella, ich drück euch in Gedanken ganz fest, und freu mich schon auf eure ersten Fotos :-)

Midterm-Test

Freitag 9. November 2007

Heute war der Tag der Wahrheit. Die Midterm-Tests standen ins Haus.

Während ich sonst den Wecker mindestens 3 mal weiterstellte, und es immer erst im letzten Moment schaffte mich aus dem Bett zu quälen, war ich heute schon vor meiner Zimmerkollegin wach, die, als sie aufwachte ganz verwundert fragte, ob ich vielleicht krank sei, dass ich schon so früh aufgestanden war.

Nein, richtig krank war ich nicht, aber ob mein Hirn, an dem Lernmarathon der letzten Tage keinen Schade genommen hatte, das konnte ich nicht mit Sicherheit bestätigen.
Doch, hirnkrank hin oder her, die Lernerei schien sich ausgezahlt zu haben, denn obwohl ich als Allerletze den Test abgab, und bei einigen Stellen, mich einfach nicht mehr erinnern konnte, was das blöde Zeichen jetzt heißen sollte, hatte ich im Großen und Ganzen gar kein so schlechtes Gefühl. Die Lehrerin fragte auch sofort besorgt, ob ich mit dem Test halbwegs zu recht gekommen sei, denn seit ich ihr letzte Woche das letzte Buch gezeigt hatte, das wir in Österreich durchgemacht hatten, schien sie zu befürchten, dass ich den Test wohl nicht bestehen könnte.

Als sie mir am Anfang des Jahres riet, in dieser Klasse zu bleiben, da hatte sie offensichtlich angenommen, dass ich schon wesentlich mehr gelernt hätte. Die Bücher die wir in Wien verwendeten waren die ersten 4 einer Reihe von 6, die als Vorbereitung auf das Buch gelten, das wir jetzt hier im Unterricht verwenden. Während die Schüler hier in China diese Reihe in 2 Jahren schon längst erledigt haben, hatten wir in Wien gerade einmal mit dem 4ten Buch begonnen, was mit anderen Worten heißt, dass zwischen dem Level, das ich hatte, als ich nach China kam, und dem Level, das ich jetzt haben sollte, mindestens 2 Bücher liegen. Während man uns in Wien genug Zeit ließ, uns mit den Zeichen anzufreunden, und die Grammatik zu festigen, wird hier in China alles im Eilzugtempo durchgenommen. Da die meisten Studenten hier aus Korea und Japan sind, und auch in ihren Heimatländern eine Variante chinesischer Zeichen verwenden, können sie oft von der Form des Zeichen schon auf seinen Sinn schließen und brauchen dann nur mehr die richtige Zusammensetzung und Bedeutung lernen.
Doch für mich ist jedes neue Zeichen ein neues Rätsel, das es zu entschlüsseln gilt. Vielleicht kann ich von einem Bestandteil des Zeichens auf einen sehr weitgefassten Überbegriff kommen. Doch oft hat dieser Überbegriff dann nur im Entferntesten mit der Bedeutung des Zeichens zu tun, und kann zum Verständnis des Textes doch wieder nur einen geringen Beitrag leisten.
Es gilt nun also, mit dem Eilzugtempo der Koreaner und Japaner mitzuhalten, und gleichzeitig, die Lücken zu schließen, die zwischen meinem Buch aus Österreich und meinem jetzigen Buch bestehen.
Gewiss konnte auch mein Lernmarathon kein Wunder bewirken, und vielleicht wird der Test noch immer nur mittelmäßig ausfallen, aber ich hatte in den 2 Monaten auf jeden Fall mehr dazu gelernt, als zu Hause in einem Semester.

Als ich dann mit brummendem Schädel und recht erschöpft nach Hause ging, erhielt ich einen Anruf von Seraina, und alle Müdigkeit war auf einmal wieder verflogen. Ich freute mich so sehr über ihren Anruf, und ich hatte wieder einmal das Gefühl, wir würden uns schon ganz lange kennen. In dem einen Monat in Peking, waren wir wirklich zu richtig guten Freundinnen geworden. Ich erzählte ihr von China, von der Schule, von den Leuten hier, von meiner Familie zu Hause, von Menschen die ich vermisste, und sie berichtete mir von den neuesten Ereignissen in der Schweiz. Als wir dann nach einem langen Gespräch auflegten, hatte ich einen großen Smilie auf den Lippen, und freute mich schon auf unser nächstes Telefonat.

