Dienstag 13. November 2007
Heute Nachmittag traf ich mich wieder einmal, mit meiner lustigen, kleinen chinesischen Freundin Hongying, die inzwischen schon ganz vernarrt in Österreich ist, so viel hab ich hier von unserem schönen Land erzählt.
Ich glaube, ich sollte Botschafter oder so was werden. Ich würde die Kunde von unserem faszinierenden Land in alle Welt tragen, und alle Menschen mit meiner Begeisterung für unser schönes Vorarlberg und mein geliebtes Wien anstecken. Je länger ich von zu Hause weg bin, umso mehr fällt mir auf, auf welchen besonderen Flecken Erde wir eigentlich leben, welch einzigartige Kultur unser Leben prägt, in welch wunderschönen Land ich eigentlich zur Welt gekommen bin.
Oft schenken wir diesen vielen kleinen Dingen, die unser Land so lebenswert machen, gar keine Beachtung mehr, nehmen als Selbstverständlichkeit an, was andere als großen Luxus betrachten würden.
Wir machen uns keine großen Gedanken, wenn wir das Fenster aufmachen und einen tiefen Atemzug frischer Luft atmen, den Wasserhahn aufdrehen und einen großen Schluck sauberen Wassers trinken. Wir vergessen welchen Komfort es darstellt, jeden Tag zu jeder Uhrzeit warm duschen zu können, nicht vom Wasserkocher heiß Wasser holen zu müssen um Geschirr waschen zu können, die Heizung aufdrehen zu können wenn es kalt ist, und nicht wie die Menschen hier in China darauf warten zu müssen, bis am 15. November die Heizungen von irgendeinem zuständigen Amt, ferngesteuert eingeschaltet werden, oder vielleicht überhaupt, wie etwas weiter südlich in China gar keine Heizung zu haben.
Heute Abend als ich nach Hause kam, wurde uns mitgeteilt, dass wir ab abends um 8 bis morgen um 9 kein Wasser, aus Gründen die keiner von uns richtig verstand, mehr hätten. Wir stürzten uns also alle um 7 sobald das Warmwasser angestellt wurde in die Duschen und füllten unsere kleinen Wasserbecken mit Wasser um morgen zumindest das Gesicht waschen zu können. Hatten wir uns an anderen Tagen noch über die hin und wieder komisch gelbe Farbe des Wassers und den eigenartigen Geruch des Wassers beschwert, so waren wir heute froh, zumindest ein kleines Becken dieses Wassers aufbewahren zu können.
Und mit einem Mal wurde mir bewusst, wie oft wir gedankenlos, unser Wasser vergeudeten, während andere vielleicht kein sauberes Wasser haben um sich zu waschen, und viele Millionen Menschen auf der Erde nicht mal genug zu trinken.
In meinem Kopf nahmen Bilder wieder Gestalt an, von einer Dokumentation über Afrika die ich vor langer Zeit einmal gesehen, Bilder von kleinen Kindern, die vor Hunger schon fast nur mehr Haut und Knochen waren und sich mit von verdrecktem Wasser aufgequollenen Bäuchen weinend an ihre Mütter drückten.
Ein Gefühl, der Verzweiflung überkam mich, und ich hatte das dringende Gefühl, etwas unternehmen zu müssen, nur wusste ich noch nicht was….
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