Montag, 21. Juli 2008

Ein wunderschöner Willkommensgruß

Mittwoch 16. Juli 2008

Heute morgen wurde ich von der kleinen Isabella geweckt, die Nici mir ins Bett gesetzt hatte. Die Kleine ist ja so süß. Noch viel hübscher als sie auf den Fotos ausgesehen hatte. Ich hatte mich sogleich in sie verliebt.

Neben der Freude meine kleine Nichte endlich mal kennenzulernen, freute ich mich ganz unglaublich mein Schwesterherz endlich wieder mal drücken zu können. Wie schön war es, endlich wieder bei ihr sein zu können, nachdem ich so lange weg, war, und an den ganzen schönen Veränderungen in ihrem Leben nur auf der Ferne teilnehmen hatte können.

Nach einen feinen Frühstück mit Mama und Papa, bei dem es feines Brot, mit köstlicher Butter und leckerem Honig gab, ich mir endlich wieder einmal ein Glas Wasser aus der Leitung nehmen konnte, nahm mich Nici mit in ihre neue Wohnung. Ich war ganz begeistert von ihrem neuen kleinen Reich. Wirklich beeindruckend, was Flo und sie, sich im letzten Jahr aufgebaut hatten. Und noch mehr fasziniert war ich davon, welch wunderbare Mami sie für die Kleine war. Ich hatte daran ja nie gezweifelt, aber jetzt als ich es sah, mit welcher Sicherheit, Gemütsruhe und Liebe sie mit der Kleinen redete, sie auf den Arm nahm, ihr das Fläschchen gab, da war ich so richtig beeindruckt von meinem kleinen, großen Schwesterherz.

Wir gingen gemeinsam mit dem Kinderwagen am See spazieren. Setzten uns draußen am Grünen Damm ein bisschen hin, und packten unser Picknick aus, das wir zuvor beim Billa eingekauft hatten. Alles an Nici strahlte eine unglaubliche Ruhe und Zufriedenheit aus. Sie scheint ihren Weg zu Glück wirklich gefunden zu haben. Ich war so froh, sie so glücklich zu sehen. Und ich selbst war glücklich endlich wieder bei meinem Schwesterherz sein zu können.

Nach unserem Picknick fuhren wir ihren Schatz bei der Arbeit abholen, und gingen dann zu ihr nach Hause, bis uns Mama an und meinte, wir sollen zum Abendessen nach Hard kommen. Wir packten also Isabella wieder in ihren Tragesitz und düsten nach Hard.

Schon als wir auf den Parkplatz fuhren, dachte ich, warum das Auto von Moni-Gota auf dem Parkplatz stand, ob Mama wohl wieder mehr Kontakt zu ihr hatte, und dahinter ein Auto aus der Schweiz. Naja, war ja vielleicht eine Arbeitskollegin von Mama aus der Schweiz. Vielleicht hatte sie ja ein Weibertreffen arrangiert. Ein Blick Richtung Eingang verwirrte mich noch mehr. Wo am Vormittag noch das Banner mit dem „Willkommen“ gehängt war, war nun plötzlich eine riesen Windschutzplane. Und da stand dann auch schon Mama im Eingang und rief „ÜBERRASCHUNG“.

Hinter dem Zelt im Garten versteckten sich sicher über 30 Leute, die Mama zu meiner Rückkehrüberraschungsparty eingeladen hatte. Durch das Fenster in der Plane, konnte ich meine Verwandten sehen, meine Großeltern, und dann SERAINA! SOPHIA und ihr Freund, meine zwei CHRISSiS, wie war denn das möglich? Vor allem Seraina. Ich konnte mich nicht erinnern, Mama je ihren Nachnamen genannt zu haben. Wie hatte sie sie nur gefunden?? Ich war vollkommen sprachlos. Meine ganze Verwandtschaft war gekommen, außer Tobi und Meno sogar alle meine Cousins und Cousinen. So vollzählig waren wir glaub ich schon lange nicht mehr. Meine zwei Gotas, Mamagota und Hans. Total von den Socken, begann ich erst mal alle zu begrüßen. Ich konnte es nicht glauben. Jetzt verstand ich erst, warum Nici immer mit solcher Entschiedenheit an der Einfahrt der Rauhholzstraße vorbeigefahren war, als ich nach Hause wollte um mein kleines Notizbuch zu holen, wo ich die Telefonnummer meiner Freunde notiert hatte, bevor ich die SIM Karte in China wechselte. Dann dachte ich, Mama und Papa würden wohl schön enttäuscht sein, wenn ich gerade nach Hause kam, und dann den ganzen Tag mich nicht zu Hause blicken ließ. Konnte ja keiner ahnen, dass die zwei mich gerade gar nicht vermissten, und dabei waren unseren Vorplatz in ein Partyzelt der Extraklasse zu verwandeln. Alles passte zum Thema „Sunflower in China- Wiedersehen macht Freude“ Überrall standen Mamas selbstgezüchtete Sonnenblumen, von der Tischdeko, über Teller und Servietten war alles voller Sonnenblumen. Sogar einige der Gäste hatten mir Sonnenblumen gebracht. Ich war sprachlos, und hatte eigentlich gar keine Zeit sprachlos zu sein, denn jeder wollte wissen, wie die Zeit in China war, was es Interessantes, Lustiges, Erschreckendes über das Reich der Mitte zu berichten gab.

Auf dem Menüplan standen Käsespätzle und Kartoffelsalat und Apfelstrudel mit Sahne und Vanilleeis als Nachspeise. Davon hatte ich schon das ganze Jahr über in China geträumt. Mama hatte, woher weiß ich nicht eine Megapfanne organisiert, in der die Spätzle bruzelten. Vor dem Küchenfenster war eine lange Salatbar, wo man sich mit Kartoffelsalat, den meine Verwandten gemacht hatten, eindecken konnte. Passend zum Thema schenkte mir die ganze Vögelverwandtschaft eine Spätzleset. Damit ich ab nun, wo immer ich auch bin, immer Spätzle nach Art der Heimat machen konnte. Und Tini hatte ein großes Vorarlberger „Servus mit Schoki geschrieben. Und auch die vielen anderen Geschenke freuten mich ganz unglaublich. Mama hatte sich wirklich bei der Organisation des Festes wieder einmal selbst übertroffen.

Schöner hätte der Willkommensgruß der Heimat gar nicht sein können!

Vielen Dank an alle! Es ist schön wieder bei euch zu sein!

Sonntag, 20. Juli 2008

Byebye Peking, byebye China

Dienstag 15. Juli 2008

Die letzten zwei Tage in Peking verbrachte ich größtenteils mit David, einem Kumpel aus Österreich, der gerade auch in China war um ein Praktikum zu machen. Wir gingen gemeinsam ein bisschen shoppen, und redeten über unsere Eindrücke aus China.

Da Davids Eltern Auslandschinesen sind, hatte er schon bevor er nach China gekommen war, recht anständig chinesischen quatschen können.

Ich konnte mich noch erinnern, wie er mir letztes Jahr bevor ich abgereist war, oft irgendetwas auf Chinesisch gesagt hatte, und ich einfach überhaupt kein Wort verstanden hatte. Doch wenn wir jetzt so durch die Marktstände schlenderten und um die Preise feilschten, so überlies er oft mir das handeln. Auch als wir uns dann am letzten Abend mit meiner Zimmerkollegin Sonia, die ich in der Jugendherberge kennengelernt hatte zum Abendessen trafen, konnte ich mindestens genauso viel quatschen als er, und da fiel mir zum ersten Mal so richtig auf, wie viel ich in dem Jahr gelernt hatte. Neben all den unvergesslichen Erfahrungen die ich hier gemacht hatte, all den schönen Momenten die ich hier erleben durfte, hatte sich das Jahr China vor allem auch wegen meinem Sprachniveau, mehr als nur rentiert.

Als ich am nächsten Morgen auscheckte, war mir richtig traurig zu Mute. Ich hatte zwar außer meiner Zimmerkollegin niemanden mehr um zu verabschieden, aber alleine bei dem Gedanken China zu verlassen, hatte ich das Gefühl, als würde man mich auffordern, einen Teil meines Herzens aufzugeben. In dem ganzen Gefühlskuddelmuddel vergaß ich schlussendlich auch noch meine große Rolle Scherenschnitte, die ich meinen Lieben zu Hause hatte schenken wollen, und ärgerte mich noch mehr.

Im Taxi konnte ich nicht anders als dem knurrigen alten Taxler neben mir zu sagen, wie gerührt ich war, und welch ein schönes Jahr China mir geschenkt hatte. Der kannte sich bei dem Emotionsausbruch erst gar nicht aus, sprang dann überfreundlich aus dem Taxi um mir beim Ausladen zu helfen, und verabschiedete sich dann, im Namen ganz Chinas von mir.

Und als hätte es der Zufall oder das Schicksal so geplant, rannte ich am Flughafen wieder in Leo. Der war ja nun eine Woche bei Mate in Budapest gewesen, und kam heute wieder zurück nach Peking um von hier dann zurück nach Mexico zu fliegen. Wir frühstückten nochmals gemeinsam, und umarmten uns dann lange zum Abschied. So hatte ich wider Erwarten, doch jemand der mir am Flughafen in Peking zum Abschied zuwinkte.

Der Flug war dann wirklich angenehm, da die Hälfte der Plätze nicht besetzt war, und so jeder mehr Platz hatte um sich hinzulegen oder seine Beine auszustrecken. Der Service in der Air Berlin übertraf alles was ich in dem Jahr in China erlebt hatte, und ich hatte eigentlich keinen Grund mich nicht wohl zu fühlen. Doch als das Flugzeug Peking verließ hatte einen dicken Klos im Hals und einen großen Stein im Magen. Eigentlich wollte ich noch gar nicht weg. In Gedanken noch in China legte ich im dann schlafen, und als ich aufwachte gab es auch schon Essen. Für Flugzeugessen wirklich seeeeehr lecker. Dann schlug ich das Buch auf, das Helene mir gegeben hatte, und las darin, und mit jeder Seite die ich las, und jedem Kilometer, den wir näher der Heimat kamen, freute ich mich schlussendlich doch, nach so langer Zeit wieder nach Hause zu kommen. Und als wir dann über Deutschland aus den Wolken kamen und das Land mir grün entgegenstrahlte, der Himmel blau mit lustigen kleinen Quellwolken, da schlug mein Herz vor Freude wieder höher.

In Düsseldorf am Flughafen, wo ich umsteigen musste, wunderte ich mich, warum alle rund um mich plötzlich wieder Deutsch sprachen, und die Männer mich plötzlich wieder um mindestens einen Kopf überragten.

Nach dem ganzen Lärm, den einen in China ständig umgibt, kam es mir hier so unglaublich leise vor, dass ich glaubte, meine Ohren wären durch den Druckunterschied bei der Landung wohl zugegangen. Ich ging aufs WC und wunderte mich, wie sauber öffentliche WC sein können. Überhaupt der ganze Flughafen schien mir hygienisch rein zu sein.

Auf dem Flug von Düsseldorf nach München versuchte ich zu realisieren, dass ich nun bald zu Hause sein würde, und dass mein Jahr in China nun wirklich zu Ende war. Aber so ganz gelang mir das nicht, und als ich dann schon mit Mama und Papa die mich am Flughafen mit einer großen Sonnenblume in der Hand abgeholt hatten im Auto saß, und wir an einem Sutterlüty vorbeifuhren, da ertappte ich mich dabei, wie ich überlegte… Komisch, jetzt gibt’s Sutterlüty auch schon in China. ^^

Angekommen zu Hause begrüssten mich große Banner, die Mama über unserem Eingang aufgehängt hatte mit den Worten. "Desiree, Sunflower in China, herzlich willkommen zu Hause! Was für eine schöne Begrüßung! Und doch fühlte sich alles noch nach Ferienaufenthalt an, und auch mein Zimmer schien irgendwie nicht mehr so richtig meins zu sein. Nachdem ich noch ein bisschen mit Mum und Dad in der Küche gesessen bin, legte ich mich dann, in Träumen irgendwo zwischen zwei Realitäten, irgendwo zwischen zwei Kontinenten, vielleicht sogar irgendwo zwischen zwei Welten schlafen.

Eine letzte Nachricht an meinem letzten Abend in China.
Es war ein geniales Jahr, es war eine wunderschöne Zeit, es war ein unvergessliches Erlebnis!!! Schade dass es schon zu Ende ist.
Noch ist es für mich noch gar nicht wirklich realisierbar, dass ich morgen ein Flugzeug nehmen werde und das alles hinter mir lassen werde.
Morgen 18:15 werd ich dann schon in München am Flughafen stehen und alle rund um mich werden plötzlich wieder deutsch sprechen.
Irgendwie unvorstellbar. Die Zeit verging unglaublich schnell!
Ade China, bis auf ein nächstes Mal :-)

Bis morgen meine Lieben, ich freu mich auf euch!!! So schwer mir der Abschied von hier fällt, es ist schön euch bald alle wieder zu sehen.

