Samstag 20. Oktober 2007
Heute Morgen hieß es um 5 Uhr aufstehen und alles fertig machen für die Abfahrt an die nordkoreanische Grenze.
Nachdem in der letzten Woche in unserer Multikultigruppe die Idee entstanden war nach Dandong zu fahren, hatten Kingyan, Seecheng und Leonardo beim Reisebüro einen Bus für uns organisiert, der uns dorthin bringen sollte.
Für 36 Euro bekamen wir einen eigenen Chauffeur, eine Reiseleiterin und einen Guide, eine Übernachtung im Hotel, und alle Eintritte die wir an den zwei Tagen machen sollten.
Und so machten sich um 7 Uhr morgens 22 verschlafene Studenten auf die Reise um dieses Nordkorea mal aus der Nähe anzusehen. 
Die Busfahrt wurde von allen genutzt um die verpassten Stunden Schlaf nachzuholen, Musik zu hören und uns die nicht enden wollenden Felder anzusehen, die an uns vorüber zogen. Es ist erstaunlich wie große Flächen Land hier noch von den Bauern mit Viehpflügen, Pferden und Esel bearbeitet werden. Vereinzelt sah man Chinesen mit ihren typischen Chinesenstrohhüten, in den Feldern hocken und mit kleinen Hacken die Erde auflockern. Alles in allem sah es sehr idyllisch aus und man hatte das Gefühl in eine frühere Zeit zurückversetzt zu werden, als die Bauern noch Tag für Tag in ihren Feldern standen und mit der Kraft ihrer eigenen Händen für die Nahrung für diese Welt sorgten und diese Arbeit noch nicht riesigen Maschinen aus Stahl übergeben worden war.
Der Großteil der Felder schien schon abgeerntet zu sein, und übrig geblieben waren die Bündel trockener Maispflanzen, die auf den Feldern standen, als hätte die Erde beschlossen sich ein Kleid aus Stacheln zuzulegen.
Angekommen in Dandong wurden wir in ein sehr hübsches Hotel geführt, wo wir unsere Sachen in die Zimmer bringen konnten. Jeweils 2 von uns sollten sich gemeinsam ein Zimmer teilen. Die Russinnen belegten sogleich die Hälfte der Zimmer für sich, Nachdem wir eine ungerade Anzahl von Mädchen und Burschen hatten, traf es mich und Kingyan auf ein Zimmer, was zu einigen Spekulationen der anderen führte und uns 2 Tage witzige Bemerkungen bescherte, noch viel mehr, weil Kingyan Abends, als wir die Lichtschalter suchten auch den „Do not disturb“ Button betätigte, und nun die ganze Nacht, für alle sichtbar vor unserem Zimmer das rote „Bitte nicht stören“ Licht leuchtete *gg*.
Nachdem wir unsere wenigen Sachen die wir mitgebracht hatten, in die Zimmer verteilt hatten, ging es weiter an die Nordkoreanische Grenze, und das Land das für uns Europäer immer so weit weg und unerreichbar wirkte, kam plötzlich in Sichtweite. Wir fuhren dem Grenzfluss entlang zur langen Mauer (große Mauer) die hier Dandong beginnt und dann durch ganz China geht, und bestaunten dieses imposante Bauwerk. Im Gegensatz zum letzten Mal in Peking hatten wir hier blauen Himmel und Sonnenschein. Kingyan, Rukmani, Murad und ich machten eine Menge Blödsinn auf der Mauer und planten die zukünftige Invasion von Nordkorea *gg*.
Wenn man auf der Mauer stand und Richtung Nordkorea blickte, konnte man es gar nicht glauben, dass hier das riesige, für mich noch immer recht geheimnisvolle China aufhörte und ein noch viel geheimnisvolleres Land begann. So weit das Auge reichte war flaches, gerodetes Land, das von einem Wachturm im hinteren Teil des Landes kontrolliert werden konnte. Wir stellten uns vor, wie schwierig es wohl sein mag, sich hier über diese riesige brache Fläche zu bewegen, ohne von dort oben entdeckt zu werden. Doch entgegen unserer Erwartungen gab es keine riesigen Stacheldrahtzaunanlagen, sondern nur einen, nicht mal allzu hohen Zaun, der genauso gut die Abgrenzung zwischen zwei Felder verschiedener Bauern hätte sein können.
