Samstag, 3. November 2007

Ausflug nach Panjin


Samstag 27. Oktober 2007

Wieder war das Wochenende gekommen, und wieder stand eine Reise bevor. Diesmal war es ein Ausflug nach Panjin den die Universität für alle Stipendianten organisiert hatte. Wir hatten zwar alle keine Ahnung was und wo dieses Panjin sein sollte, aber nachdem alles gratis war, war die Entscheidung bald gefallen und man brach auf, um Neues zu sehen, und Unbekanntes zu entdecken.
Da Rukmani die ganze Nacht an einem Artikel gearbeitet hatte, der noch diese Woche in Indien in den Druck gehen sollte, und deshalb in letzter Minute sich doch für das Bett entschieden hatte, anstatt sich in einen Bus zu setzen, brach ich also ohne sie auf.
Im Bus saß ich neben einer ganz lieben Koreanerin, die ganz außerordentlich gut Chinesisch sprach, und sie erzählte mir ihre Geheimnisse, wie sie es anstellte, in den 3 Jahre, die sie Chinesisch gelernt hatte, ein derart hohes Level zu erreichen.
Ich nahm mir ganz fest vor, ihrem Beispiel zu folgen, und aus meiner Zeit hier, so viel wie möglich herauszuholen.
Das Schöne ist ja, dass ich hier außer mit Kingyan mit fast niemandem Deutsch rede. Mit Rukmani rede ich Englisch, mit Murad Französisch und mit den meisten anderen Chinesisch, was nicht nur mein Chinesisch nach vorne bringt, sondern bestimmt auch mein Englisch. Bei meinem Französisch bin ich mir nicht so ganz sicher, denn meine Konversation mit Murad beschränkt sich meist darauf, alles was ich schon mal konnte, wieder aus den Tiefen meines Gedächtnisses zu holen, und vor dem kompletten Vergessen zu retten.
Auf der Fahrt lernte ich jedoch noch eine zweite Französin kennen, Helene, mit der ich mir dann in Panjin ein Zimmer teilte, und je länger unsere Unterhaltung war, desto flüssiger und natürlicher kamen die französischen Worte wieder über meine Lippen. Ich musste nicht mehr angestrengt nach Worten suchen, sondern konnte die meisten Dinge, ohne lange zu überlegen, in mehr oder weniger korrekten Sätzen ausdrücken.
Helene korrigierte auch immer sofort die kleinen Fehler die sich einschlichen, und machte Vorschläge wie man dies oder das, in einem schöneren Französisch ausdrücken konnte.

Wenn ich nun noch die Zeit finden würde, in Englisch, als auch in Französisch wirtschaftliche oder politische Artikel zu lesen und auf deren Wortschatz zu analysieren, dann müsste ich mir um mein Translationsstudium in Englisch und Französisch vielleicht nicht mehr so große Sorgen machen.
Aber abgesehen davon, dass man hier in Dalian fast keine englischen und noch viel weniger französische Zeitschriften findet, sind meine Tag und auch Nächte bisher und bestimmt auch noch in Zukunft so ziemlich mit Chinesisch-Hausübungen ausgefüllt, sodass meine einzige Übung in Englisch und Französich die Unterhaltung mit meinen Mitstudenten bleibt.

Angekommen in Panjin erwartete uns dort ein unglaubliches Mistwetter, und wir legten den Weg vom Bus zu unserem Hotel im Laufschritt zurück. Dort durften wir dann jeweils zu zweit ein Zimmer in diesem relativ nobeln chinesischen 4 Sterne-Hotel beziehen. Helene und ich waren sofort begeistert von dem schönen Badezimmer, in dem es eine Duschwanne, bzw, eine Badewanne gab, die Dusche sogar mit einem Vorhang vom restlichen Raum abgetrennt war, und noch dazu Warmwasser aus der Leitung kam :-)
Nach den 3 Monaten chinesischen Wohnheimlebens, kam mir das schon vor wie ein Luxus. Und Helene, die seit 2 Monaten bei einer chinesischen Familie, mit einem winzigen Badezimmer wohnt, in dem von der Spülung bis zur Dusche nichts so ganz richtig funktioniert, teilte dieses Gefühl mit mir.
Nachdem wir unsere Sachen auf den Betten verteilt hatten und noch eine Schicht Pullis angezogen hatten, machten wir uns mit beträchtlich leichteren Rucksäcken wieder auf, hinaus in den Regen. Unser Bus brachte uns zu einem Restaurant, irgendwo in dieser 1-Millionen-Stadt, die weder Zentrum, noch Stadtkern zu haben schien, wo wir mehr oder weniger gut zu Mittag aßen. Von dort wurden wir mit dem Bus wieder weitergekarrt um die Partneruniversität unserer Uni zu besichtigen.

Es schien, als hätte, diese für China doch ziemlich kleine Stadt einen Mangel an Ausländern, und so wurden wir, nachdem wir uns einige Reden anhören durften, und einem Zeichenlehrer zusehen konnten, wie er Pferde und Tiger malte, kurzerhand in ein Klassenzimmer geschafft, um mit den dortigen Studenten Englisch zu üben.
Wir alle, waren mit der Erwartung gekommen, hier etwas Sehenswertes zu besichtigen, doch wie es schien, waren wir die Attraktion für die Stadt, nicht die Stadt für uns.
Unsere unmotivierten Gesichter hellten sich erst beim Abendessen wieder auf, als wir in der Mensa des Lehrpersonals mit den Köstlichkeiten der Region verwöhnt wurden. An diesem Abend aß ich zum ersten Mal einen Krebs, Seidenraupen, und einen ganz besonderen chinesischen Eintopf. Der Panjin-Krebs, war kein Meerestier, sondern wuchs in den Reisfeldern auf, die die Region zumindest in China recht berühmt machten. Der Reis hier wurde auf einer ganz besonderen Erde angepflanzt, was ihn, laut Aussagen unserer Guides ganz besonders schmecken lässt. Ich konnte davon zwar nichts merken, aber dazu bin ich wahrscheinlich zuwenig Reisexperte *gg*

Der Krebs war jedenfalls nicht schlecht, und auch die Raupen waren ganz okay… Entgegen meiner Erwartung waren die Raupen keineswegs fleischig, sondern eher knusprig, und von der Konsistenz eher wie was zum Knabbern… satt werden würde man davon jedenfalls bestimmt nicht.
Mit vollen Bäuchen und durch einiges an Pijiu und Baijiu angeheitert kehrten wir dann Abends wieder ins Hotel zurück, wo wir uns die Füße und Hände wieder wärmten und den Tag mit einer angenehm, warmen Dusche beschlossen.

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