Liebste Grüße aus Peking
Eure Sunflower

Terrakotta Armee, eine unterirdische Armee aus Stein

Samstag 12. Juli 2008

Heute morgen um 9 hätte eigentlich der Reisebus vom Melody Hotel kommen sollen um uns abzuholen. Pünktlich um 9 läutete auch mein Handy und man vertröstete uns auf 9:30. Als um 9:30 jedoch immer noch kein Bus da war, wurden wir zum Melody Hotel hinüber bestellt, wo man uns sagte, dass der Bus schon längst gefahren war.

Als wir uns dann beim Manager beschweren, wurde uns ein Privatauto mit Privatchaffeur und Guide zur Verfügung gestellt, der uns direkt zu den Stationen der Tour brachte, die wir auch anschauen wollten. Wir besichtigten Ausgrabungen eines neolithisches, matriachalischen Dorfes, eine Fabrik, die die Terracotta Worrier nachbauten, alte chinesische Kommoden herstellten und mit alten Techniken bemalten, und auch sonst allerhand Kunsthandwerksstücke verkauften. Nach einem nicht besonders ausgiebigen Mittagessen, folgten wir dann einer Führung durch eine Seidenfabrik, wo man uns angefangen vom Leben der Seidenraupe erklärte, wie man Seidenstoffe und Seidensteppdecken herstellte. Unsere Reiseführerin und der Chauffeur waren total lustige Typen und wir hatten zu fünft mit ihnen im Auto einen riesen Spaß.

Angekommen bei der Terrakotta Armee, kam ich aus dem Staunen nicht mehr raus. Geschützt durch ein Haus, sah man hier Reihen über Reihen von steinernen Kriegern, die Kaiser Qin einst herstellen lassen hatte, um sein Grab zu beschützen. Das atemberaubende an der Sache war, dass der bereits ausgegrabene Teil nur ein Fünftel des Ganzen darstellte. Da die moderne Wissenschaft, bis heute noch ein Mittel gefunden hatte, die ursprünglichen leuchtenden roten und blauen Farben der Krieger nach dem Ausgraben zu bewahren, sind 4/5 der Krieger noch immer unter der Erde, und bleiben dort konserviert, bis die Forschung einen Weg findet, die Farbe zu erhalten. Wirklich beeindruckend, dieses, laut Chinesen 8. Weltwunder!

Nach den Terracotta Worriers schlossen wir wieder mit der großen Gruppe des Reisebusses auf, und gingen noch das Sommerhäuschen und Badeanlagen des Kaisers Xuanzong (685 – 762) und seiner liebsten Concubine Yang Guifei anschauen, wo später auch Chiang Kai-shek für einige Zeit gewohnt hatte. Hier hatte sich 1936 auch der „Xian Incidence“ ereignet, was laut unserer Fremdenführerin ein Grundstein für der Einheit Chinas darstellte.

Zurück in der Stadt, gingen wir nocheinmal ins Muslimviertel Abendessen und dann musste ich mich eh auch schon wieder daran machen meine Koffer zu packen.

Morgen Früh würde meine Reise weiter nach Peking gehen, und damit war ich wieder einen Schritt weiter in Richtung Abreise nach Österreich.

Huashan - ein Berg im Sommer

Freitag 11. Juli 2008

Nachdem dem Phönixberg im Herbst, dem Huangshan im Winter, dem Tianmenshan im Frühling, machte ich mich heute gemeinsam mit Chris und Stas auf zum Huashan. Wenn ich wählen müsste, was mir an meinen Reisen in China am besten gefallen hat, dann würden diese vier Berge auf meiner Rangliste bestimmt ganz weit oben stehen.

Wir hatten eine Tour gebucht, die morgens um 8 von Xian wegfuhr, uns auf dem Umweg über eine chinesische Apotheke, wo wir wahrscheinlich etwas einkaufen hätten sollen, schließlich kurz nach Mittag zum Huashan brachte. Dort bekamen wir ein Ticket für die Doppelmayr- Gondelbahn ausgehändigt und los ging’s unser Abenteuer Berg. Steile Felswände mit Runden Kuppen, die vor Jahrtausenden durch eine große Plattenverschiebung übereinander geschoben und aufgetürmt wurden. Wirklich ein gigantisches Naturschauspiel. Als hätte ein Riese seinen Baukasten ausgegraben und einfach mal willkürlich große Felsblöcke übereinander geschichtet, dann an den unmöglichsten Stellen Zypressen aus dem kahlen Fels heraus sprießen lassen und sich dann die Chinesen zur Hilfe geholt, die auf jeden dieser Felsen noch Treppen hinaufgebaut haben. Es ist wirklich unglaublich mit welch schweren Lasten, die Träger auch heute noch den Berg hinauf steigen, um Baumaterial für weitere Treppen zu bringen, das kleine Hotel am Gipfel mit Wasser und Lebensmittel zu versorgen. Während ich immer noch die alten Männer bewunderte, die bei diesen Lasten sogar noch singen konnte, freute ich mich auch, dass meine letzten 3 Monate Fitnesscenter wohl doch Wirkung gezeigt hatten, und ich diesmal schon wesentlich weniger außer Puste kam, als damals beim Huangshan und bald hinter Chris uns Stas den ersten Gipfel erreichte. Wir drei waren wirklich so ein lustiges Team. Chris unser waschechter Wiener, der mir in den 3 Tagen Xian mehr an Wiener Mentalität mitgab, als Wien selbst die 2 Jahre als ich dort gelebt hatte. Er liebte es sich über alles Mögliche aufregen, hin und wieder wie ein Opi zu seufzen, alles mit der Bemerkung „Herst Olda! Pok i net“ zu kommentierten, und legte dabei aber eine solche Gemütsruhe an den Tag, dass ich nun endlich doch verstand, warum man immer von der Wiener Gemütlichkeit spricht. Stas redete zwar nie viel, doch war genauso wie Chris äußerst hilfsbereit, und hatte immer ein offenes, freundliches Lächeln, wenn man ihn ansah. Wenn wir miteinander redeten, sprachen wir chinesisch, da Stas fast kein Englisch konnte. Für jeden der uns beobachtete, waren wir drei bestimmt ein lustiger Anblick.

Nachdem wir der westlichen Route den Westgipfel erklommen hatten, war es auch schon wieder Zeit zurück zu gehen, um rechtzeitig um 6 beim Bus zu sein.

Die Heimfahrt verschlief ich dann größtenteils und wachte erst zu Hause wieder auf, als der Bus vor dem Melody Hotel aussteigen ließ, wo wir gleich noch den Bus für morgen zur Terrakotta Armee buchten und dann wieder Richtung Muslimviertel liefen um was zu essen.

Wieder zurück in der Jugendherberge fielen wir dann nach eine ausgiebigen Dusche müde in unsere Betten. Heute war der vierte Typ, der eigentlich mit uns im Zimmer schlief, und bis jetzt aber noch kein Wort mit uns geredet hatte nicht da, und so hatten wir das kleine, aber mit allem nötigen ausgestattete Zimmer für uns alleine. Die Jugendherberge war im Übrigen wirklich sehr empfehlenswert. Alle kleinen Höfe war sehr geschmackvoll im chinesischen Stil eingerichtet, die Bar im hintersten der kleinen Höfe lud zum sitzenbleiben und chillen ein, die Duschen waren zwar nicht großer Luxus, doch groß und sauber. Die Girls an der Rezeption waren ausgesprochen freundlich. Eigentlich lud alles zum bleiben ein.

Xian, das Herz Chinas

Donnerstag 10. Juli 2008

Begleitet von Helene, Yuhong und Hongying machte ich mich heute morgen gemeinsam mit Chris und Stas auf zum Flughafen.

Ich hielt Helene an der einen Hand und Hongying an der anderen, lächelte Yuhong an und konnte es einfach nicht glauben, dass ich Dalian nun wirklich verlassen sollte. Wir checkten unser Gepäck nach Xian ein, wo ich vor meiner endgültigen Heimreise noch ein paar Tage mit Chris und Stas verbringen wollte. Stas nahm meine kleine Tasche, die bis oben vollgestopft mit Büchern über 15 Kilo wog, ich selbst hatte noch meinen großen Tramperrucksack, mit dem ich im Februar unterwegs war, meinen Laptoprucksack und noch eine Tasche.

Nachdem das geschafft war, gingen wir hinüber zum Security Check und ich umarmte Yuhong und Hongying. Helene wollte mir als letzte Goodbye sagen und ich drückte sie so fest ich konnte. In der schönen Tasche, die sie mir zum Abschied geschenkt hatte, war ein Brief von ihr, den ich erst nach dem Abflug öffnen durfte. Während ich es am Flughafen noch geschafft hatte, nicht schon wieder in Tränen auszubrechen, wurden mir im Flugzeug dann doch die Augen nass, als ich ihre wunderschönen Zeilen las. Gott sei Dank, hatte die Stewardess beim einchecken, Chris und Stas wo anders hingesetzt, so dass sich wenigstens nur die Chinesen neben mir verwundert ansahen, und berieten, ob der Brief wohl von meinem Freund war.

Angekommen in Xian, nahmen wir den Flughafenbus hinein in die Stadt, die uns mit schwirrender Hitze begrüßte. Nachdem wir unsere Sachen in die Jugendherberge gebracht hatten, machten Chris, Stas und ich uns wieder auf den Weg um beim Bahnhof Tickets für Chris und Stas Weiterreise zu kaufen. Als ich die Menschenmengen am Bahnhof sah, und Chris und Stas nach ewigem Schlangestehen schlussendlich nur Hartsitzplätze für eine 14 Stundenfahrt nach Xining bekamen, war ich heidenfroh, dass ich in Dalian noch Flugtickets von Xian nach Peking gekauft hatte, und mich schlussendlich doch nicht auf den Zug verlassen hatte.

Nachdem wir die Tickets dann endlich in der Tasche hatten, suchten wir uns einen Linienbus, der laut Chris Lonely Planet ganz gut als Sightseeing Bus geeignet war, und fuhren eine Runde durch die Stadt. Müde durch den wenigen Schlaf der letzten Tag und erschlagen durch die Hitze, bekam ich allerdings nur Teile der Fahrt mit und wurde erst dann wieder richtig wach, als wir bei der Endstation angelangt waren.

Wie schon beim Einsteigen vorher, war auch hier nirgends durch eine Tafel ersichtlich, wo der Bus wieder abfahren sollte, und so verließen wir uns wieder auf die Aussagen der Chinesen um uns. In dieser Stadt musste man wohl einfach wissen, wo, wie und wann die Busse fahren. Am Rückweg stiegen wir dann bei der Dayantan- Pagode aus, und schauten uns diese zumindest von außen mal an. Auf dem kleinen Markt dort kaufte ich auch eine Menge roter, kunstvoller Scherenschnitte, die ich meinen Freunden und Verwandten zu Hause als Geschenk aus China mitbringen wollte. Auf dem großen Platz hinter der Pagode unterhielten wir uns mit den Drachen- und Postkartenverkäuferinnen und posierten, wie so oft mit ein paar Chinesen die uns um ein Foto gebeten hatten vor deren Kamera.

Als wir genug hatten von dem ganzen Trubel nahmen wir dann den Bus, von dem wir diesmal sogar selbst die Einstiegstelle fanden, wieder zurück in die Stadt. Xian ist wirklich ein sehr schmuckes Städtchen, das innerhalb seiner alten Stadtmauern ein kleines Museum in sich selbst darstellte. Überall auf Straßen und Plätzen konnte man Zeugen einer uralten Kultur erkennen, die Menschen schienen freundlicher und fröhlicher als in Dalian. Sehr selten sah man jemanden sich laut räuspernd auf die Straße spucken, was ja in vielen anderen Städten Chinas zum erschreckenden Alltag gehört. Überhaupt das ganze Städtchen wirkte ungewohnt sauber.

Abends als wir uns auf die Suche nach einem Abendessen machten, trafen wir überall auf Gruppen fröhlich plappernder Menschen, sich übermütig vergnügender Kinder und wild gestikulierender Marktschreier, die die Kunden durch ohrendbetäubende Rufe zu ihren Ständen locken wollten. Xian, war im Gegensatz zu Dalian, dessen Straßen abends nach 8 menschenleer waren, auch in der Nacht eine kleine, pulsierende Stadt, die mich schon gleich am ersten Tag in ihren Bann zog.