Lernmarathon

Donnerstag 8.November 2007

Nach diesem zauberhaften Hexentanz an Halloween hatte es sich fürs erste Mal ausgegeistert. Die Zwischentest standen ins Haus, und in unserem Wohnheim kehrte eine bisher noch nicht gekannte Ruhe ein. Der Ernst des Studentenlebens hatte uns gepackt, und jeder versuchte mit mehr oder weniger großem Erfolg, die Berge von Vokabeln abzuarbeiten, die die Lehrer uns als Teststoff aufgetragen hatten. Fürs Geistern blieb uns da keine Zeit mehr, zumindest fast.

Denn eines Tages war ich total kaputt von den Unmengen chinesisches Zeichen die in meinem Kopf herumschwirrten ins Bett gefallen und vor lauter Ermüdung gleich eingeschlafen.
Als Xiaxi dann zurückkehrte, sah sie schon von weitem, dass in unserem Zimmer kein Licht war, und nahm an, dass ich wohl weggegangen sein muss. Sie kam also mit lautem Krach ins Zimmer, schaltete sogleich den Fernseher auf irgendwelches japanisches Gequatsche ein, begann mit viel Lärm ihre Einkäufe auszupacken und entschied sich schlussendlich zusätzlich zum Fernseher auch noch Musik anzumachen, und dabei lautstark mitzusingen.

Unsanft aus meinen Träumen gerissen, zog ich mir die Decke über den Kopf und versuchte noch so lange es möglich war im Träumeland zu bleiben. Doch dieser Krach war einfach nicht zu ignorieren, und so nahm ich meine Plüschhund August unter der Decke hervor und begann mit ihm noch immer nicht ganz wach, herumzuspielen. Ich war noch in Gedanken versunken, und im Herzen an einem ganz anderen Ort, als Xiaxi hinter mir plötzlich laut aufschrie, und mit Entsetzen in den Augenwinkel zu meinem Bett starrte.
Mit einem Mal war ich hell wach, und konnte gar nicht begreifen was passiert war.
Und als sie dann auch noch in noch lauteres Lachen ausbrach, verstand ich die Welt nicht mehr. War mein Gesicht vielleicht grün, oder meine Haare rot??
Nein, sie hatte einen Geist gesehen *gg*. Im festen Glauben, ich wäre nicht zu Hause, hatte sie gar nicht darauf geachtet, ob ich vielleicht im Bett liegen könnte, und da ich die Decke über dem Kopf hatte, war ich ihr auch nicht aufgefallen. Während sie aber mit dem Rücken zu mir ihre Sachen auspackte, sah sie plötzlich im Augenwinkel, dass sich mein Hund bewegte, wie von Geisterhand bewegt….

Tja, die meisten Hexen haben eine Katze… ich habe einen Hund

Samstag, 3. November 2007

Halloween


Mittwoch 31. Oktober 2007


Obwohl es in China, als auch in Japan und Korea eigentlich gar kein Halloween gibt, und die Menschen diesen Brauch eher nur aus dem Fernsehen kennen, war ich heute auf ein Halloweenfest bei einer koreanischen Freundin eingeladen.
Wie alle guten Hexen, nahm ich also wie jedes Jahr an Halloween meinen Besen unterm Bett hervor, und machte mich auf zum Geistertreffen…. Irgendwie fehlten dabei Nici, meine kleine Hexe, Sophia, meine Wahrsagerin und der Gruselknabe Frankenstein.

