Mittwoch 12. Dezember 2007
Gestern rief uns plötzlich unser Office an, und fragte so ganz spontan ob wir, das heißt die Stipendiaten morgen vielleicht Schifahren gehen wollen. In Anbo gibt es ein großes Schiopening und wir könnten dort morgen als Vip-Gäste erscheinen, und bräuchten für alles nichts zu bezahlen.
Da war ich natürlich gleich dabei. Die Aussicht, morgen statt in der Klasse zu sitzen, weiße Schneehänge hinunterzudüsen, war einfach zu verlockend :-)
Da störte es mich nicht einmal mehr, dass ich weder Schijacke noch Schihose hatte.
So stand ich also heute, früh morgens um 6 auf, und packte mich so dick ein wie ich nur konnte. Alle möglichen T-shirts und Pullover, die man irgendwie übereinander anziehen konnte ohne sich dabei vorzukommen, wie ein zu fettes Stofftier wurden aus dem Kasten genommen.
Im Bus musste ich dann zwar die Hälfte wieder ausziehen, weil mir viel zu heiß wurde, aber im Rest, fein eingepackt in wohliger Wärme, schlief ich dann bis wir in Anbo ankamen.
Dort glaubte ich zuerst, unser Bus hätte wahrscheinlich eine Panne oder ähnliches, da ich außer ein bisschen Puderzucker auf den Bäumen keinen Schnee sehen konnte.
Aber nein. Es schien keine Panne zu sein, und man hielt uns mit dem üblichen 快一点儿! 快一点儿! zur Eile an.
Wir watschelten also mit verdutzten Gesichtern hinter unseren Profs her, hindurch durch ein großes Haus, das auf der einen Seite aussah wie ein Hotel, auf der anderen Seite wie ein Schiverleih und als wir dann durch die Hintertüre dieser „Schistation“ hinausgingen, sahen wir, was die Chinesen hier als großes Schiopening bezeichneten.
Auf einem Hügel, der Wohl mehr Kunstschnee gesehen hat, als wirklichen Schnee, hatte man eine kleine Burg aufgebaut, vor uns tanzten Drachen zu unserer Begrüßung und hinter einer Reihe mit weißen Stoff überzogenen „Schneemännern“ begannen, die Obrigkeiten der Stadt über die Bedeutung des Schitourismus in Dalian zu sprechen.
Gemeinsam mit einer natürlichen heißen Quelle, will man mit dem Schiresort die Urlauber auch im Winter in die Region locken. Als Beweis, wie toll diese Strategie funktioniert, wurden wir in die erste Reihe gestellt und von einer Menge Fotographen und Kameramännern aufgenommen. Wir taten unser bestes freundlich zu lächeln, bis ein kleiner Japaner eine Rede hielt, von dem man hinter dem Rednerpult nur mehr einen Teil seiner Glatze sehen konnte. Da mussten wir uns dann sehr beherrschen, nicht zu viel zu lachen *g*.
Dann regnete es plötzlich buntes Schnipselzeug und aus der Burg gingen farbige Rauchraketen los. Sobald das Spektakel vorüber war, wurden wir zu einem großen Hotelrestaurant gefahren, und durften wieder mal die Spezialitäten der Region kosten. Kraben, Raupen, und ein Haufen anderer Meeresviecher. Gott sei Dank machten sie dann für Rukmani, Mourad, Alka und mich noch ein paar Vegetarische Speisen und so gingen wir wohl gestärkt wieder zurück zur Piste, wo man uns in übergroße Schijacken und viel zu kurze Schihosen steckte, und Schi und Stöcke und die Hand drückte….
und los gings.
Ich versuchte zuerst einmal den sonnenverwöhnten Inderinnen die Grundsätze des Schifahrens beizubringen, half noch Ping, dem englisch sprechenden Officer aus unserem Bangongshi auf die Beine und dann verlies ich mit Mate die Babypiste und ging hinüber zur schwierigsten der drei… Mittlere Kinderpiste. *gg*
Aber es war lustig. Wir fuhren immer gemeinsam mit dem Sessellift, hatten lustige, ernsthafte, interessante und manchmal tiefsinnige Gespräche. Oben angekommen, genossen wir für einen kurzen Augenblick den Ausblick über die wunderbar „weiße“ Winterlandschaft und machten dann ein Wettrennen hinunter. Manchmal fuhren wir auch hintereinander Slalom und versuchten Zöpfe in den Schnee zu machen, nur leider konnte man sie in dem Kunstschnee nicht sehen. Aber gemeinsam hatten wir eine total lustige Zeit. Als unsere Hände eingefroren waren und man sie auch mit Rubbeln nicht mehr warm kriegen konnte, der Wind anfing unter unseren viel zu kurzen Schihosen hineinzuwehen und die Sonne auch schon in Nebel verschwunden war, beschlossen Mate und ich im Resorthotel eine Tasse Kaffee zu trinken und als wir schließlich heimgingen, waren wir beide überzeugt, dass man die Piste zwar eher verwenden konnte um Schifahren zu lernen, als um richtig hinunter zu wedeln, aber es trotzdem ein riesen Spaß geworden war :- )
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