Mein Abschiedsfest

Mittwoch 9. Juli 2008

Während ich heute am Tag noch wie eine Verrückte hin und her rannte um noch die letzten Geschenke zu besorgen, alle restlichen Formalitäten zu erledigen und meinen Koffer fertig zu packen, konnte ich den Abend gemeinsam mit meinen Freunden die noch geblieben waren, bei einem letzten gemeinsamen Abendessen genießen. Neben Helene, war Kingyan, Oleysia und Talysia gekommen, meine chinesischen Freudinnen Hongying, Yuhong, Baibai und Wenwen, sowie meine zwei österreichischen Gefährten Julian und Chris. Wir bestellten zum Abschied noch einmal alles was wir in diesem Jahr probiert hatten, und sich als Köstlichkeit herausgestellt hatte, tranken Dalianer Bier, tratschten, quatschten und scherzten. Hätte uns jemand beobachtet, wäre er bestimmt der Meinung gewesen, wir hätten einen Freudentag zu feiern. Doch so freudig war mir gar nicht zu Mute. Bei dem Gedanken morgen in der Früh ein Flugzeug nehmen zu müssen und mich von meinen chinesischen Freunden hier, von Helene und Kingyan verabschieden zu müssen, wurde mir richtig eng ums Herz. Ich war traurig, mein Leben hier aufgeben zu müssen, ich war traurig nicht zu wissen, wann ich meine Freunde hier wieder sehen würde, und als Kingyan sich dann schon heute von mir verabschiedete und meinte er könne morgen vielleicht nicht mit mir zum Flughafen, kommen, war das dann einfach zu viel für mich und ich konnte nicht anders als in Tränen auszubrechen.

Helene, Hongying und Yuhong fuhren dann mit mir nach Hause, und wir setzten uns noch ein bisschen bei mir ins Zimmer. Ich kopierte alle Fotos die wir dieses Semester geschossen hatten auf Helenes Harddisk und verabschiedete dann Helene und Yuhong bis zum nächsten Morgen.

Hongying hatte beschlossen die letzte Nacht bei mir zu bleiben und in Xiaxis Bett zu schlafen, von der ich mich heute Nachmittag schon schweren Herzens verabschiedet hatte. Zeitweise, wenn ich mal wieder so richtig genervt über irgendwas war, hatte ich mir gedacht, dass ich bestimmt froh sein würde, sie bald verabschieden zu können. Doch als es dann so weit war, fielen uns beiden wieder alle schönen Momente ein, die wir in diesem Jahr gemeinsam in einem Zimmer erlebt hatte, alle schönen Gespräche die wir geführt hatten, und wir verabschiedeten uns mit schwerem Herzen und einer großen Umarmung und beschlossen uns ganz bald über Skype oder Email zu schreiben, und natürlich, alles was sich so ereignet hat zu erzählen.

Kingyan geht... oder doch nicht??

Dienstag 8. Juli 2008

Heute morgen hätte Kingyan eigentlich nach Hongkong fliegen sollen, doch als wir zum Flughafen kamen, saßen dort überall Menschen auf dem Boden, vor den Informationsschaltern standen Trauben von wild gestikulierenden Menschen. Seit morgens um 7 war aufgrund des dichten Nebels kein Flugzeug gestartet, und fragte man das Flughafenpersonal nach Auskünften, zuckten diese nur mit den Schultern und meinten sie wüssten auch nicht Bescheid. Schlussendlich versprach man uns, Kingyan anzurufen, falls die Flugzeuge doch noch fliegen würden, und wir fuhren wieder Richtung Uni. Ich fand es schön, Kingy noch ein bisschen länger bei uns zu haben, und auch er schien sich nicht wirklich darüber zu ärgern, jetzt doch noch etwas länger bei uns und einem Mädel bleiben zu können, das ihm in den letzten paar Tagen den Kopf verdreht hatte. Wir beschlossen alle gemeinsam beim Islami am Eck essen zu gehen und anschließend zum Russian Market zu fahren um noch ein letztes Mal in Dalian shoppen zu gehen. Helene fand einen Koffer, und ich ein Kleid. Abends ging ich dann zu Helene und wir schauten gemeinsam
Serendipity an. Helene und ich waren in den letzten Tagen noch mehr zusammengeschmolzen als wir es eh schon waren, und der Gedanke, dass wir bald Abschied nehmen müssen, machte uns beiden das Herz schwer. Warum muss das Leben nur immer aus so vielen Abschieden bestehen? Gerade hatten wir uns eine so wunderschöne Freundschaft aufgebaut, konnten einander alles anvertrauen, und würden miteinander durch dick und dünn gehen. Und schon hieß es wieder Abschied nehmen. Das einzige was uns blieb, ist uns auf ein nächstes Wiedersehen zu freuen, und bis dahin, uns eben in den Herzen nahe zu bleiben.

Freitag, 18. Juli 2008

Mein zweites Semester geht zu Ende

Montag 7. Juli 2008

Heute morgen stand ich wieder einmal früh auf, um an der Abschlussfeier unseres Instituts teilzunehmen. Wie letztes Semester auch, hatte ich auch dieses Mal eine Auszeichnung für fleißiges Lernen erhalten. Während ich letztes Semester von den Reden die gehalten wurden, noch kaum was verstand, und die Versammlung ewig zu dauern schien, verstand ich diesmal schon fast alles, und ganze Versammlung schien mir wesentlich weniger langatmig zu sein.

Nach der Abschlussfeier machte ich mich dann daran meine Koffer zu packen, ging noch zu Kingyan, der ja morgen abreisen sollte. Der Gedanke von ihm Abschied nehmen zu müssen, machte mich unglaublich traurig. Ich hatte mich in dem Jahr so an seine Gesellschaft gewöhnt, dass ich mir gar nicht vorstellen konnte, nicht mehr über seine sarkastischen Witze lachen zu können, nicht mehr mit ihm shoppen gehen zu können, und um die besten Preise zu handeln, keine Reisen mehr mit ihm planen zu können, mich nicht mehr immer auf ihn verlassen zu können, nicht mehr bei ihm Kaffee zu trinken oder gemeinsam im Starbucks zu lernen. Er war einfach ein super Freund gewesen und ich hatte keine Lust ihn schon so bald wieder her geben zu müssen.

Für den Moment hatte ich das Ganze auch noch gar nicht richtig realisiert. Erst wir dann am Abend alle zusammen kamen um mit Kingyan ein letztes Mal beim Koreaner zu essen, begann ich richtig zu verstehen, dass das Jahr nun wirklich bald zu Ende war, und die Zeit einfach wirklich nicht anzuhalten war. Nur ein Glück, dass Zürich nicht so weit von Hard entfernt ist. So konnte ich bei Gelegenheit ja immer noch einen Ausflug in die Schweiz machen um meinen Doktor House ein bisschen auf die Nerven zu gehen. *ggg*

Sonntag, 6. Juli 2008

Byebye Ruks, byebye Leo, I'm gonna miss you guys !!!!

Sonntag 6. Juni 2008

Noch nicht richtig wach von letzter Nacht und mit einem komischen Gefühl im Kopf, stand ich Samstag Morgen auf, um noch ein Abschiedsgeschenk für Ruks zu besorgen. Obwohl wir in den letzten 2 Monaten nicht mehr so viel miteinander gemacht hatten wie zuvor, machte es mich doch unglaublich traurig von ihr Abschied nehmen zu müssen. Unsere ohnehin schon kleiner gewordene Gruppe fing sich langsam an aufzulösen.

Wir tranken noch mal gemeinsam Kaffee, aßen Keckse, so wie wir es immer gemacht hatten, wenn wir über Seelenprobleme quatschten und brachen dann auch Richtung Flughafen. Dank Ruks unschlagbarem Humor, wurden zwar keine Tränen vergossen, aber leicht fiel uns der Abschied dennoch nicht. Und als wäre es ein Zeichen, dass sie uns nicht verlassen sollte, hatte ihr erster Flieger nach Peking so viel Verspätung, dass sie ihren Anschluss in Peking nicht mehr erwischte. Dann waren alle Flüge von Peking nach New Delhi für die nächsten 5 Tage ausgebucht und sie musste einen anderen Flug nach Shanghai nehmen und von dort dann nach Hause fliegen. Sogar der Flug nach Shanghai war wieder verspätet und ich weiß bis heute nicht, wie sie es geschafft hat, ihren Flug nach New Dehli dann doch noch zu kriegen.

Zurück vom Flughafen machten uns Helene und ich daran noch die letzten Dinge zu erledigen, Helenes Reise vorzubereiten, und langsam aber sicher auch daran zu denken, was wir in China lassen würden, und was wir mit nach Hause nehmen würden.

Abends gingen wir dann mit Leo Barbecue essen und anschließend wieder tanzen. Heute kam zu Leos Abschied sogar Helene mit in den Club. Doch zum Tanzen war sie dennoch nicht zu bewegen. So setzten wir uns eben an einen die kleinen Tische, tranken was, redeten über unser Jahr und suchten uns auf der Tanzfläche die bestaussehenden Typen und spielten Tanzjury.

Am nächsten Morgen begleiteten wir dann Leo zum Flughafen, und es fiel mir so schwer meinen sexy guy zu verabschieden. Wir hatten als zwei der jüngsten immer so eine Gaude miteinander gehabt. Leo ich wird dich vermissen!!!

Nachdem wir Ruks verabschiedet hatten, machten Helene und ich uns mit Yuhong auf den Weg noch ein paar Sachen einzukaufen und ein Geschenk für Kingyans Mama zu finden, bei der ich im Februar zu Gast war. Anschließend schauten wir in Yuhongs kleinem Sportgeschäft vorbei und fuhren dann mit einem Freund von Yuhong und ihrem Ehemann zum Meer. Ich wusste zwar nicht warum uns diese Ehre zustand, aber der Freund schien abgesehen davon, dass er vielleicht gerne Zeit mit Yuhong und ihrem Mann verbringt, hauptsächlich deshalb mitgekommen zu sein, um für uns den Chauffeur zu spielen. Wir fuhren nochmals die ganze Strecke der Binghailu entlang, machten noch ein paar letzte Fotos und Yuhong setzte uns dann beim Fujiazhuang ab, wo wir uns noch mit Kingy und den russischen Mädels zum Baden trafen. Zum Sonnenbaden sei gesagt, denn das Wasser war eisig kalt, sodass es selbst für die Füße eher ein Kneippbad war. Bei dieser eisigen Verabschiedung fiel uns der Abschied vom Meer auch gar nicht so schwer und wir machten uns auf nach Hause in unsere warmen Betten. Oft würden wir ja nicht mehr hier schlafen.

Montag, 30. Juni 2008

Abschiede über Abschiede, und eine Prüfung nach der anderen…

Sonntag 29. Juni 2008

Wer mich in den letzten Wochen beobachtet hatte, musste den Eindruck bekommen haben, ich hätte mich in meine HSK Bücher verliebt. Denn überall wo ich auftauchte, da waren auch meine Bücher dabei. Ob wir im Starbucks einen Kaffee tranken, uns am Strand bräunten, uns im Park in den Schatten der Bäume setzten, die HSK- Bücher waren meine ständigen Begleiter. Selbst im Fitnesscenter kam mein MP3- Player mit, um mich, während ich auf dem Laufband schwitzte mit chinesischen Hörverständnisübungen zu versorgen.
Während ich auf den letzten HSK nicht unbedingt zu den Fleißigsten gehörte, die sich auf die Prüfung vorbereiteten, hatte ich es mir diesmal in den Kopf gesetzt, zumindest ein Level besser abzuschneiden als beim letzten Mal und lernte dementsprechend auch wie eine Versessene Vokablen. Ich fraß mich wie einer unermüdliche Raupe durch sämtliche HSK Bücher die ich mir gekauft hatte, und ich glaube, hätte ich mich selbst dabei beobachten können, ich hätte mich ganz bestimmt für verrückt erklärt und sofort den Nervenarzt angerufen *gg*.

Das einzige was mich wahrscheinlich davon abhielt komplett verrückt zu werden, waren eine Reihe Parties und Feste, die in diese Zeit fielen, und natürlich gefeiert werden mussten. Traurigerweise bedeutete aber fast jedes dieser Feste auch, dass wieder einer von uns nach Hause flog, und unserer Gruppe immer kleiner wurde.

Der erste der uns verließ war Mate.Ich konnte es einfach nicht glauben, es schien mir noch gar nicht so lange her, dass wir gemeinsam am Bahnhof in Dalian ankamen und mit einem dieser wilden Taxifahrer zu unserer Uni fuhren. Noch weniger lange kam es mir vor, dass wir gemeinsam das Feuerwerk am Xinghai Square betrachtet hatten, und dann kein Taxi fanden um wieder zurück zur Uni zu kehren. Als ich dann letzten Freitag Tingli (Hörverständnis) Abschlussprüfung hatte, erinnerte ich mich an unsere gemeinsamen Tingli- Stunden, und es kam mir vor, als wäre es erst gerade einen Monat her, dass wir gemeinsam den Tingli- Test des letzten Semester geschrieben hatten. Mates Sonnenscheinlächeln und seine liebe Art fehlten uns allen hier sehr. Der einzige Trost der mir blieb, war, dass Budapest ja nicht weit von Wien entfernt ist, und ich unseren Sunnyboy bestimmt bald wieder sehen werde.

Der nächste, der uns verließ war Mourad, der mich zum Abschied mit den Worten …. Ca c’est passé trop vite (Es ist zu schnell vergangen) umarmte. Ja wirklich, es ist wirklich unglaublich schnell vergangen dieses Jahr in China. Einerseits hat sich so viel ereignet, dass das Jahr eigentlich 730 Tage haben müsste, um all diese Erlebnisse und Erfahrungen hineinpacken zu können, andererseits schienen die Tage seit ich von meiner Reise Anfang Februar zurückgekommen war, nur mehr so dahin gerast zu sein.

