Montag, 26. November 2007

Viren und Wirren

Sonntag 25.November 2007

Letzte Woche war abgesehen von den Viren und Wirren eine ganz normale Schulwoche.
Xiaxi und ich quälten uns jeden Morgen aus den Betten, saßen in der letzen Reihe in der Klasse und folgten mal mehr, mal weniger motiviert dem Unterricht. Manchmal saß ich auch neben Terasu, einen Japaner der seine Zeichen so schön schreibt, dass ich lieber seine kopiere, als die Zeichen der Lehrerin von der Tafel abzuschreiben.
Gemeinsam machten wir in den Kouyu (Sprechpraktikum) –Stunden witzige Dialoge, bei denen die ganze Klasse in Lachen ausbrach, wenn wir sie vor allen vortragen mussten, und hatten meist eine lustige Zeit. Terasu ist zwar einer der ernsthaftesten Schüler unserer Klasse und es gibt fast keine Hausübung die er nicht gemacht hat, aber genauso hat er eine ganz liebe Art von Humor, die den Unterricht um einiges lustiger macht.
Nachmittags war ich meist alleine oder mit meiner Fudao gemeinsam am lernen, Zeichen wiederholen, Hausübungen machen, die Lektionstexte laut zu lesen und Aussprache üben. Und so gegen 5 ging ich dann wie fast jeden Tag seit ein paar Wochen zu meiner koreansichen Freundin Yuni um Sport zu machen.
Abends traf ich mich entweder mit Kingyan, Ruks, Mourad oder meinen chinesischen Freundinnen zum Abendessen und so wäre die Woche ohne große Aufregung vorbei gegangen, wären da nicht die Viren gewesen, die in unserem Wohnheim ihr Unwesen trieben. Mein Computer bekam plötzlich ganz komische Allüren und führte sich einmal auf, wie ein eigenwilliges, kleines Kind, das nie das tut, was man gerne von ihm hätte, ein anderes mal, als wäre er ein uralter Greis, der nicht zwei Sachen nebeneinander machen kann, und für alles 100 Jahre braucht bis er fertig ist. Die Programme öffneten sich so zeitverzögert, dass man gar nicht mehr wusste, dass man sie einmal öffnen wollte und schlossen sich selbst, wenn sie das Gefühl hatten für heute genug gearbeitet zu haben. Irgendwann glaubte auch mein Computer, trotz aller meine Reparaturversuche, und obwohl er eine ganz neue Festplatte zu seiner Unterstützung bekommen hatte, dass er in einen langen, sehr langen Dornröschenschlaf fallen müsse und lies sich auch mit gutem Zureden und 1000fachen Versuchen nicht mehr hochfahren. Er fing an die Festplatten zu prüfen und blieb aber immer bei 9% der Prüfung stehen. Da war nichts zu machen. Am Tag zuvor hatte schon der Computer meiner japanischen Freundin sich selbst ausgeschalten und ließ sich durch nichts mehr dazu bewegen weiterzuarbeiten, und fast zeitgleich mit meinem gab auch der Computer einer russischen Freundin Aliona den Geist auf.

Entmutigt von dem hoffnungslosen Fall, ließ ich den Computer zu Hause bei seinen 9% herumraunzen und ging zu Kingyan auf Kaffee und Süßes. Als ich dann spät abends wieder nach Hause kam, hatte er es zumindest schon auf 35% geschafft, und so ließ ich den widerwilligen Patienten eben die ganze Nacht prüfen und prüfen und prüfen….bis er es nach mehr als 7 Stunden dann endlich geschafft hatte sich hochzufahren, ohne den geringsten Fehler gefunden zu haben. Doch auf irgendeine mysteriöse Weise waren die Sicherheitsprogramme auf meinem Computer blockiert worden, und Norton war auf dem Stand von Wochen zuvor. Irgendwie hatte sich die automatische Updatefunktion ausgeschaltet gehabt und als ich ihn dann dazu aufforderte sich mal auf den neuesten Stand der Dinge zu bringen, fing er an Ewigkeiten Updates herunter zu laden.
Keine Ahnung an was es wirklich gelegen war, dass unsere Computer alle auf einmal so spinnig geworden waren. Aliona musste sogar Windows ganz neu installieren, da der Computer nur mehr komisch zusammengewürfelte Zahlen und Buchstaben von sich gab. Doch nach ein paar Tagen war der Spuk wieder vorbei, und auch wenn mein Computer noch immer nicht so schnell ist, wie in Österreich, so tut er zumindest wieder das was ich will.