Einen kurzen Fußmarsch von der Mauer entfernt, kamen wir zu der Stelle, an der Nordkorea China am nächsten war. Nur mehr ein schmaler Graben, der nicht viel breiter war, als die Wassergräben im Ried, trennte die beiden Länder. Wenn man gewollt hätte, hätte man einen chinesischen Stein auf nordkoreanischen Boden werfen können.
Doch angesichts der patrouillierenden Soldaten hinter dem Zaun auf der andern Seite des Grabens wagte es keiner von uns Blödsinn zu machen. Was aber auch die Soldaten auf der anderen Seite nicht verhindern konnten, waren einige Spaßfotos von Ruks und mir, wie wir am Graben als Wushufighterinnen posierten, und so taten, als würden wir uns Kampf bereit machen *gg*.
Nachdem wir genug Blödsinn gemacht hatten, sammelte unser chinesischer Guide wieder alle seine verrückt gewordenen Schäfchen ein und brachte uns alle auf ein Boot, mit dem wir auf dem großen Fluss eine Runde drehten und versuchten mit dem koreanischen Küstenpersonal Kontakt aufzunehmen. Die schienen aber eher weniger begeistert zu sein, von dieser Horde überdrehter, winkender, herumfuchtelnder Ausländer und zogen es vor uns zu ignorieren. Als die Sonne in den schönsten Farben unterzugehen begann, legte unser Schiff wieder an, und wir fuhren zurück zum Hotel, von wo wir nach einer kurzen Pause aufbrachen um alle gemeinsam in einem dieser typischen chinesischen Restaurants zu essen, in denen der Grill in den Tisch integriert ist.
Nach einem mehr oder weniger köstlichen Essen teilte sich unsere Gruppe in drei. Eine Gruppe ging zu der Brücke, die China und Nordkorea miteinander verbindet, und an deren nordkoreanischen Ende, man immer noch die Schäden sehen kann, die die amerikanischen Bomben verursachten, eine Gruppe machte sich auf die Suche nach einer Disko, und eine Gruppe, die aus Ruks und mir bestand, beschloss ins Hotel zurück zu fahren, und uns einen gemütlichen Abend bei heißer Schokolade zu machen.
Wie sich herausstellte, was unsere Gruppe die erfolgreichste. Nachdem wir in der Hotellobby keine heiße Schokolade bekommen konnte, gingen wir in den kleinen Shop neben dem Hotel und holten uns Milch und Kakaopulver, und die süße kleine chinesische Waitress im Hotel machte für uns die beste heiße Schokolade, die ich bisher in China hatte. So saßen wir wie VIP Gäste in der Lobby, hatten unser eigens für uns zubereitetes VIP Getränk und führten hochstehende Gespräche über die Weltpolitik. Rukmani studiert eigentlich internationale Beziehungen, und weiß über so ziemlich alles was auf der Welt so vor sich geht Bescheid, und ich find es immer sehr interessant ihr zuzuhören und meinen Horizont über die europäische Ansichtsweise dieser Dinge hinaus zu erweitern.
Als nach einer Stunde der Rest von uns auch mehr oder weniger deprimiert zurück kam, wussten wir dass wir nichts verpasst hatten, die Brücke war gschlossen gewesen und die Disko laut Aussagen der Russinnen unsagbar schlecht.
Als Kingyan zurückkam, gingen wir dann ins Zimmer hinauf, und Ruks blieb noch eine Weile bei uns. Kurz nach 12 beschlossen wir dann schlafen zu gehen, und Ruks ging in ihr eigenes Zimmer hinüber, ohne es sich jedoch verkneifen zu können, das DO NOT DISTURB-Schild auch noch an die Tür zu hängen…
Nichts ahnend von dem verdächtigen Zeichen an unserer Tür gingen Kingyan und ich nach einer kurzen Kissenschlacht schön ordentlich jeder in seinem eigenen Bett schlafen, und wachten erst wieder auf, als der Weckdienst uns anrief, und uns mit den Worten: Your time is up, was wohl eine missglückte Übersetzung für It’s time to get up, aus den Betten holte.
Mittwoch, 24. Oktober 2007
Ausflug nach Dandong
Eingestellt von
sunflower
um
23:57
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