Neben Kingyan, zu dem ich mich das ganze Jahr über immer unglaublich nahe gefühlt hatte, und der zu den Menschen gehört, die ich von meinem Jahr in China bestimmt am meisten vermissen werde, habe ich in Helene ebenfalls eine wunderbare Freundin gefunden. Seit wir uns am Beginn dieses Semesters nebeneinander gesetzt hatten, waren wir ein unzertrennliches Duo. Ob Lernen, kochen, sporteln… wir machten einfach alles gemeinsam, und wenn es einer von uns zweien nicht so gut ging, so waren wir immer für einander da. Als wir vorgestern für die Geburtstagsparty von Gaby unabgesprochen fast im gleichen Outfit auftauchten, da musste keine von uns zweien etwas sagen, und wir wussten, welch schönes Band der Freundschaft wir in diesem Semester geknüpft hatten.

Wenn ich daran denke, dass es bald auch an mir ist, nach Hause zu fliegen, dann überkommt mich ein Gefühl der Wehmut, wenn ich daran denke, dass ich China und alle diese wunderbaren Freunde bald verlassen muss.

Natürlich freue ich mich unglaublich darauf meine Freunde zu Hause wieder zu drücken, alle diese lieben Menschen, die ich letztes Jahr im Sommer unter Tränen verabschiedet habe, wieder zu sehen, mein liebstes Schwesterherz zu umarmen und meine kleine Nichte kennen zu lernen. Endlich wieder einmal all diese leckeren Sachen zu Hause zu essen, ein Bad in einem saubern Badezimmer nehmen zu können, Wasser aus der Leitung zu trinken, das Fahrrad zu nehmen und einfach in die Natur zu fahren, in den Bodensee zu hüpfen, wieder einmal nicht der „Ausländer“ zu sein, … Eigentlich gibt es einen ganzen Haufen Dinge, die mir hier aus Österreich gefehlt haben, und doch, ich habe mich so an das Leben hier gewöhnt, hatte das Leben in unserer großen WG so lieb gewonnen, meine Freunde hier so ins Herz geschlossen, und jetzt fällt es mir so schwer von diesem „zweiten“ Leben das mir China geschenkt hatte, wieder Abschied nehmen zu müssen. So gerne ich in der Welt herumkomme, so wohl ich mich an allen möglichen Orten auf der Welt fühle, so sehr hasse ich Abschiede. Genauso wie es mir vorkam, als würde ich einen Teil meines Herzens bei Bea und meiner zweiten Familie zurücklassen, als ich London verließ, so kommt es mir jetzt vor, als würde ich einen Teil meines Lebens aufgeben müssen, in dem Moment, in dem ich China verlasse. Doch ebenso wie meine zweite Familie, mit dem Tag an dem ich abgereist bin nicht aus meinem Leben verschwunden ist, so wird auch China nicht aus meinem Leben verschwinden, und all diese lieben Menschen, die mir hier so ans Herz gewachsen sind, werden auch weiterhin ihren Platz dort haben.

Irgendwie schien es allen gleich zu gehen, und wir beschlossen, neben der Lernerei, diese letzten Tage die uns noch blieben, so viel wie möglich gemeinsam zu machen.
Wir gingen mit einer riesen Gruppe Barbecue essen, Leo, Kingyan, Julia und ich gingen bowlen und Billiard spielen, Kingyan kochte ein letztes Mal in großen Stil für uns leckere Salate und Spagetti, wir kamen zusammen um Filme anzuschauen, gingen gemeinsam aus,ich traf mich mit Hongying auf ein Eis oder auf einen Kaffee, oder auch einfach nur so.

Heute machten Helene und ich gemeinsam mit meiner chinesischen Freundin Yuhong einen Ausflug nach Lushun. 2 Freunde von Yuhong kamen mit uns und spielten für uns den Chauffeur. Wir hielten an einem Strand, an dem man mit hübschen braunen Pferden, mit stehenden schwarzen Mähnen den Strand entlang galoppieren konnten, sahen uns dann am nächsten Strand, das Appartment an, das Yuhong und ihr Mann dort gekauft hatten, und gingen dann alle gemeinsam in einem kleinen Restaurant in dessen kleiner Schäune ein Wurf kleiner Katzen herumtobte essen. Als wir dann mit Countrymusik im Auto zurückfuhren und die Lichter des schon nächtlichen Dalians an uns vorbeiziehen sahen, waren Helene und ich uns einig, dass dies, obwohl es in Lushun selbst nicht viel zu sehen gab, wirklich ein wunderschöner Tag geworden war. Wie eine Tochter, haben Yuhong und ihr Mann mich in Herz geschlossen, und sind so großzügig, hilfsbereit und freundich zu mir, dass ich oft gar nicht weiß, wie ich den beiden danken soll.

Schon das letzte Mal als sie mich zum essen einlud, sagte sie mir, ich könne noch eine Freundin mitbringen. Ich nahm natürlich an, wir würden, wie normalerweise auch immer in eines der normalen chinesischen Restaurants mit sehr vernünftigen Preisen gehen und zögerte nicht lange Helene mitzunehmen. Doch das Restaurant, zu dem Helene und ich Yuhong folgen, war keineswegs normal. Es war ein sehr feines europäisches Restaurant, auf dem Topfloor eines Towers direkt neben dem Hafen, von wo aus man weit über das Meer blicken konnte. Und das verrückteste an der ganzen Sache war, dass sich die ganze Plattform während des Essens langsam drehte, um einem von seinem Tisch aus einen 360° Panoramablick zu verschaffen. Wirklich unglaublich spektakulär.

Und so reihten sich Abschiede, Lerntage und Abende mit Freunden aneinander und ehe ich mich versah, war auch schon wieder ein Monat vergangen.

Nun ist es nicht nur mehr eine leise Vermutung, sondern ein starker Verdacht... die Uhren in China müssen sich wirklich schneller drehen....


PS: Fotos für's Fotoalbum folgen morgen! Versprochen :-)

Freitag, 6. Juni 2008

Wieder zurück am Boden....

Freitag 6.Juni 2008

Nach unserem Ausflug zum Tor des Himmels, holte uns in Dalian bald wieder der Alltag und die Realität ein. Die Zeit die uns noch in China bleibt wird mit Tag zu Tag kürzer, (von heute weg sind es noch 40 Tage bis mein Flugzeug in München landet) und der Lernstoff den wir noch zu bewältigen haben dafür von Tag zu Tag mehr. Mit Ende letzten Monats kamen auch die Ergebnisse des letzten HSK heraus. Ich hatte gerade ein paar Punkte zu wenig um Level 6 zu erreichen, was eigentlich mein Ziel gewesen wäre, und schrieb mich deshalb auch für den nächsten HSK am 22 Juni ein. Das bedeutet zwar eine 2. Chance, aber auch ein 2. Mal zu Strebern was das Zeug hält. Gott sei Dank war das Wetter in den vergangenen Tagen, durchgehen, trüb, nebelig, regnerisch, windig und ansonsten sehr wechselhaft, so dass es einem leichter fiel im Zimmer zu bleiben und zu lernen. Noch dazu war ich voller Energie und Motivation, da mein erster HSK, trotz Kopfweh und den übelsten Erwartungen doch nicht ganz so schlecht ausgefallen war, wie ich mir das schon ausgemalt hatte. Das war zwar trotzdem nicht gerade ein Grund zum Tanzen, zeigte mir aber doch, dass ich, wenn ich mich weiter bemühe und die Nacht vor dem nächsten Test ordentlich schlafe, mindestens Level 6 wenn nicht 7 erreichen kann, was bei 8 erreichbaren Levels ja schon ein guter Grund zum Feiern wäre.
Während Helene also die Tage zählte, bis ihr Freund sie zu ihrem Geburtstag morgen in China besuchen kommt, zählte ich die Tage bis zum HSK und beschloss nochmals voll Gas zu geben, oder wie die Chinesen sagen, Öl nachzufüllen, und mich nochmals auf diesen neuen HSK vorzubereiten.

Und so ging die Zeit wie im Fluge vorbei, und als ich heute auf meinen Blog schaute, und sah dass es schon wieder fast 2 Wochen her sind, seit meinem letzen Eintrag, da verdächtigte ich wieder einmal der Mann im Mond, ob er nicht hin und wieder an der Uhr dreht und die Stunden schneller laufen lässt.
Es kam mir vor als würde die Zeit, wenn ich über meinen Büchern sitze an mir vorbeirasen. oder vielleicht raste auch ich, mit einem Eilzug durch die Zeit. Gerade fand ich noch Zeit einen Großteil der Mails, wenn auch meist mit etwas Verspätung zu beantworten, die ich bekommen hatte. Irgendwie fand ich nie Zeit einfach mal nichts zu tun, Filme zu schauen, oder Nachrichten zu lesen.

Die einzigen Nachrichten die ich sah, waren die Katastrophenbilder die auf den meisten Kanälen der TVs im Fitnesscenter liefen. Den Vorspann dazu kenne ich mittlerweile schon fast auswendig. Fast wie ein Trailer zu einem Actionfilm oder einer Arztserie reiht es eine Folge heroischer Bilder aneinander, wie Ärzte die Opfer versorgen, Soldaten Leben retten, Präsident Hu Jintao Mitten in Geschehen ist und den Menschen Trost zuspricht, wie riesige LKWs mit Hilfsgüter ankommen und dies abwechelnd mit Bildern von Massen junger Menschen, Arbeitern, Politikern und Ärzten, die ihre Fäuste wie zum Gruß gegen den Himmel richten, und mit der chinesischen Flagge die im Gleichtakt mit den Haaren der Menschen weht ihre Solidarität beschwören. Eine Art das Land zu einen und die Solidarität zu stärken, wie ich es bisher nur in China gesehen habe.

So, nachdem Helene nach unserem gemeinsam gekochten Mittagessen, in aller Eile aufgebrochen ist, ihren Schatz vom Flughafen abzuholen, werde ich mich nun wohl wieder meinen HSK-Büchern widmen.

Verzeiht, falls ich in den nächsten zwei Wochen weniger oft dazu kommen sollte, meinen Blog zu schreiben. Das hat bestimmt den Grund, dass ich am Lernen, Schlafen, Sporteln oder Essen bin, und nichts Interessantes passiert ist, das es wert wäre, erzählt zu werden. Und wenn doch etwas Unerwartetes geschehen sollte, werdet ihr die ersten sein, die davon lest, das ist versprochen :-)

Montag, 26. Mai 2008

Tianmen - Das Tor zum Himmel

Sonntag 25. Mai 2008


Heute morgen, nach einem traditionell chinesischen Frühstück mit Zhou (Reissuppe) Maismantou (Maisdampfbrötchen) Toufu-Gerichten und Eiern machten wir uns mit dem Bus wieder auf zu unserem nächsten Ziel, Tianmenshan (Himmelstorberg). Wir parkten den Bus bei einem großen See, von wo aus wir einem kleinen Bach folgten, der uns hinein in einen romantischen, lichten Wald in Richtung des Himmelstorbergs führte. Helene und ich wanderten auf den großen Steinen des Baches, sprangen von einem zum anderen und überquerten den kleinen Wasserlauf von einer Seite auf die andere. Im Gegensatz zu gestern hatten wir heute Sonnenschein und strahlend blauen Himmel, die Vögel sangen wieder für uns, und bis auf ein 2-3 Autos die von Zeit zu Zeit den Berg hinausfuhren, waren wir ganz alleine in dieser duftenden Natur. Schmetterlinge kreuzten den Weg vor uns, in den kleinen Wasserlöchern am Wegrand quackten uns lautstark die Frösche entgegen. Bei einem Bauernhof am Wegrand sahen wir kleine lustige Ziegen, die alle auf der zweiten Etage ihres Unterstandes standen um sich die Füße nicht im Dreck darunter schmutzig zu machen. Reinliche Tierchen, das muss man sagen *gg*.