Ohne meine zauber-hafte Schwester zu hexen, macht einfach nur halb soviel Spaß, vor allem wenn die Chinesen einen alle komisch anschauen, wenn man mit Hexenhut herumläuft. Die müssen sich wohl alle gedacht haben, dass die Ausländer, und besonders diese da mit den blonden Haaren nicht ganz dicht im Kopf sind. *Gg*
Um nicht allzuviel Aufregung zu erzeugen packten Xiaxi und ich unsere Hexenutensilien also in die Tasche und gelangten undercover bis zum Haus unserer Verbündeten, wo die Hexenparty steigen sollte. Während in der Hexenküche noch fleißig gebraut und gebraten wurde, höhlten Xiaxi und ich Kürbisse aus, und bereiteten alles für das internationale Hexenmahl vor…aus den Lautsprechern kam koreanische Musik, man redete Chinesisch, und nach dem Essen schauten wir einen, ob ihrs glaubt oder nicht, österreichischen Gruselfilm an. Ich war wirklich überrascht, dass man den hier in China finden konnte, und dass meine koreanische Freundin den hatte.
Xiaxi, bekam alle paar Minuten fast einen Herzstillstand, und als wir dann irgendwann mitten in der Nacht nach Hause gingen, und hinter uns plötzlich irgendwas mit lautem Gepolter umfiel, blieben wir beide vor Schreck erstarrt stehen, und starrten entsetzt in die Richtung aus der der Lärm gekommen war. Nachdem aber nichts zu sehen war, fingen wir beide über uns selbst an zu lachen, und versuchten uns auf dem Heimweg gegenseitig plötzlich zu erschrecken…..

Zuhause legte ich dann meinen Besen wieder unters Bett, und verstaute ihn, bis zur nächsten „Walpurgisnacht“…

Vorgeistern in der Aston-Futur- School


Dienstag 30. Oktober 2007

Eine Nacht vor Halloween kauften Ruks, Baibai und ich im französischen Supermarkt ein paar Geistersachen und gingen in die Schule, in der Baibai arbeitet um ein bisschen vorzugeistern.
Alles war sehr lieb dekoriert, und vorbereitet, nur irgendwie fehlte dem ganzen ein bisschen der Pepp. Ein paar der Chinesinnen hatten auch den Sinn von Halloween nicht so ganz verstanden, und waren als Prinzessinnen gekommen, und andere wiederum hatten sich gar nicht verkleidet. Doch als schließlich das Buffet und die Bierkisten eröffnet wurden, kam das Ganze in Schwung, und alles in allem kann man sagen, dass es ein recht gelungenes Vorgeistern war…

The red beach und the rice fields of Panjin


Sonntag 28. Oktober 2007

Nach dem doch etwas enttäuschenden ersten Tag, wurde der zweite Tag unserer Reise dafür umso besser. Nach einem recht guten Frühstück in der Mensa, wo wir nach chinesischer Tradition Reissuppe, Mantou, Eier und Sojamilch bekamen, setzten wir uns wieder in den Bus, und machten eine Spazierfahrt durch diese Reisfelder, von denen man uns gestern erzählt hatte. Für mich sah es zwar aus, wie Fischteiche, da alles unter Wasser stand, aber wahrscheinlich war gerade das, das Besondere. Diese Felder gingen fast nahtlos über in das größte Schilfmeer Asiens. So weit das Auge reichte, sah man nichts als sich im Wind wiegender Schilf, in dessen Herzen irgendwann die berühmte „red beach“ auftauchte… Ein Teppich aus roten Pflanzen, die den Boden überzogen, als hätte sich Gott selbst den roten Teppich ausgelegt, auf dem er dann auf die Erde kommen konnte. Als dann eine kleine Tempelanlage auf Pfahlbauten vor uns auftauchte, die in diesem Planzenmeer errichtet worden war, blieb unser Bus stehen, und wir machten uns auf, um in der eisigen Kälte, die sich über Nacht noch verstärkt hatte, dieses rote Meer zu erkunden. Der Wind war beißend kalt, und bald waren unsere Gesichter vor lauter Kälte rot gefärbt. Gott sei Dank hatte ich sicherheitshalber noch ein zusätzliches Paar Ersatzsocken mitgenommen, die ich nun als Handschuhe verwenden konnte, um meine Finger zu wärmen. Meine Lehrerinnen, die auch mitgekommen waren, lachten als sie mich sahen, und riefen unter lautem Lachen…“Ai… Dixingli… nimen zai aodili zuo zhe yang? *gg* Ai, Desiree… macht ihr Österreicher das so?


Und so sorgten meine Socken, für eine lustige Zeit, und taten mir auch später als wir noch das Schilfmeer anschauen gingen, in dem wir zwar von dem Wind etwas geschützt waren, in dem es aber immer noch eisig kalt war, gute Dienste.

Dass die Chinesen Sinn für Spass und Spiel hatten, bewiesen die Wege die durch diesen Sumpf gemacht worden waren. Wo auch immer was Wasser hoch stand, wurden kleine Brücken errichtet, aber nicht nur eine, sondern eine ganze Reihe… eine gute, sichere Brücke für Feiglinge, eine etwas wackeligere für Mutigere, und für besonders Mutige gab es nur mehr sich in alle Richtungen bewegende Hängeschaukeln, auf denen man sich von einer zur anderen hangeln musste, um wenn man Glück hatte, das Wasser zu überqueren, ohne hineinzufallen. Einer der Chefs unserer Universität war sportlich und mutig genug, um sich auf eine dieser besonders wackeligen Brücken zu wagen und unter den Anfeuerungsrufen von uns allen wie ein Akrobat von einem Ufer zum anderen zu turnen. In manchen Männern stecken wirklich noch Talente, die man ihnen auf den ersten Blick gar nicht zugetraut hätte, schon gar nicht, wenn man diesen Mann immer nur in Anzug und Krawatte hinter einem Schreibtisch sitzen gesehen hatte. *Gg*

Bevor wir uns auf den Weg nach Hause machten, besichtigten wir noch einen Tempel mit Wandelgang, an dessen Wänden Steintafeln, mit den chinesischen Zeichen aller Epochen angebracht waren, und an denen man die Entwicklung, dieser aus Bildern entstandenen Zeichen nachvollziehen konnte. Wirklich beeindruckend, wie sich diese Schrift über so lange Zeit entwickelt und verändert hatte um sich den sich immer ändernden Bedürfnissen der Zeit anzupassen. Wie man mit der Zeit Methoden entwickelte, um die Bilder auch für Dinge zu verwenden, die man eigentlich gar nicht abbilden konnte, und damit alles ausdrücken konnte, von Astronomie über Naturwissenschaften, Geisteswissenschaften, moderne Technologien… einfach alles… in Bildern ausgedrückt…

Ausflug nach Panjin


Samstag 27. Oktober 2007

Wieder war das Wochenende gekommen, und wieder stand eine Reise bevor. Diesmal war es ein Ausflug nach Panjin den die Universität für alle Stipendianten organisiert hatte. Wir hatten zwar alle keine Ahnung was und wo dieses Panjin sein sollte, aber nachdem alles gratis war, war die Entscheidung bald gefallen und man brach auf, um Neues zu sehen, und Unbekanntes zu entdecken.
Da Rukmani die ganze Nacht an einem Artikel gearbeitet hatte, der noch diese Woche in Indien in den Druck gehen sollte, und deshalb in letzter Minute sich doch für das Bett entschieden hatte, anstatt sich in einen Bus zu setzen, brach ich also ohne sie auf.
Im Bus saß ich neben einer ganz lieben Koreanerin, die ganz außerordentlich gut Chinesisch sprach, und sie erzählte mir ihre Geheimnisse, wie sie es anstellte, in den 3 Jahre, die sie Chinesisch gelernt hatte, ein derart hohes Level zu erreichen.
Ich nahm mir ganz fest vor, ihrem Beispiel zu folgen, und aus meiner Zeit hier, so viel wie möglich herauszuholen.
Das Schöne ist ja, dass ich hier außer mit Kingyan mit fast niemandem Deutsch rede. Mit Rukmani rede ich Englisch, mit Murad Französisch und mit den meisten anderen Chinesisch, was nicht nur mein Chinesisch nach vorne bringt, sondern bestimmt auch mein Englisch. Bei meinem Französisch bin ich mir nicht so ganz sicher, denn meine Konversation mit Murad beschränkt sich meist darauf, alles was ich schon mal konnte, wieder aus den Tiefen meines Gedächtnisses zu holen, und vor dem kompletten Vergessen zu retten.
Auf der Fahrt lernte ich jedoch noch eine zweite Französin kennen, Helene, mit der ich mir dann in Panjin ein Zimmer teilte, und je länger unsere Unterhaltung war, desto flüssiger und natürlicher kamen die französischen Worte wieder über meine Lippen. Ich musste nicht mehr angestrengt nach Worten suchen, sondern konnte die meisten Dinge, ohne lange zu überlegen, in mehr oder weniger korrekten Sätzen ausdrücken.
Helene korrigierte auch immer sofort die kleinen Fehler die sich einschlichen, und machte Vorschläge wie man dies oder das, in einem schöneren Französisch ausdrücken konnte.

Wenn ich nun noch die Zeit finden würde, in Englisch, als auch in Französisch wirtschaftliche oder politische Artikel zu lesen und auf deren Wortschatz zu analysieren, dann müsste ich mir um mein Translationsstudium in Englisch und Französisch vielleicht nicht mehr so große Sorgen machen.
Aber abgesehen davon, dass man hier in Dalian fast keine englischen und noch viel weniger französische Zeitschriften findet, sind meine Tag und auch Nächte bisher und bestimmt auch noch in Zukunft so ziemlich mit Chinesisch-Hausübungen ausgefüllt, sodass meine einzige Übung in Englisch und Französich die Unterhaltung mit meinen Mitstudenten bleibt.

Angekommen in Panjin erwartete uns dort ein unglaubliches Mistwetter, und wir legten den Weg vom Bus zu unserem Hotel im Laufschritt zurück. Dort durften wir dann jeweils zu zweit ein Zimmer in diesem relativ nobeln chinesischen 4 Sterne-Hotel beziehen. Helene und ich waren sofort begeistert von dem schönen Badezimmer, in dem es eine Duschwanne, bzw, eine Badewanne gab, die Dusche sogar mit einem Vorhang vom restlichen Raum abgetrennt war, und noch dazu Warmwasser aus der Leitung kam :-)
Nach den 3 Monaten chinesischen Wohnheimlebens, kam mir das schon vor wie ein Luxus. Und Helene, die seit 2 Monaten bei einer chinesischen Familie, mit einem winzigen Badezimmer wohnt, in dem von der Spülung bis zur Dusche nichts so ganz richtig funktioniert, teilte dieses Gefühl mit mir.
Nachdem wir unsere Sachen auf den Betten verteilt hatten und noch eine Schicht Pullis angezogen hatten, machten wir uns mit beträchtlich leichteren Rucksäcken wieder auf, hinaus in den Regen. Unser Bus brachte uns zu einem Restaurant, irgendwo in dieser 1-Millionen-Stadt, die weder Zentrum, noch Stadtkern zu haben schien, wo wir mehr oder weniger gut zu Mittag aßen. Von dort wurden wir mit dem Bus wieder weitergekarrt um die Partneruniversität unserer Uni zu besichtigen.

Es schien, als hätte, diese für China doch ziemlich kleine Stadt einen Mangel an Ausländern, und so wurden wir, nachdem wir uns einige Reden anhören durften, und einem Zeichenlehrer zusehen konnten, wie er Pferde und Tiger malte, kurzerhand in ein Klassenzimmer geschafft, um mit den dortigen Studenten Englisch zu üben.
Wir alle, waren mit der Erwartung gekommen, hier etwas Sehenswertes zu besichtigen, doch wie es schien, waren wir die Attraktion für die Stadt, nicht die Stadt für uns.
Unsere unmotivierten Gesichter hellten sich erst beim Abendessen wieder auf, als wir in der Mensa des Lehrpersonals mit den Köstlichkeiten der Region verwöhnt wurden. An diesem Abend aß ich zum ersten Mal einen Krebs, Seidenraupen, und einen ganz besonderen chinesischen Eintopf. Der Panjin-Krebs, war kein Meerestier, sondern wuchs in den Reisfeldern auf, die die Region zumindest in China recht berühmt machten. Der Reis hier wurde auf einer ganz besonderen Erde angepflanzt, was ihn, laut Aussagen unserer Guides ganz besonders schmecken lässt. Ich konnte davon zwar nichts merken, aber dazu bin ich wahrscheinlich zuwenig Reisexperte *gg*

Der Krebs war jedenfalls nicht schlecht, und auch die Raupen waren ganz okay… Entgegen meiner Erwartung waren die Raupen keineswegs fleischig, sondern eher knusprig, und von der Konsistenz eher wie was zum Knabbern… satt werden würde man davon jedenfalls bestimmt nicht.
Mit vollen Bäuchen und durch einiges an Pijiu und Baijiu angeheitert kehrten wir dann Abends wieder ins Hotel zurück, wo wir uns die Füße und Hände wieder wärmten und den Tag mit einer angenehm, warmen Dusche beschlossen.