Doch kaum war die Computervirengeschichte vorbei, da trafen die Viren uns Menschen.
Am Samstag hatte ich voller Freude zum Palatschinken/Crepeessen eingeladen. Kingyan hatte mir netterweise seine Wohnung, bzw seine Küche zur Verfügung gestellt und so hatte ich den ganzen Nachmittag damit verbracht, alle Zutaten zu finden, die ich brauchte. Auf dem Weg zu Kingyan nahm ich dann bei einem der kleinen Straßenläden noch eine Portion Eier-Tomaten-Reis für Kingyan und eine Portion gebratener Nudeln für mich mit, da wir planten, die Palatschinken als eine Art Dessert zu machen und den anderen nicht schon alles wegessen wollten.

Aber das stellte sich als keine gute Idee heraus, denn nach dem ich einige Palatschinken gemacht hatte und wir auf die anderen warteten um zum kommen, fing plötzlich mein Bauch an ganz arg zu schmerzen und bekam die allerschlimmsten Krämpfe, sodass mich Kingyan nach ein paar weitern Palatschinken auf die Couch verfrachtete mir eine große Tasse Tee in die Hand drückte. Bis die anderen kamen machte er dann noch den Rest des Teiges fertig und setzte sich dann zu mir auf die Couch. Rukmani, Liufan, Yuni, Haymi und Mourad ,die inzwischen gekommen waren, machten sich dann über die Palatschinken mit Erdbeermarmelade her, und fast alle gingen um sich Nachschlag zu holen, nur ich konnte meine Palatschinken gar nicht mehr probieren, so schlecht war mir mittlerweile geworden. Nicht mal Kingyans feiner Tee konnte da mehr helfen, und als ich schließlich nach Hause kam, legte ich mich total erschöpft von den Krämpfen ins Bett.

Nur sollte es nicht für lange sein, denn nach kurzer Zeit drehte sich mein Magen komplett um. An Schlaf war nicht mehr zu denken, denn mein Magen krampfte sich so arg zusammen, mir wurde abwechselnd heiß und kalt, und bald rannte ich alle Halbstunden auf unsere Toilette um mich zu übergeben. Total gerädert schlief ich dann irgendwann in der Früh schlussendlich doch ein, und schlief, nachdem ich mich bei Ruks und Kingyan entschuldigt hatte, dass ich nicht zu unserer geplanten Reisebesprechung im Amici-Kaffee kommen konnte, bis Mittags um 12, als die beiden dann, gemeinsam bei mir auftauchten um nach mir zu sehen. Rukmani brachte mir Toast, Bananen und Tee und Kingyan gute Laune. Wir setzten uns in Rukmanis Zimmer und im Kreise meiner Freunde fühlte ich mich gleich schon etwas besser und nicht mehr so arg alleine wie in der Nacht. Rukmani hatte zwar gesagt, dass ich sie jederzeit wecken könne, wenn es mir nicht gut geht, aber ich wollte sie wirklich nicht stören, zumal sie mir ja auch nicht wirklich helfen konnten. Doch jetzt war ich froh, dass die beiden für mich da waren und mich wieder aufheiterten.

Am Nachmittag erhielt ich dann noch einen besorgten Anruf von Yuni und Liufan, die mir eine gute Besserung wünschten, und als mich am Abend auch noch Mama und Anna anriefen fühlte ich mich von allen so lieb umsorgt, dass ich schon deshalb ganz bald wieder gesund werden musste :-)

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