Angekommen am Fuße des Berges, wollte unser Guide nicht mehr weiterlaufen, und meinte wir sollen selber, jeden im Tempo wie er will bergsteigen gehen, und in einer Stunde wieder zurück sein. Einmal entlassen in die Natur, fühlten wir uns frei und glücklich. Leo, Helene und ich sprangen eine alte ein bisschen verkommende romantische Treppe den Berg hinauf. Obwohl wir im Schatten der Bäume liefen, hatten wir bald alle viel zu heiß, doch das war uns egal. Unten hindurch unter herunterhängenden Ästen, hinüber über kleine Wasserläufe, hinauf auf hohe Felsen. Es war als wären wir aus eine Käfig in die Freiheit entlassen worden. Wir erreichten den Gipfel, wo wir Tarzanrufe losließen, die an den anderen Bergen in der Umgebung widerhallten. Am Gipfel trafen wir auch Kingyan wieder, der zuvor einen anderen Weg genommen hatte. Meine Freunde, die Sonne, die Natur, ein paar Schmetterlinge und ich war glücklich J

Eigentlich war die Stunde, die uns unsere Fremdenführerin gegeben hatte ja schon längst um, aber irgendwie scherte uns das heute nicht. Es war es wert, sich eventuell anschimpfen zu lassen. Wir kletterten auf die alten Wettertannen am Gipfel des Berges und fühlten uns dem Himmel so nahe. Tianmenshan, war für uns wirklich ein Tor zum Himmel. Von hier aus konnte man das Tor sogar schon sehen, ein großer Fels der am Berg stand und ein Tor bildete, durch das wir dann hindurch wieder auf die Erde zurück wanderten. Leo ließ sich vom Wasser das vom Himmelstor heruntertropfte waschen, und Helene kletterte auf einen kleinen Gipfel nebenan, von wo sie am liebsten gar nicht mehr herunter gekommen wäre. Ich drehte mich mit ausgestreckten Armen im Kreis und drehte meinen Kopf Richtung Sonne. Mit geschlossenen Augen fing ich die Momente ein, die sich wie viele neue Mosaiksteinchen zu dem Bild glücklicher Momente in meinem Herzen hinzufügten. An der nächsten Wegkreuzung schlossen dann auch Xiaxi, Mitsue und Piaojiaxi zu uns auf, und wir wanderten alle gemeinsam wieder ins Tal, wo unser Guide auf uns wartete. Als sie die großen Smilies auf den Gesichtern ihrer Schützlinge sah, konnte sie gar nicht schimpfen und rief uns nur alle zusammen, in einen offenen Bus zu steigen, der uns wieder hinab brachte zum Ausgangspunkt unserer Wanderung. Am liebsten wären wir eh gar nicht wieder in den Bus gestiegen, doch beim Gedanke ans Essen, ließen wir uns dann schließlich doch von unseren knurrenden Mägen davon überzeugen, dass wir zurückfahren sollten.

Im Hotel aßen wir dann noch ein Abschiedsessen, und zurück ging es wieder. Zurück nach Dalian, das uns mit Smog und einer stickigen Hitze empfing. Für China gilt Dalian als eine der saubersten Städte, mit einer angeblich sehr sauberen Luft, doch als wir von diesem Paradies zurück kehrten, da war der Unterschied erdrückend, und ich verstand mit einem Male, warum ich hier so häufig Kopfweh hatte. Die Stadt war laut, die Menschen hektisch, und egoistisch, aus jedem Laden plärrten ein Lautsprecher heraus, und die Luft war mit sauberer Landluft einfach nicht zu vergleichen.

Blieb nichts als früh schlafen zu gehen, und in den Träumen noch mal zurück zu kehren, zum Tor des Himmels.

Raus ins Grüne

Samstag 24. Mai 2008


Mehr oder weniger pünktlich und vor allem mehr oder doch weniger ausgeschlafen ging’s heute morgen um 8 los Richtung Bingyugou.

Das ist eine landschaftlich wunderschöne Gegend etwa 3 ½ Stunden von Dalian entfernt, die vor allem für ihre kleinen Seen und diese Rundkuppenberge bekannt ist, wie man sie auch immer auf den chinesischen Malereien sieht.

Wir hatten unseren eigenen kleinen Bus plus Fahrer und Reiseführer gemietet, der heute morgen vor dem Haupttor der Schule auf uns, einen Haufen schläfriger Studenten wartete. Dabei waren Kingyan, Helene, Leo und ich, von unserer Gruppe, Xiaxi, Mitsue und Anna, und 2 Koreaner Piaojiaxi, und Yubingjian. Insgesamt 8 Leute aus meiner Klasse plus Leo und Mitsue.

Das Wetter war um diese Tageszeit noch nicht gerade umwerfend und man sah vor lauter Nebel keine hundert Meter weit. So entschloss der Großteil von uns anstatt weiter aus dem Fenster zu starren und sich über das Wetter aufzuregen mal ein Nickerchen zu machen.

Wenn man hin und wieder aufgrund unebener Straßen aus seinen Träumen gerüttelt wurde, bemerkte man, wie die Häuser die an uns vorbeizogen bei jedem Mal weniger wurden, und wir immer weiter aufs Land hinaus fuhren. Als wir dann bei einem „WC“ halt machten, das nur aus einen gemauerten Sichtschutz neben der Straße und einem Loch im Boden bestand, wussten wir, dass wir nun wirklich jegliche Zivilisation hinter uns gelassen hatten. Die Reise ging durch unendliche Weiten von Reisefeldern, auf denen die Bauern gerade dabei waren ihre Setzlinge einzupflanzen, vorbei an unzähligen von Eseln und Ochsen gezogenen Karren, auf deren Ladefläche ein Chinese mit den typischen Chinesenhut saß, und gemütlich die Straße hinunterfuhr. Es lag eine Ruhe und eine Friedlichkeit über dieser Landschaft, wie ich sie schon lange nicht mehr gefühlt hatte. Leider war unser Auto viel zu schnell, als dass ich einen dieser Wagen mit meiner Kamera einfangen hätte können. Es blieb nichts anderes übrig als diese Impressionen, im Bildband meines Herzens zu speichern und sie euch zu beschreiben. An einer Wegkreuzung sahen wir eine Herde von Pferden auf deren Rücken Männer ohne Sattel nur auf einer Decke saßen und die Pferde scheinbar ohne Zaumzeug dirigierten. Als wir eines der kleinen Dörfer durchquerten kamen wir an einem Trauerzug vorbei, bei dem noch alle in traditionell chinesischer Art lange weiße Kittel anhatten, ein weißen Tuch um den Kopf gebunden, und große Papierblumenbouquets zum Friedhof trugen. Angelangt in dem kleinen Dorf, in dem unser Hotel war, bekamen wir erst mal ein guten Essen, mit Gerichten ähnlich wie wir sie in der Stadt auch hatten, aber mit so viel mehr Geschmack, viel weniger Öl und in wesentlich besserer Qualität. Dann bezogen wir unsere Zimmer. Einfache 4-Bettzimmer, mit den hier üblichen Decken als Matratze, einem Leintuch darüber und dann noch einer Decke um sich zuzudecken. Einfach aber sauber. Auch die Toiletten und Hygieneanlagen waren sehr einfach, doch ebenso sauber.

Nach einer kurzen Rast setzten wir uns wieder in den Bus und fuhren nach Bingyungou, das wegen seiner Ähnlichkeit mit dem berühmten Guilin, laut Chinesen der schönste Ort unter der Sonne, auch Xiao Guilin (kleines Guilin) genannt wird. Dort nahmen wir ein Boot und machten eine Bootsfahrt durch die Schluchten zwischen den mystisch mit Neben eingehüllten Bergen. Der Nebel, über den wir uns noch am Morgen geärgert hatten, passte hier perfekt ins Bild, und erinnerte uns alle an diese berühmten chinesischen Landschaftsmalereien. Auf der anderen Seite des Sees gingen wir dann ein Stück durch ein Flusstal, wo das Wasser so klar war, dass man jede Farbe der Bäume sehen konnte, die sich im Wasser spiegelten. Ich war so fasziniert, dass ich unzählige Bilder nur von der Wasseroberfläche machte, in der sich Bäume und Berge spiegelten, als hätte jemand eine großartige Aquarellmalerei gemacht.

Außer uns war hier fast keine Menschenseele zu sehen, und ich hatte wirklich seit langen mal wieder das Gefühl wirklich in der Natur zu sein. Im klaren Wasser tummelten sich eine Menge Fische und andere Wassertiere, in den Bäumen sangen die Vögel. Ich hatte den Eindruck im Paradies gelandet zu sein. Gegen 5 kamen wir dann wieder zum Hotel zurück, wo Leo, Helene und ich uns ein Tandemfahrrad mieteten und zu dritt auf dem Fahrrad die Felder und Bauernhöfe ein bisschen außerhalb des Dorfes erkundeten. Leo lenkte, Helene trat in die Pedale und ich half dabei. Doch mein Hauptjob war es, im Vorbeifahren Fotos zu machen. Kleine Bauernhöfe, aus deren Einfahrt uns große weiße Gänse entgegen schnatterten, schlafende Hunde, Bauern auf ihren Feldern, die getrockneten Maisstauden von letzten Jahr zu kleinen Häusern aufgeschichtet auf denen die Vögel saßen, eine Katze auf Mäusejagd auf einem Acker, ein Kalb das uns auf wackeligen Beinen entgegen schaute. Eine Idylle wie man sie sonst nur in Filmen sieht. Irgendwo am Wegrand grüßte uns dann ein alter Mann der gerade mit einer Haue dabei war, etwas zu reparieren oder umzugraben. So genau konnte man das nicht sagen. Als er sah, dass Besuch in sein kleines Dorf gekommen war, wollte er uns gleich in sein Haus zu Tee oder Schnaps einladen, um mit uns ein bisschen zu Tratschen. Doch wir mussten leider zum Abendessen um 6 wieder zurück sein, und verabschiedeten uns von ihm mit einem 3-fachen Zaijian, was den alten Mann bis über beide Ohren zum lächeln brachte. Zurück im Hotel schlugen wir uns den Bauch bei einer anderen leckeren Mahlzeit voll, und anschließend gingen Helene, Kingyan, Leo und ich auf den kleinen Dorfmarkt, wo die Einwohner alle möglichen Figuren, Schmuck und Glücksbringer aus verschiedenen Edelsteinen und Halbedelsteinen verkauften. Im Gegensatz zu den großen Städten in denen ich bisher war, in denen alle Verkäufer mit dir „hao pengyou“ (gute Freunde) sind, solange sie dir was andrehen wollen, und dir hinterher schimpfen, wenn du’s dann doch nicht kaufst, waren die Leute hier so herzlich mit uns, schüttelten uns die Hände, meinten dass wir schauen sollten, was sie hätten, doch wenn wir zu dem einen oder anderen sagten, dass wir nur schauen wollten, freuten sie sich, dass wir mit ihnen Chinesisch redeten und meinten, dass wir auch nur bleiben könnten um mit ihnen zu reden, und den Abend zu verbringen. Tatsächlich verbrachten Helene, Leo und ich dann mit den Dorfbewohnern gemeinsam den Abend. Bei dem Restaurant auf der gegenüberliegenden Straßenseite des Marktes, war eine Musikbox aufgestellt worden und die Menschen tanzten, jung und alt, alle gemeinsam auf dem Vorplatz neben der Straße. Eine energische, etwas rundliche ältere Frau übernahm die Führung und alle versuchten ihre Schritte nachzumachen. Auch wir versuchten dabei mitzumachen, was nicht so einfach war, da es schien als wäre das Dorf hier schon ein eingespieltes Team. Doch alle nahmen uns mit großer Herzlichkeit in die Mitte, riefen uns zu „links“ „rechts“ „gerade aus“ „drehen“ … und so schafften wir es in ihren Reihen mitzutanzen. Später nahmen wir uns dann in dem kleinen Laden neben dem Platz ein Bier und gesellten uns auf der anderen Straßenseite neben dem Markt zu einem Fest dazu, bei dem die Leute eine Ziege auf einem Stecken über einem Lagerfeuer grillten. Auf dem Heimweg sagten wir dann den Pferden am Wegrand Hallo und gesellten uns zu den anderen im Hotelzimmer von Xiaxi und ihren Freundinnen, und saßen dort noch zusammen, bis es schließlich Zeit war ins Bett zu gehen. Wir machten eine Katzenwäsche mit kaltem Wasser, putzen uns die Zähne und gingen schlafen. Erstaunlicherweise schliefen wir auch alle tief und fest auf unseren harten Betten, und wachten morgens frisch und munter wieder auf, bereit für einen neuen Tag.

Reisevorbereitungen und Partylaune

Freitag 23. Mai 2008

Heute war wieder einmal ein Tag an dem alles drunter und drüber ging. Nachdem ich bis Mittag in der Schule war, ging ich mit Helene in der Nähe unserer Uni zu Mittag essen, dann saßen wir ein bisschen vor ihrem Wohnblock, und erzählten uns gegenseitig von alten Zeiten, dann traf ich mich mit meiner Lernpartnerin und wir setzten uns bei Sonnenschein in den kleinen Park unserer Uni. Helene ging Richtung Schule um mit ihrer Fudao zu lernen. Um 3 trafen wir uns dann wieder und gingen zur Reiseagentur mit der wir auch schon in Dandong an der nordkoreanischen Grenze gewesen waren. Ich hatte während der letzten Woche für eine Gruppe von 10 Leute einen kleinen Wochenendausflug ins Grüne organisiert, und musste heute nochmals hin, um das Geld abzugeben. Helene begleitete mich und wir gingen anschließend noch auf ein Eis, und trafen uns dann mit Kingyan der sich eine Hose kaufen wollte, ganz zufällig sahen wir dann auch noch Mate und Ruks im Amici sitzen, und so war, unsere kleine Gruppe wieder einmal fast komplett. Kaum waren wir zu Hause, musste ich mich auch schon wieder mit meiner anderen Lernpartnerin treffen, die mich zum Essen eingeladen hatte, und schwups war die Zeit schon wieder verfolgen, rannte ich noch schnell für eine halbe Stunde ins Fitnesscenter um dann mit noch nassen Haaren vom Duschen auf das Geburtstagsfest von Talysia zu gehen. Helene, Mate, Mourad, Rukmani, Kingyan, Taylor, Leo und abgesehen von den Koreanern und Japanern von denen nur ein kleiner Teil da war, ohnehin fast alle anderen ausländischen Studenten waren auch dabei. Wir hatten feine russische Speisen, eine riesen Geburtstagstorte und vor allem eine Menge Spaß. Anschließend ging es dann ins den Sunny Night Club tanzen. Dort ging es dann recht flüssig her, und als ich dann um 2 mit Leo heimging, da ich ja noch meine Tasche für unseren Ausflug morgen packen musste, war die Party noch immer in vollem Gange.

