Mittwoch, 22. August 2007

Lamatempel und die Hutongs

Mittwoch 22.August 2007

Heute ist Seraina nach Hause geflogen. :-( Als wir in der Früh aufstanden und ich ihr beim Koffer packen zusah, dachte ich die ganze Zeit, dass ich mir so wünschen würde, sie würde bleiben, und der Zufall hätte es anders bestimmt, sodass wir gemeinsam unser Jahr machen würden. Ich wollte mir überhaupt nicht vorstellen, heute Mittag wieder in unser Zimmer zu kommen, und ohne sie zu sein.

Als wir dann noch gemeinsam frühstückten und sie mich zum Abschied drückte, rannen mir ein paar Tränen über die Wangen.

Ich war so froh, dass Carmen dann anrief und sagte, dass LeeAnn mich fragen wollte, ob wir gemeinsam zum Lamatempel fahren wollen.

Mit LeeAnn unterwegs vergaß ich dann den Kummer wieder ein bisschen. Sie ist eine ganz herzige Neuseeländerin, die im gleichen Wohnheim wie ich wohnt und die vor ein paar Wochen mal in unser Zimmer geschaut hatte, um zu fragen wo man sich Internet machen lassen kann. Und heuten nachdem ihr Unterricht zu Ende war, trafen wir uns und fuhren gemeinsam zum Lamatempel an, wo wir eine Unmenge Fotos machten. Die Chinesen im Lamatempel brannten vor jeder Tür der verschiedenen kleineren Einzeltempeln Räucherstäbchen ab, oder knieten sich zum beten nieder. LeeAnn erklärte mir auch den Sinn der Drehkurbeln vor den Tempeln. Man musste daran drehen und dabei beten, dann würden die Gebete direkt zu Gott aufsteigen.

Ich hab’s mal ausprobiert. Vielleicht funktioniert’s ja.

Dann gingen wir eine Runde in den nahegelegenen Hutongs spazieren. Das war echt faszinierend die Chinesen zu beobachten, wie sie so leben, und was sie so machen, ein bisschen abgeschieden von den Touristen. Ein Mann lag auf seiner Transportfläche auf seinem Fahrrad und schlief, ein kleiner Junge jagte Ameisen, ein kleines Mädchen stolzierte in den Stöckelsandelen ihrer Mutter, einer Unterhose und einem Chinesenhut am Kopf herum, ein alter Mann zeigte uns stolz seine Blumen, eine andere Frau lachte uns aus, weil wir die Transportfahrräder fotografierten… War echt eines der Interessantesten „Sightseeings“ die ich Peking bis jetzt gemacht habe.

Am Abend war dann das Abschiedsessen und Zeugnisverteilung mit der Klasse gemeinsam. Mein Zeugnis war zwar nicht so brilliant, aber ich war zufrieden, und am schlechtesten hatte ich auch nicht abgeschnitten, obwohl ich zuvor davon überzeugt war.

Auch das Essen war sehr fein. Ganz viele verschiedene neue Speisen, die ich noch nie zuvor gegessen hatte, aber meine Lehrerin, die neben mir saß erklärte mir dann immer, was das jetzt gerade war. Ansonsten unterhielt ich mich meist mit Jihae, eine Koreanerin die im Unterricht schon immer neben mir gesessen war und lernte meinen ersten koreanischen Satz :-) „Saranghe“

Um 10 ging ich dann mit Lukas, Michi, Franzi und Bernhard nach Sunlitun ins ChinaDoll. Dort war Ladiesnight, was bedeutete, dass Frauen keinen Eintritt bezahlten, und nichts für die Getränke. Die Musik war echt lässig, voll viel House-Music, und wenn ich nicht gerade bei der Bar stand und mit wem redete, war ich mit Lukas auf der Tanzfläche. Bis jetzt hatte ich gar nicht gewusst, dass man zu der Musik so cool tanzen kann, aber gestern hab ich’s echt genossen. Ich tanzte direkt vorm DJ, als nur mehr relativ wenige Leute auf der Tanzfläche waren. Er sah mir fast die ganze Zeit zu und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass der das checkte, wenn mir ein Rhythmus oder so nicht so gut lag, und mixte wieder irgendwas anderes dazu… Voll cool. Ich hab in letzter Zeit sowieso so ein richtiges Tanzfieber entwickelt. Ich hab voll die Gaude mich auf der Tanzfläche zur Musik zu bewegen, neue Sachen auszuprobieren, und ob mir die Leute dabei zusehen stört mich überhaupt nicht mehr. Juhuuu… DANCING

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