Samstag, 3. November 2007

The red beach und the rice fields of Panjin


Sonntag 28. Oktober 2007

Nach dem doch etwas enttäuschenden ersten Tag, wurde der zweite Tag unserer Reise dafür umso besser. Nach einem recht guten Frühstück in der Mensa, wo wir nach chinesischer Tradition Reissuppe, Mantou, Eier und Sojamilch bekamen, setzten wir uns wieder in den Bus, und machten eine Spazierfahrt durch diese Reisfelder, von denen man uns gestern erzählt hatte. Für mich sah es zwar aus, wie Fischteiche, da alles unter Wasser stand, aber wahrscheinlich war gerade das, das Besondere. Diese Felder gingen fast nahtlos über in das größte Schilfmeer Asiens. So weit das Auge reichte, sah man nichts als sich im Wind wiegender Schilf, in dessen Herzen irgendwann die berühmte „red beach“ auftauchte… Ein Teppich aus roten Pflanzen, die den Boden überzogen, als hätte sich Gott selbst den roten Teppich ausgelegt, auf dem er dann auf die Erde kommen konnte. Als dann eine kleine Tempelanlage auf Pfahlbauten vor uns auftauchte, die in diesem Planzenmeer errichtet worden war, blieb unser Bus stehen, und wir machten uns auf, um in der eisigen Kälte, die sich über Nacht noch verstärkt hatte, dieses rote Meer zu erkunden. Der Wind war beißend kalt, und bald waren unsere Gesichter vor lauter Kälte rot gefärbt. Gott sei Dank hatte ich sicherheitshalber noch ein zusätzliches Paar Ersatzsocken mitgenommen, die ich nun als Handschuhe verwenden konnte, um meine Finger zu wärmen. Meine Lehrerinnen, die auch mitgekommen waren, lachten als sie mich sahen, und riefen unter lautem Lachen…“Ai… Dixingli… nimen zai aodili zuo zhe yang? *gg* Ai, Desiree… macht ihr Österreicher das so?


Und so sorgten meine Socken, für eine lustige Zeit, und taten mir auch später als wir noch das Schilfmeer anschauen gingen, in dem wir zwar von dem Wind etwas geschützt waren, in dem es aber immer noch eisig kalt war, gute Dienste.

Dass die Chinesen Sinn für Spass und Spiel hatten, bewiesen die Wege die durch diesen Sumpf gemacht worden waren. Wo auch immer was Wasser hoch stand, wurden kleine Brücken errichtet, aber nicht nur eine, sondern eine ganze Reihe… eine gute, sichere Brücke für Feiglinge, eine etwas wackeligere für Mutigere, und für besonders Mutige gab es nur mehr sich in alle Richtungen bewegende Hängeschaukeln, auf denen man sich von einer zur anderen hangeln musste, um wenn man Glück hatte, das Wasser zu überqueren, ohne hineinzufallen. Einer der Chefs unserer Universität war sportlich und mutig genug, um sich auf eine dieser besonders wackeligen Brücken zu wagen und unter den Anfeuerungsrufen von uns allen wie ein Akrobat von einem Ufer zum anderen zu turnen. In manchen Männern stecken wirklich noch Talente, die man ihnen auf den ersten Blick gar nicht zugetraut hätte, schon gar nicht, wenn man diesen Mann immer nur in Anzug und Krawatte hinter einem Schreibtisch sitzen gesehen hatte. *Gg*

Bevor wir uns auf den Weg nach Hause machten, besichtigten wir noch einen Tempel mit Wandelgang, an dessen Wänden Steintafeln, mit den chinesischen Zeichen aller Epochen angebracht waren, und an denen man die Entwicklung, dieser aus Bildern entstandenen Zeichen nachvollziehen konnte. Wirklich beeindruckend, wie sich diese Schrift über so lange Zeit entwickelt und verändert hatte um sich den sich immer ändernden Bedürfnissen der Zeit anzupassen. Wie man mit der Zeit Methoden entwickelte, um die Bilder auch für Dinge zu verwenden, die man eigentlich gar nicht abbilden konnte, und damit alles ausdrücken konnte, von Astronomie über Naturwissenschaften, Geisteswissenschaften, moderne Technologien… einfach alles… in Bildern ausgedrückt…

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