Zu Hause war Xiaxi, die schon früher gegangen war, schon im Bett und so legte ich nur mit Behutsamkeit den ganzen Kram, der sich über den Tag hinweg auf meinem Bett angesammelt hatte auf den Boden, stellte den Wecker auf 6 um morgen in der Früh noch schnell den Koffer zu packen und ging schlafen, gespannt darauf, wie das Wochenende wohl werden würde.

Wer hat an der Uhr gedreht… ist es wirklich schon so spät?

Donnerstag 22. Mai 2008

Und dann, dann musste sich die Erde plötzlich schneller gedreht haben, denn auf einmal waren die Stunden keine Stunden mehr und die Tage nur mehr halb so lang. Ich hatte das Gefühl ich wäre gerade erst aufgestanden, da war auch schon wieder Nacht, und von der ganzen Woche ist mir nicht viel mehr im Kopf geblieben, als ein paar Bilder die wie im Zeitraffer an mir vorbeigezogen sind. Eines davon, ein besonders Schönes, ist unser Crepeessen beim dem Kingyan die Küche stellte, Mourad die Nutella, Helene die Crepes machte und ich, ja ich war nur da um zu essen :-)

Dann sind da zwei Bilder von emotionalen Diskussionen in unserer Kouyu-Klasse. Das eine Mal ging es wieder mal ums Geld, das bei den Chinesen über allem anderen steht, Liebe, Heirat, Scheidung, Lebenseinstellung alles wird vom Geld bestimmt. Ausgegangen war alles davon, dass die Kinder dagegen sind dass ihre Eltern wenn sie verwitwet sind, wieder Heiraten… aus Erbgründen natürlich. Da wäre das Erbe ja eventuell wieder aufzuteilen. Dann ging das Thema in Richtung unserer eigenen Partner und ob Geld dabei eine Rolle spielte, und sowohl die Lehrerin als auch meine koreanischen Mitschülerinnen, schauten mich an, als ob ich vom Mond wäre, als ich sagte, dass ich nicht daran glaube, dass es wichtig ist wie viel Geld jemand schon mit in eine Beziehung bringt, sondern wenn überhaupt, wie viel Motivation, Elan und Energie der Mensch hat, dann gemeinsam sich etwas aufzubauen.
Also was diesen Europäern nicht einfällt. Wie kann man auch vom obersten Gott Geld, nach dem hier ein Großteil der Menschen ihr Leben richtet, den sie öfters huldigen als selbst der gläubigste Muslim Allah, so ohne Respekt reden. Das ist auch wirklich ein Frevel…

Ein anderes, aber ebenso denkwürdiges und interessantes Bild entstand wieder in einer Kouyu- Stunde als wir über Kinder, Kindererziehung und schlussendlich auf übers Essen sprachen. Die Lehrerin sagte, dass die Mädchen in China und auch in Korea nach dem Uniabschluss häufig eine Haushaltsschule besuchen um Kochen und andere Haushaltsarbeiten zu lernen. Dies warf natürlich die Frage auf, warum die das nicht, so wie wir, mit ihrer Mama lernen können. Diese eigentümliche Frage, die wir Europäer uns da zu stellen erlaubt hatten, beantwortete die Kouyu-Lehrerin damit, das hier die Frauen auch etwas Ordentliches kochen würden, und nicht nur so simpel wie die Westler. Das konnten wir uns natürlich nicht gefallen lassen. Woher nahm sich die Lehrerin auch das Recht von ihrem Amerikaaufenthalt auf den ganzen Westen zu schließen. Und schlussendlich kam dann eben wieder heraus, dass das Geld wie so oft eine große Rolle spielte, da die Kinder um später viel Geld zu verdienen, neben der Schule noch alle möglichen Kurse belegen sollten, in der Schule am Besten immer viel besser als alle anderen sein müssen, und daher nicht auch noch mit Hausarbeit belastet werden können. Zeit ist Geld, und wenn’s ums Geld geht, dann zählt jede Sekunde...

Eine Menge anderer Bilder die sich zu meinen eigenen Eindrücken aus der vergangen Woche mischen, stammen aus den Katastrophenberichte die über das Erdbeben in Sichuang.

Bei dem gewaltigen Beben waren über 60 000 Menschen ums Leben gekommen, unzählige sind noch immer vermisst, und zu allem Unglück regnet es in der betroffenen Region seit Tagen in Strömen, so dass die Helfer nun auch noch gegen Überschwemmung und das Wasser kämpfen müssen. Am Montag, eine Woche nach dem Beben wurden in ganz China, laut unserer Kouyu-Lehrerin zum ersten Mal in der chinesischen Geschichte für Todesopfer aus dem normalen Volke 3 Schweigeminuten abgehalten. Für 3 Tage wurde jegliches Entertainment untersagt, im Fitnesscenter wurde Musik und Fernsehen ausgeschaltet, und wir hörten sogar Eltern zu ihren Kindern sagen, dass sie heute nicht herumtoben könnten. Wenn der Fernseher lief, dann wurde auf allen 9 staatlichen Sendern keine Spielfilme, Serien und Talkshows ausgestrahlt, sondern lediglich von den Zuständen in Sichuang berichtet. Während man sonst von den Menschen hier oft das Gefühl hat, dass jeder nur für sich selbst denkt, für sich selbst und seinen eigenen Profit, scheint dieses Unglück doch den Sinn für Solidarität unter den Chinesen geweckt zu haben, und ein ganzen Land in Trauer um die Menschen in Sichuang vereinigt zu haben.

Donnerstag, 22. Mai 2008

Dalian- Lauf-Festival – Halbmarathon

Samstag 17. Mai 2008

Heute, ich weiß nicht welcher Flo mir das ins Ohr geflüstert hat, stand ich um 6 auf, um pünktlich um 7 bei der Uni zu stehen, und mit Helene, Mate, Hongying und noch ein paar Schulkollegen, welche offenbar der gleiche Flo gebissen hat, am Dalian Lauf-Festival teilzunehmen. Wir hatten uns für den Halbmarathon eingeschrieben, der vom Xinghai Square eine Strecke dem Meer entlang ging um dann in den Wald abzubiegen und uns ein bisschen mehr als 20 Kilometer durch das Hügelland hinter der Küste zu führen. Ich wusste gar nicht, dass Dalian einen so hübschen Wald hat, in dem man noch wirklich die Natur rund um einen riechen konnte. Das Wetter war sonnig aber nicht zu heiß, und die Natur erwachte gerade aus ihrem Schlaf. Wir verloren bald in dem Getümmel der unzähligen anderen Teilnehmer den Rest unserer Gruppe, was uns aber nicht weiter störte und so liefen wir 4 teilweise in einer Linie, teilweise hintereinander dem Ziel entgegen. Der Weg ging vorbei an einem buddhistischen Kloster, einem Glücksbrunnen, alten chinesischen Häusern, und einer Unzahl im Kreis aufgestellten Bienenständen, hindurch in Terassen angelegtem Hügelland, und duftenden Frühlingswald. Schon alleine deshalb hatte es sich gelohnt zu kommen. In der Menschenmenge die von Xinghai Square gestartet war, konnte man, Marathon hin oder her ohnehin nicht rennen, und viele Teilnehmer, waren mit ihrer ganzen Familie gekommen, andere waren wieder die Belegschaft einer ganzen Firma, Alte und Junge machten hier gemeinsam einen großen Wandertag, und wir waren irgendwo mitten darunter.

Kingyan, der es nicht geschafft hatte am Morgen aufzustehen, stieß dann bei unserem gemeinsamen Pizzaessen im Amici dazu, wo wir uns nach dem langen Hatsch, jeder eine leckere Pizza gönnten. Nach so langer Zeit des Schnickschnack Essens irgendwo schnell auf der Straße, glich das wahrlich einer Götterspeise.

Juhu, Zwischentests auch in der Tasche

Freitag 16. Mai 2008

Gerade von Peking zurück ging es auch schon wieder ans Lernen. Die Zwischenprüfungen standen ins Haus. Mit mehr oder wahrscheinlich doch eher weniger Motivation setzten wir uns also wieder zu unseren Büchern. Der Alltag war zurück gekehrt. Vormittags Schule, mittags irgendwas schnell essen, nachmittags Hausaufgaben machen, abends ins Fitnesscenter und in der Nacht lernen. Doch Gott sei Dank war unser Qingdu-Lehrer gerade nach einem Monat aus Canada zurückgekehrt und war noch ganz eingenommen von der westlichen Gemütlichkeit, so dass er uns mit einer großzügig väterlichen Geste den Teststoff auf 3 Lektionen begrenzte, und auch unsere Kouyu-Lehrerin war in bester Laune, als wir ihr unsere auswendig gelernten Texte aufsagten. Und so ging diese Woche zwar mit einigem Kopfweh, das mich in letzter Zeit hier dauernd verfolgt, doch ohne zu großes Zittern und Bangen vorbei.

Nach unserem letzten Test beschlossen Helene und ich heute uns den Nachmittag freizunehmen. Ich ging mit ihr nach Hause und wir hörten einen Nachmittag lang französische Musik, von alten französischen Chansons bis hin zum Rock der letzten Jahre war alles dabei. Helene ist zwar, wenn man sie zum ersten Mal trifft eher eine ruhige vielleicht sogar etwas zurückhaltende Person, doch wenn man sie einmal etwas näher kennengelernt hat, dann bemerkt man bald ihre gute Art von Humor, den sie oft so beiläufig in ihre Sätze packt, dass man in ihrer Nähe gar nicht anders kann, als gut aufgelegt sein. Wenn mir mal alles über den Kopf wächst und ich von einer schlechten Laune in die nächste taumle, dann ist sie da um mich mit ihrer lieben Art von Humor wieder aufzuheitern. In unserer kleinen Gruppe haben wir sie alle schon ins Herz geschlossen. Ich habe ohnehin das Gefühl in den letzten Jahren, wohin ich auch gehe immer von so lieben Menschen umgeben zu sein, Menschen die nicht nur an sich selbst denken, Menschen mit denen man Spaß haben kann, aber genauso mal schlecht aufgelegt sein kann, die einem aus den größeren oder kleineren Krisen des Alltags helfen, auf die man sich verlassen kann… richtige Freunde eben.

Abends gingen wir dann mit Leo, Mate, Ruks und Kingyan zum Starbucks um eine Tasse auf die Test zu trinken, die allen ganz gut gelaufen waren. Die Blödeleien und Witzeleien flogen nur so hin und her, und erst als Helene mich hin und wieder fragte, um was es denn gerade ging, fiel mir auf, was für ein eingespieltes Team wir schon geworden waren, wie wir die Hints und Anspielungen der anderen sofort verstanden und gleich mit eben so Zweideutigem zurückschossen, wie ein Thema das andere gab, und wir die meiste Zeit nur am Lachen waren. Jeder von uns hat irgendwie seine ganz eigene Persönlichkeit, und trotzdem oder wahrscheinlich gerade deshalb gab das der Gruppe eine unglaubliche Dynamik, die unser Sextett zu etwas so Besonderem macht. Oh Leute ich werd euch vermissen!!!

Sonntag, 11. Mai 2008

Soda meine Lieben,

das wars jetzt mal wieder von mir bis Samstag 11.5, da wir diese Woche Zwischenprüfungen haben und ich da wieder mal Gas geben muss.
Die Fotos, die zu den vorhergehenden Blog gehören, müsst ihr in der Zwischenzeit eben im Fotoalbum nachschlagen, da ich dann erst nächstes Wochenende Zeit finden werde, diese in die Blogs zu integrieren.

Bis dahin also... macht's gut!

Eure Sunflower

Abschied von Mami, Abschied von Peking

Mittwoch 7. Mai 2008

Heute war unser schöner, aber leider viel zu kurzer gemeinsamer Urlaub schon wieder vorbei, und wir packten unsere Koffer um zum Flughafen zu fahren. Mein Riesenmonstrumkoffer, meine kleine Sporttasche, und 2 Rucksäcke…Mit all den Sachen die wir mitgebracht hatten, und den Stücken die wir neu gekauft haben, platzen alle 4 Taschen fast aus ihren Nähten.

