Montag, 18. Februar 2008

Back in Dalian

Freitag 18. Februar 2008

Zurück in Dalian traf mich über den Zustand, in dem meine Zimmerkollegin unser Zimmer hinterlassen hatte, fast der Schlag. Ich verwendete einen Tag darauf, unser Bad zu putzen und die Sachen wegzuräumen, die sie wahllos über meinem Schreibtisch und meinem Bett verteilt hatte. Dann verwendete ich einen weiteren Tag dafür die Wäschekarte zu suchen, die sie, wie sie mir dann im Nachhinein als sie heimkam sagte, verwendet und verloren hat. Doch nachdem das alles erledigt war, und mein Zimmer wieder sauber und wohnlich war, begann ich mich wieder so richtig wohl zu fühlen in Dalian. Während ich zuerst dachte, dass es hier ohne Kingyan bestimmt äußert langweilig werden würde, hatte ich die letzten 10 Tage in Dalian eine richtig gute Zeit. Anna, Nicole, Seraina und meine Eltern riefen mich an, ich quatschte mit alten Freunden im ICQ und vor allem aber, unternahm fast jeden Tag etwas mit Tina, Leo, Julian, Mourad und Ruks seit sie wieder da ist. Wir gehen gemeinsam shoppen, Kaffee trinken, essen, Rollerskaten, schauen bei Leo Filme an, oder gehen ins Kino

Am 8. Februar gab es auf dem Sternenmeerplatz in der Stadt ein riesiges Feuerwerk zum neuen Jahr. Es dauerte über 20 Minuten und hatte so viele verschiedene Formen von Raketen zu bieten, dass wir alle trotz der schlimmen Kälte, die mich hier wieder erwartete, ganz fasziniert dastanden und zusahen. Hier lernte ich dann auch Tina besser kennen, eine total liebe Deutsche, die ich zwar vorher schon vom Sehen kannte, aber nie besonders viel mit ihr geredet hatte. Doch in den letzten Tagen entwickelte sie sich zu einer ganz lieben Freundin. Auch Julian, mit dem ich zwar zuvor schon einiges gemacht hatte, aber ihn nicht als einen meiner wirklich guten Freunde hier bezeichnet hätte, stellte sich in letzter Zeit als total netter Kerl heraus, mit dem ich öfters auf einen Kaffee oder ein Bier ausging und mit dem ich sehr interessante Gespräche führen konnte. Am 14. Februar feierten wir dann seinen Geburtstag und nachdem die meisten nach dem Abendessen oder spätestens der ersten Bar nach Hause gingen um mit ihrem Schatzi zu feiern, ihren Schatzi anzurufen, oder überhaupt erst gar nicht kamen weil sie ein Valentins-Date hatten, blieben dann um 12 nur mehr Julian, sein chin. Freund, Leo, Johann und ich übrig. Und so zogen wir gemeinsam durch die Stadt, ich saß im Taxi, wo es ja eigentlich nur 4 Plätze gab, auf den Fahrten von einem Ort zum nächsten auf Julians oder Leos Schoss und Leo und ich stießen dann in der Sunny Disco auf „unseren“ Valentinstag an. Julians chin. Freund kaufte uns ständig Bier nach, das wir nach chin. Manier exten. Naja, ich nicht ganz. Ich bekam einen kleinen Frauenvorteil und durfte mit dem halben Bier exen *Gg* Gott sei Dank ist das chin. Bier nicht so stark wie unser österreichisches, sonst wär das sicher böse ausgegangen, aber so hatten wir es einfach nur sehr lustig. Zwar nicht ein typischer Valentinstag aber ein 非常有意思的情人节.

Wenn ich nicht gerade unterwegs war, saß ich oft zu Hause oder mit meinem Compi in einem Cafe und schrieb an meinem Blog. An dieser Stelle ein großes „SORRY“ für die Fehler die sich in der Geschwindigkeit, in der ich meine Reiseimpressionen in den letzten Tagen niedergeschrieben habe, leider immer wieder eingeschlichen haben. Ich werde das, wenn ich Zeit dafür habe, korrigieren.

Doch für heute hab ich genug von diesem Blog und werde mich stattdessen lieber mit Ruks einen gemütlichen Filmabend machen und dann früh ins Bett gehen um mein Kopfweh auszukurieren.

Auf bald :-) Eure Sunflower

10 Tage Hongkong

Di 29. Jänner – Do. 7. Februar 2008

Zu Hause bei Esther

Hongkong war eine tolle Zeit, und irgendwie fast ein bisschen wie nach Hause kommen. Kingyans Mama, die ich gleich schon Esther nennen durfte, kümmerte sich so rührend um mich, und lud mich ein, auch nach dem 2. Februar, an dem Kingyans Freundin kommen sollte, noch bei ihnen wohnen zu bleiben.
Eigentlich war es ja zuerst geplant gewesen, dass ich zu dieser Zeit zu Rukmanis indischem Freund ziehen kann, aber nachdem sich Ruks einfach nicht mehr meldete, und wie vom Erdboden verschluckt war, begann ich dann nach Jugendherbergen zu suchen, konnte aber bei den europäischen Preisen die in Hongkong herrschen, nichts komfortables und von Preis her annehmbares finden, das nicht schon über die ganzen chinesischen Feiertage ausgebucht war.

Wir frühstückten immer wie eine große Familie, es gab feines Brot und Butter, Kaffee, Obst, Milch und Joghurt. Besser hätte es mir gar nicht gehen können.

Kulinarisch war Hongkong für mich sowieso ein Traum. Ich probierte zwar viel Neues. Ich aß traditionelles kantonesisches Frühstück, von dem mir Kingyan schon in Dalian immer vorgeschwärmt hatte; alle möglichen traditionellen Gerichte, die auf kleinen Servierwägelchen von den Kellnern durch den großen Frühstücksaal geschoben wurden, und wo man mit Handzeichen winken konnte, dass man das haben wollte, ich aß chinesischen Hotpot, andere kantonesische Gerichte, die Esther für uns zubereitete, und als wir einmal von Kingyans Onkel zum Japanischessen eingeladen wurden, probierte ich sogar rohen Fisch, Hühnerfleisch, das man in rohes Ei tunkte, und sonst noch allerlei neue Dinge.
Aber irgendwie hatte Esther herausgefunden, dass ich das europäische Essen doch sehr vermisste, und begann, ohne dass man sie davon abbringen konnte, jeden Tag etwas Chinesisches zu kochen, und eine separate Portion Spagetti, Champignonrahmschnitzel, Hühnchen in Rahmsoße, Tortillini oder andere europäische Köstlichkeiten für mich. Sie wollte, dass ich mich hier zu Hause fühle, und dafür war ihr kein Aufwand zu groß.
Kingyan und ich bedanken uns damit, dass wir das Geschirr wuschen, Boden putzten, das Staubsaugen übernahmen und auch sonst halfen wo wir konnten.

Hongkong, