Montag 24. Dezember 2007
Die Lehrerin schien zu wissen, dass wir zwar physisch anwesend waren, aber in Gedanken ganz wo anders. Nachdem sie anfangs noch ein paar mal versucht hatte, uns etwas zu fragen, und die Antworten immer ratlose Blicke waren, die Mate und ich uns zuwarfen, so begnügte sie sich damit, unsere Anwesenheit an Weihnachten zu würdigen und uns nach der Stunde mit einem herzlichen Lachen frohe Weihnachten zu wünschen.
Nachdem wir dann die 4 Stunden Unterricht überstanden hatten, gingen Mate und ich Kaffee trinken und ich fuhr anschließend in die Stadt, wo Kingyan und Ruks auf mich warteten zum Mittagessen. Wir aßen im Kaffeebereich einer netten Bäckerei was Süßes und machten uns dann auf den Nachhauseweg um die restlichen Geschenke zu verpacken. Ich traf mich noch mit meiner Fudao Lehrerin, die mir zwei neue Stifte schenkte, weil sie meinte meine hübschen Zeichen würden einen besseren Stift verdienen, und fleißige Studenten sollten sich nicht mit kratzigen Bleistiften herumquälen müssen.
Sie schrieb mir in ihrer schönsten Schrift eine chinesische Weihnachtskarte, damit ich die Zeichen dann auch bestimmt lesen konnte.
Ich hatte für sie ein kleines Notzizbuch und einen Stift, hübsche Haarspangen und eines der bunten, eingepackten Kekse aus der Bäckerei gekauft.
Nachdem wir uns am Anfang etwas zusammenraufen mussten, ist sie von meiner Fudao-Lehrerin mittlerweile schon fast zu einer guten Freundin geworden.
Gerade als ich heimkam rief mich Seraina an, um mir frohe Weihnachten zu wünschen, und wir plauderten noch ein bisschen, bis sie auf den Weg musste, um zu ihren Eltern zu fahren.
Und ich…. ich machte mich schön für den Abend….
Ich zog den neuen Pullover an, den ich gestern gekauft hatte, als Kingyan, Ruks und ich auf Weihnachtsgeschenke-Shoppingtour waren, machte meine Haare zurecht, und zog die Kette an, die ich in Peking gekauft hatte, und die mich so an die Zeit mit Seraina erinnert. Ich hatte mich so sehr gefreut, dass sie mich angerufen hat, und an mich gedacht hat an Weihnachten :-)
Während ich darauf wartete, dass auch Rukmani sich fertig hergerichtet hat, plauderte ich noch ein bisschen im ICQ und dann ging’s los, zum Olive Garden. Ein feines westliches Restaurant, wo es heute zu Weihnachten ein ganz besonders Buffet gab. Wir hatten einen großen Raum gemietet, und als wir hin kamen und die lange Tafel festlich rot geschmückt war, im Hintergrund Mates WeihnachtsCD lief, da wurde uns allen so richtig feierlich zu Mute. Ich saß mit Kingyan, Mate und Rukmani plaudernd und lachend an einem Ende des Tisches und es dauerte nicht lange, da wurde das Buffet eröffnet.
Es gab gutes Brot und Butter, Pizza, Spagetti, Kürbiscremesuppe, Truthahn, Reis, Kartoffeln, Puree, Salate, Meeresfrüchte, Fleisch und Wurstplatten, Käseplatten und Kuchen, und noch eine Menge Sachen, die ich nicht probiert habe…
Ich deckte mich gleich schon mal mit Brot und Butter ein…. oh wie sehnsüchtig hatte ich mich die ganze Zeit schon auf ein Butterbrot gefreut, Butterbrot mit richtigem Brot und richtigem Butter… mmhhhh… alleine das war hier in China schon Weihnachten und Geburtstag zugleich.
Alle waren begeistert von dem Buffet und so saßen wir zu dreißigst an unserer Weihnachtstafel, ließen uns die feinen Speißen schmecken, quatschen, lachten, und genossen die gemeinsame Zeit.
Kingyan bestellte für uns 4 einen guten Wein, und wir stießen auf Weihnachten, unsere Zeit in China und eine gute Freundschaft an. In Mitten meiner lieben Freunde fühlte ich mich so glücklich, dass ich mit meinem Glas edlen Wein in der Hand einfach nur da saß und lächelte, die Geräusche rund um mich schienen leiser zu werden, ich hörte nur mehr die Musik und fühlte mich, als wäre ich in eine Welle des Glücks getaucht.