Am Flughafen, ging ich dann durch die Passkontrolle, mit zum Mamas Eincheckschalter. Natürlich war der Koffer ein bisschen über dem Höchstgewicht, doch der hübsche Bursche hinter dem Schalter erwiderte mein Lächeln mit einem noch größeren und checkte Mamas Gepäck inklusive meinem Riesenkoffer ohne Probleme ein. Dann erklärte er Mama in einem für einen Chinesen, unglaublich authentischen Englisch, wohin sie musste. und verabschiedete uns mit einem so lieben Lächeln, das mit bis jetzt in Erinnerung geblieben ist.

Das ist irgendwie so schön in China, dass die Chinesen auf ein ehrliches, offenes Lächeln eigentlich immer mit großer Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft reagieren. Noch dazu, wenn man höflich fragt, und nicht wie die Chinesen oft gleich mal herumschreit, und laut wird. Die Chinesen Frauen, haben ja größtenteils eine ziemlich anstrengende, blecherne Stimme, die wenn sie laut werden, kaum zu ertragen ist.

Nachdem wir die Stewardess gefragt hatten, ob Mama dann wieder durch die Passkontrolle zurückkommen könne, gingen wir wieder raus noch im Starbucks einen Abschiedskaffee trinken. Wir waren uns einig, dass die Woche in Peking eine schöne und trotz der vielen Latscherei eine erholsame Zeit gewesen war, und besonders Mama hatte es genossen, einmal nichts entscheiden, nichts ausverhandeln, an nichts denken zu müssen, und ich hatte es genossen, mein Mamilein an der Hand zu nehmen und ihr all das zu zeigen, was mich an Peking zu fasziniert hatte.

Und dann war auch schon die Zeit gekommen, dass Mama gehen musste. Wir verabschiedeten uns mit einer großen Umarmung und weg wars sie wieder, meine Mami.
Noch nicht ganz…
Ich setzte mich in den KFC, nahm mir ein Cola und packte meine Bücher zum lernen aus, da mein Flugzeug erst Abends um 7 ging, und ich noch 9 Stunden zu warten hatte…da kam ein SMS von Mama, dass sie es so schön gefunden hatte, und es leider viel zu kurz war… und dann eines, dass der Bursche am Schalter sie auf einen erste Klasse ähnlichen Platz gesetzt hatte… wie cool war denn das!!! und dann war sie wirklich weg… auf ihrem bequemen Platz auf in Richtung Heimat.

Ich lernte dann im KFC ein Mädel aus Hainan kennen mit der ich mich lange Zeit unterhielt, bis derjenige, auf den sie wartete, endlich angekommen war. Als sie gegangen war, setze ich mich nochmals für ein paar Stunden in den Starbucks und lerne meine Qingduvokablen, bis dann endlich auch mein Flieger kam.
Mit meinem Minikoffer musste ich mir auch keine Sorgen machen wegen Gewichtlimits und so weiter, und schickte Kingyan eine SMS er brauche mich nicht abholen, da ich sowieso nur ganz wenig Gepäck hätte.
Doch als ich dann in Dalian ankam, und aus dem Ankunftsgate kam, da stand er am Flughafen, und begrüßte mich mit einer großen Umarmung. Ich war wieder „zu Hause“
Und Kingyan ist wirklich ein Schatz, das muss mal gesagt werden.

Zu Hause wartete dann auch Ruks auf mich, und wir gingen alle 3 gemeinsam noch auf ein Bier in Buddy’s.
Das Leben ist einfach so wunderschön….

Konfuzius Tempel und Liuyin Park

Dienstag 6. Mai 2008

Heute wollte ich Mama den Konfuzius Tempel zeigen. Ich erzählte ihr noch, dass der in einer alten Hintergasse in einem typischen alten Viertel der chinesischen traditionellen Hutongs gelegen war, und dass ich es letzten auf den alten Lehmstraßen dort besonders interessant gefunden hatte, einfach herumzuspazieren und die Chinesen bei ihrem alltäglichen Leben zu beobachten. Doch auch hier hatte die vorbereitung auf die Olypmiade ihre Spuren hinterlassen. Eine breite geteerte Straße führte von der Hauptstraße weg in die neu gestrichenen und renovierten Hutongs und ich dachte noch, ja müssen wir denn jetzt in meine Lehmstraße irgendwo abbiegen, da war plötzlich der Konfuziustempel neben uns… Romantische Lehmstraße mit über die Straße hängenden Trauerweiden, und Chinesen mit ihren Chinesenhüten auf am Straßenrand sitzend… ade… hätte ich doch letzten Sommer ein Foto hier machen sollen, das wäre zu interessant gewesen, doch so müsst ihr euch das jetzt eben, meinen Erzählungen entsprechend selbst vorstellen.

Der Konfuziustempel aber, hatte durch die Renovierung wirklich dazugewonnen. Ich war zwar letzten Sommer nicht drinnen gewesen, doch das wirklich sehr interessante Museum über das Leben, Denken und Wirken Konfuzius, das sie in den Seitenhallen des Tempels errichtet hatten, roch noch nach neu, und das wäre wirklich schade, hätte man das nicht gesehen. Auf dem Hof übte eine Wächterin auf ihrer Flöte, irgendwie waren auch kaum anderer Touristen da, wohl hauptsächlich, weil der Tempel, bis vor kurzen noch in keinem der normalen Touristenführer zu finden war, und ich auch nur von letzten Sommer davon wusste. Die Sonne schien, es ging ein leichter sommerlicher Wind… mir war so wohl zu Mute… ich nahm Mama bei der Hand und wir schlenderten hinüber zum Liuyin Park der auch nicht in den Touristenbüchern steht, aber unglaublich schön und romantisch ist. Außer uns waren dort keine Ausländer, nur chinesische alte Omis und Opis, die hier an der frischen Luft ihre Beweglichkeitsübungen machten. Die chinesischen alten Leute, sind ja alle noch so beweglich und machen täglich in den Pärken der Stadt ihr Taiqiquan (wurde als Schattenboxen übersetzt, ist aber meiner Meinung kein Boxen, sondern eher eine meditative Bewegungsübung), schreiben mit großen Pinseln die fast schon wie Besen aussehen, Zeichen mit Wasser auf den Boden, warten bis sie von der Sonne getrocknet sind, und schreiben sie wieder. Auf der anderen Seite des Sees, saß ein Geiger, mit seiner chinesischen Fidel, und auf dem Weg begegneten wir ein paar Familien mit ihren oh so herzigen Kindern. Gerade waren die Gärtner dabei in die Beete ein Meer von Blumen zu planzen und wie letzten Sommer saßen auch diesmal ein paar Chinesen auf den Plasterwegen und reparierten die Wege, nur dass sie diesmal ihre Chinesenhüte vergessen hatten. War wohl noch nicht heiß genug und die Sonne zu wenig stechend, als dass man die mitgebracht hätte.

Bevor wir uns dann von diesem Pool der Stille und Harmonie wieder hinaus in den Großstadtrummel begaben, gingen wir noch auf die WCs der Parks… eine andere „interessante“ Erfahrung. Ohne Türen und nur durch ein niedriges Mäuerchen voneinander abgetrennt, waren das 3 Plumpsklos nebeneinander augereiht… Na eigentlich waren es ja nicht mal Plumsklos, sondern einfach „tiefe Schachtklos“ ohne Spülung und ohne Klappe, die einen ja sonst bei den Plumpsklos beim Geschäft machen zumindest noch von den Geschäften der anderen trennte *gg*.

Am Abend beschlossen wir dann zum Houhai zu fahren, und dort auf unseren letzten Abend gemeinsam in Peking anzustoßen. Vor dem großen Tor, das zum Houhaisee führte, war dort eine große Menge von Menschen am tanzen. Alte chinesische Männer, noch in ihren, vom Arbeitstag verdreckten, nicht mehr ganz so weißen Unterhemden, Frauen, in ihren Alttagsröcken, die aber hier im Halbdunklen, auf dem Platz neben der Straße so ernsthaft und graziös tanzten, als wären sie in einem Ballsaal. Dazwischen waren jungen Pärchen, die sich umschlungen im Rhythmus wiegten, andere junge Mädels, die mit ihren Opis tanzten… ein anderes Bild, das ich bestimmt nicht mehr vergessen werde, selbst wenn ich davon wegen der Dämmerung keine guten Fotos machen konnte. Ich nahm Mama dann wieder bei der Hand und wir gingen den See hinunter und suchten nach einem Plätzchen um uns hinzusetzen und was zu trinken. Unser Pina Colada schmeckte zwar wie Birnensaft, sah auch wie Birnensaft aus, und wurde sogar in einem Saftglas serviert, und das einzige Pina Colada- mäßige daran war wohl der Preis, doch das hielt uns nicht davon ab, oder war vielleicht gerade der Auslöser dafür, dass wir uns köstlich amüsierten und nichts als Blödsinn quatschten… Wer weiß, vielleicht war irgendwo in dem Birnengebräu ja doch ein Alkohol *gg*

Yiheyuan und Foodmarket

Montag 5. Mai 2008

Heute wollten wir gerade aus der Jugendherberge hinauslaufen, da trafen, wir per Zufall, Mourad, Xiaxi, Chris und ihrer Gruppe, die gerade eincheckten. Ich wurde gleich von allen mit einer großen Umarmung begrüßt und Xiaxi umarmte auch gleich meine Mama, Chris nutze die Gelegenheit während ich mit Mourad quatsche, Mama den Verlauf ihrer Tour in die Innere Mongolei zu schildern, und so standen wir alle bald in einer heiter quatschenden und lachenden Gruppe, von der wir uns nur ungern wieder verabschiedeten. Als wir meine überdrehte Gruppe dann doch verließen, stellten Mamilein und ich uns ein Frühstück mit KFC Kaffee (der hier in China neben dem Starbucks Kaffee wirklich einer der besten ist, aber um einiges preiswerter) und Gebäck vom französischen Bäcker in der Shoppingmall zusammen. Wir saßen also an einem der kleinen Tischchen vor dem Bäck und ließen es uns gut gehen. Wieder mal richtiges Brot, so authentisch es in China eben sein konnte… Mein Magen machte Freudensprünge.

Anschließend nahmen wir das Taxi zum Sommerpalast hinaus.
Ich war zwar letzten Sommer schon dort und im Winter nochmals, aber es ist einfach einer der schönsten Paläste, die ich je gesehen hatte, und gefällt mir um einiges besser als die Verbotene Stadt. Da musste ich Mama einfach hinführen. Während ich sonst immer nur ein Ticket für den Park genommen hatte, mit dem man zwar um den Palast herum spazieren konnte aber nirgends hineingehen, nahmen wir uns diesmal ein Ticket mit dem man überall hineingehen konnte. Am meisten faszinierte mich der Palast der Kaiserin, wo auch Dinge aus dem alltäglichen Leben der Kaiserin Cixi ausgestellt waren. Schminkutensilien, Duschutensilien, wunderschöne Vasen, ihre Kutsche, das erste Auto das nach China importiert wurde , die Tragesessel, mit denen die Kaiserin spazieren getragen wurde…Im Innenhof gab es ein offenes Theater, in dem das chinesische Glockenspiel aufgehängt war, und gerade eine Gruppe Hofmusiker dabei war Musik zu machen. Mit der chinesischen Geige, die man auf den Fuß stellt, und dann so streicht ähnlich wie ein Cello, dieser ulkigen Flöte mit einem Mundstück an dem eine Menger kleiner Flöten in den unterschiedlichsten Längen hing, dem Glockenspiel natürlich, das aus wirklichen Glocken bestand, und einem gitarrenähnlichen Instrument, das die ganze Gruppe anführte. Anschließend kamen Tänzerinnen, die einen Tanz aufführten, dann zwei Figuren aus der Peking Oper, die aber nicht sangen, sondern ein Pantomimenspiel aufführten, bei dem sich Ying und Yang bekämpften und keiner den anderen sah, nur dessen Einfluss spürte. Die Musik die auf der Seite den Ton angaben, zerkugelten sich fast vor Lachen, und so tat ich es… Wirklich „zum schüssa“ um schon wieder diesen Vorarlberger Ausdruck zu verwenden…

Dann gingen wir weiter, besuchten eine Gallery, die in den Sälen des Sommerpalasts, Handwerkskunst aus allen Epochen der chin. Geschichte ausstellte, spazierten dann dem Kunmingsee entlang zum Buddhist Tempel of Incense, erklommen die unzähligen Stufen hinauf zum Tower of Incense, von wo man einen netten Ausblick auf den See und das moderne Peking dahinter hatte.

Dort trafen wir auch – welch ein Zufall- die zwei Südtiroler von gestern wieder, die aber in die Richtung wollten, aus der wir gerade gekommen waren. Wir setzten dann unseren Weg weiter dem See entlang, vorbei beim Marmorboot fort, und umrundeten so den ganzen Park des Sommerpalasts, warfen einen kurzen Blick in die Suzhou Street und machten uns dann auf die Suche nach dem Garden of Harmonious Interest. Hier hatte es mir letzten Sommer besonders gut gefallen, mit all dem Lotos, der in dem kleinen künstlich angelegten See wuchsen. Umrundet von einem chinesischen Wandelgang und unzähligen kleinen Hallen und Tempeln,, war dies wirklich ein Platz um sich hinzusetzten und den Tag zu genießen. Leider war es für den Lotos noch zu früh und man konnte nur vereinzelt schon ein paar Blätter sehen. Doch auch so, hatte der Garten, mit seinen alten Trauerweiden, die über das Wasser hängen, seinen Reiz.

Auf dem Weg zurück vom Yiheyuan gerieten wir dann an einen schlitzohrigen Taxifahrer, der wohl glaubte, dass mit uns Touris leicht Geschäfte zu machen ist. Er wollte mit uns auf der 4 Ringstraße mit der Kirche ums Dorf fahren, was schlussendlich wohl auf 180 Yuan gekommen wäre… mehr als 3-.fach der Preis den wir gekommen waren. Also so wild wie er tat, konnte der Stau im Stadtzentrum gar nicht sein, als dass sich das rentieren würde die 4. Umfahrungsstraße zu nehmen. Ich fing also an, mit dem Taxler auf Chinesisch zu streiten, und beschwor ihn den kürzesten Weg zu fahren, und nicht die Ringstraße zu nehmen. Damit hatte er wohl nicht gerechnet, dass die Blondine da auf dem Rücksitz ihm plötzlich auf Chinesisch sagen wollte, wo er zu fahren hätte. Als er seinen tollen Plan vom vielen Geld den Bach hinuntergehen sah, hielt er plötzlich mitten auf einer Kreuzung an, und sagte wir sollen ihm die 10 Yuan für den Startpreis geben und aussteigen. Wir waren noch nicht mal viel mehr als 2 Kilometer gekommen und ich wollte ihm die 10Yuan bestimmt nicht geben. Nach dazu weil er uns ja irgendwo, wo es bestimmt nicht mehr so einfach war, andere Taxler zu finden aussteigen lies, und so tat als wäre alles meine Schuld, obwohl ich ihm schon bevor wir ins Taxi einstiegen, gesagt hatte, dass ich zur Wangfujing wollte und er das Taxameter zu verwenden habe. Ich schimpfte also auf Chinesisch weiter, was er für ein Betrüger sei, bis er uns schließlich so gehen ließ.. Glücklicherweise kam dann doch ein anderer Taxler vorbei, der uns für ungefähr den gleichen Preis wie wir gekommen sind, und auf dem kürzesten Weg zurück zur Jugendherberge brachte.
Und vom Stau, von dem der andere geredet hatte, haben wir übrigens auch nichts gesehen…

Am Abend gingen wir dann auf den Food-Market in deiner Querstraße der Wangfujing essen. Lauter kleine Stände in hinter denen die Chinesen mit lauter Stimme und wildem Fuchteln ihre Baozi, Jiaozi, Fische und Fleisch zum Grillen, Früchte und Mais und das alles auf Sticks anboten. Aussehen tat das Ganze ja nicht schlecht, aber offenbar waren hier schon wieder zu viele Touris vorbeigekommen, und die Qualität und der Geschmack der Sachen, den Bach hinunter gegangen. In der etwas schäbigen Backstreet unserer Uni, wo die Stände keineswegs so schick waren, als diese hier, extra für die Touris aufgestellten, konnte man das wesentlich bessere Essen bekommen. Nicht nur dass es hier viel teurer war, auch geschmacklich war das meiste nicht mit Dalian zu vergleichen.

Mit einem großen gedünsteten Maiskolben füllten wir aber dann doch unseren Bauch und machten uns nach einem weiteren langen Tag auf den Weg zurück in die Jugendherberge

Die lange Mauer… in ihrer ursprünglichen Form

Sonntag 4. Mai 2008

Heute wanderten wir mit einer von unserer Jugendherberge organisierten Tour 10 Kilometer und etwas mehr als 4 Stunden auf der langen Mauer.

Morgens mussten wir alle um 6:20 in der Eingangshalle erscheinen wo schon 2 Guide auf uns warteten. Schon da war mir aufgefallen, wie einer der deutschen, recht arrogant mit dem Guide herumschimpfte, über was, das verstand nicht mal ich, und der Chinese noch viel weniger. Als dann alle da waren, gingen wir auf den Parkplatz hinaus, wo sich die Gruppe teilte, Der Deutsche und seine Freunde hatten ja ein Privatauto gemietet, wie er stolz verkündete…. weniger stolz sah er dann allerdings drein, als sein „Privatauto“ ein alter, klappriger Kleinbus war, und der Bus mit dem der Rest der Gruppe fuhr ein großer klimatisierter, moderner Reisebus… Tja, manchmal sollte man sein Mundwerk halt nicht so weit aufreißen… du… Großnase (so sagen die Chinesen zu den Westlern)

Der Bus brachte uns dann zu dem über 3 Stunden von Peking entfernten Teil der langen Mauer in Jinshanling, der noch nicht wie die anderen sehr touristischen Teile total renoviert und neu angemalt worden war. Die Luft dort draußen, war nach dem gestrigen Regen köstlich, und rund um war nichts als Natur, weite, grüne Hügellandschaft und fast schon blauer Himmel… ein Traum um zu Wandern. Es ging Stufen auf, und Stufen ab, hinüber über nicht mehr existierende Stufen, über Geröllhaufen, und manchmal sogar kurze Strecken neben der Mauer an den Wachtürmen vorbei, da diese wohl keiner Sicherheitsnorm mehr entsprachen. Abgesehen von einer Gruppe sportlicher Italiener, die wie die Gazellen über die Aufs und Abs der langen Mauer sprangen, keuchten alle über die nie enden wollenden Stufen. Heute war die Luft auch so klar, dass man die Mauer sich meilenweit über die Hügellandschaft winden sehen konnte. Unser Ziel war Simatai, ein anderer Abschnitt der großen Mauer (würde korrekt aus dem chinesischen übersetzt ja eigentlich lange Mauer heißen) wo uns unser Guide wieder abholte. Während der Wanderung auf der langen Mauer, war ja jeder seinem eigenen Tempo entsprechend gelaufen, und man hatte auch gar nicht das Gefühl in einer Touristengruppe gekommen zu sein. Wenn man hin und wieder auf den einen oder anderen stieß, dann freute man sich nur, dass die anderen auch am schwitzen waren, und man noch nicht die letzte war. In Simatai konnte man sich dann mit einer wahrscheinlich ehemaligen Materialseilbahn abseilen. Man bekam einen Gurt wie man ihn überlicherweise beim Klettern trägt und wurde damit an dem Karabiner der Seilbahn befestigt. Ich fand das sah sehr nach Spaß aus und wollte es unbedingt wagen. Ich stellte mich also mit 2 Südtirolern als letzte der Gruppe bei der Seilbahn an. Währenddessen lief Mama, die lieber ihren Füßen als der chinesischen Seilbahn vertraute, das kurze Stück bis zum Anlegeplatz des Bootes, wo die abtransportierten wieder ankamen. Ich tauschte mit den Südtirolern Kamera und fotographierte sie, wie sie von Anfangspunkt zu zweit am Haken in den See hinuntersprangen. Da die Seilbahn auf die andere Seite eines Sees ging, hatte man wirklich das Gefühl, man würde von immenser Höhe hinab ins Wasser springen,… bis man dann den Sicherheitsgurt sich anziehen spürte und beruhigt war, dass die Chinesen am Anfangspunkt, doch gewusst hatte ,was sie tut. Von unten fotografierten die Südtiroler dann hinauf zu mir, wie ich noch mit wehenden Haaren die Seilbahn hinunterdüste. Unten angekommen wurden dann alle in einem kleinen Boot gesammelt, das uns weiter unten am See wieder auf die andere Seite des Ufers brachte, wo ich dann auch Mama wieder fand.

Das anschließende Essen, war nicht besonders köstlich, aber nach dem Hatsch, konnte man uns glaub alles vorsetzen, das noch halbwegs genießbar war, und wir würden es mit Freude reinschaufeln.

Nach dem Essen wurden alle wieder eingesammelt und zurück gings nach Peking, wo die Mauerwanderer wieder in den verschiedenen Jugenherbergen der Stadt ausgeladen wurden.

Was das Interessante daran war, das der Guide nur einen „Fresszettel“ hatte, auf dem irgendwie von Hand notiert war, wer wohin musste. Auch als wir die Reise gebucht hatten, wurde das auch schon nur auf einem Fresszettel notiert. Wirklich erstaunlich, wie das trotzdem alles einwandfrei klappt, obwohl daran nicht nur eine einzige Jugendherberge beteiligt war…. Ein Beweis, dass es irgendwie auch ohne Computer und Internet gehen kann. Aber wahrscheinlich glühen dafür in China die Telefondrähte um einiges heißer. Geht eine Reservierung ein, ruft das Mädel aus unserer Jugendherberge irgendwo bei der Zentrale an um das zu melden, will man zum Beispiel ein Flugticket buchen im Reisebüro, werden die Preise meist nicht über das Internet ermittelt, sondern die Reisebürodame ruft bei irgendeiner Zentrale an, bei der, so stell ich mir das zumindest vor, unzählige Telefonistinnen sitzen müssen, und fragt nach den besten Preisen,…

Will man in China jegliche Information schnell und zuverlässig bekommen, greift man zum Telefon und ruft irgendwen an... Und alle reden dann miteinander, als würden sie sich schon Ewigkeiten kennen…. wirklich faszinierend, dieses System.

Die verbotene Stadt und Akrobatikshow

Samstag 3. Mai 2008

Nachdem es heute in der Früh regnete als hätte der Himmel alle Pforten geöffnet, machten wir es uns in der Cafe der Jugendherberge zu einem langen, ausgedehnten Frühstück gemütlich, und warteten bis der Regen zumindest annähernd vorüber war. Zum Frühstück gab es Eier, Müesli und Toast, mit Butter und Darbo Marmelade (aus Österreich). Bei diesem Anblick lies mir nicht nur das Wasser im Mund zusammenlaufen, sondern auch mein Österreicherherz höher schlagen… Marmelade aus der Heimat, das hatte ich hier ja noch nie gesehen…

Nach dem ausladenden Frühstück schlenderten wir die Wangfujing hinunter und dann hinüber zur Verbotenen Stadt. Schon auf dem Weg dorthin fiel mir auf, wie viel sich hier in Peking seit letztem Sommer verändert hat, wie viel renoviert, neu gebaut und verändert wurde. Der hübsche Park der durch eine große Mauer abgetrennt von der Hauptstraße vom Peking Hotel zur Verbotenen Stadt führte, war, soweit ich mich erinnern kann, letzten Sommer noch nicht da gewesen. Auch in der Verbotenen Stadt waren große Teile neugemalt und restauriert worden. Wir schlenderten durch die scheinbar nie enden wollenden Gasse der Verbotenen Stadt, in deren Labyrinth wir des öfteren fast die Orientierung verloren, kämpften gegen den Wind, der nachdem der Regen aufgehört hatte noch immer mit aller Kraft blies, und fanden zur rechten Zeit sogar wieder zum Ausgang, sodass wir nachdem wir uns auf dem Weg noch KFC Tortillarollen mitgenommen hatten, rechtzeitig in der Jugendherberge erschienen um noch den Bus zur Akrobatikshow zu erwischen. Auf dem kurzen Zwischenstop in unserem Zimmer mampfte Mama mit Genuss das KFC Food, ein Anblick, den man sonst nur selten bekam. Diese Mama, ja nun ja auch schon Oma, verblüfft einem doch immer wieder *gg*

Die Akrobatikshow war dann wirklich der Highlight des Tages. Abwechselnd lieferten eine Gruppe Burschen und eine Gruppe Mädels eine atemberaubende Akrobatikshow. Die Burschen sprangen durch Ringe, machten Salots, jonglierten mit Hüten, rannten Stangen auf und ab und sprangen von einer zur anderen, und die Mädels führten Tänze auf, verdrehten sich, so dass man sich fragte ob die Knochen eigentlich aus Gummi wären, schwebten an einem Band auf und ab, fuhren Hochrad und warfen sich dabei Teller gegenseitig zu, die sie mit dem Tellerstapel auf dem Kopf auffingen, und liesen Teller auf Stecken schweben, die sie bis fast zur Waagrechte hinunterbeugen konnten… Eine Aufführung der Sonderklasse. Mama und ich saßen da, und stauten, wie es sonst nur die Kinder können. Besonders die Burschen hatten es mir angetan, die nicht nur die coolsten Sachen aufführten, aber dabei noch immer ein verschmitztes Lächeln im Gesicht hatte, so ein richtiges Casanovalächeln, obwohl der Großteil von denen bestimmt nicht über 18 Jahre alt war. Auch das Kanadische Ehepaar neben uns, die von Wuhan wo sie Englisch unterrichten nach Peking auf Urlaub gekommen waren, waren so begeistert wie wir. Wir alle konnten gar nicht mehr aufhören zu sagen, wie wunderbar wir die Show fanden.