Und dann war es Zeit die Geschenke auszupacken. Zuerst tauschen alle von uns ein kleines Geschenk aus, das jeder um ein paar Yuan gekauft hatte. Jeder schrieb seinen Namen auf einen kleinen Zettel und zog einen anderen Zettel mit dem Namen der Person, der man sein Geschenk überreichen sollte. Ich hatte eine Duftschale mitgebracht, die ich Joshi aus Mexiko schenkte, und ich selbst bekam ein Paar farbenfrohe Flauschsoken, zufälligerweise von Rukmani.
Und dann kamen die besonderen Geschenke….
Kingyan, Rukmani und ich hatten beschlossen uns gegenseitig etwas ganz Besonderes zu schenken. Kingyan war der Erste mit auspacken. Rukmani und ich kaufen für Kingyans MP3 Player, den er und ich gemeinsam gekauft hatten, eine zusätzliche Memorycard, damit er wenn er wieder einmal fleißig im Fitnesscenter trainiert, auch ganz bestimmt kein Lied zweimal hören muss, und dazu eine kleine Sporttasche die man an den Oberarm schnallen kann, damit beim Sport der MP3 Player nicht dauernd gegen die Beine schlägt.
Er hatte so eine Freude, dass es schön war ihm zuzusehen. Er umarmte uns ganz fest, und wir bekamen, beide ein Weihnachtsküsschen auf jede Wange, und für die Milka-Schokolade die ich ihm dann noch in seine Weihnachtskarte gesteckt hatte, bekam ich noch eine Umarmung extra.
Als nächstes war ich an der Reihe. Ich hatte ein großes Packet, das Rukmani so hübsch einpackt hatte, dass ich es einfach nicht übers Herz brachte das Paket aufzureißen.
Ich hatte so eine Freude das Paket auszupacken, und noch viel mehr, als ich dann den Inhalt sah, eine hübsche, weiße Handtasche und braune Lederhandschuhe. Nach beidem hatte ich hier in Dalian schon lange Zeit gesucht und bei den Taschen absolut nichts Hübsches gefunden, und bei den Handschuhen waren alle viel zu eng gewesen, die ich probiert hatte. Doch die beiden hatten es irgendwie geschafft eine nette Tasche und passende Handschuhe aufzutreiben. :-)
Nun war ich es, die den anderen um den Hals fiel und vor Freude am liebsten durch den ganzen Saal getanzt wäre.
Zum Schluss machte Rukmani ihr Päckchen auf. Es war voll mit ganz vielen Pflege- und Kosmetikartikeln, die Kingyan und ich für sie gekauft hatten, da sie sich fast täglich über ihre trockene Haut und das schlechte Wasser in China aufregen musste, und natürlich gabs auch für sie dazu eine Schokolade zum Schlemmern während die Cremen einzogen.
Ich war von dieser glücklichen Stimmung so überwältigt, dass ich als mich Mama und Papa dann anriefen und ich hinausging vor die Türe um mit ihnen zu telefonieren, nicht einmal die eisige Kälte spürte.
Gegen Mitternacht beschlossen wir dann alle noch in unser gemütliches Lieblingscafe auf ein Dessert zu gehen. Wir flackten in die gemütlichen Sofas des Cafes, tranken Cappuccino, und ließen diesen wunderschönen Weihnachtsabend dort ausklingen.
Müde aber glücklich kehrten wir dann alle wieder zur Universität zurück und ich umarmte Kingyan, Ruks, Mate und Mourad nocheinmal ganz fest.
Zu Hause angekommen telefonierte ich noch ein bisschen mit Anna, die mir schon heute Vormittag ein so liebes Weihnachts-SMS geschickt hatte, und wir erzählten uns von unserem Weihnachtsabend, und was das Christkind uns gebracht hatte.
Als ich dann im Bettchen lag, bekam ich auch noch ein SMS von meinem Schwesterherz und damit war der Weihnachtsabend für mich perfekt. Ich hatte mit all meinen Lieben telefoniert, SMS geschrieben, gechattet oder gemailt, im Kreise meiner Freunde hier einen wunderschönen Abend verbracht, und mich so richtig, richtig glücklich gefühlt.
Das wird bestimmt für immer ein unvergessliches Weihnachten bleiben.
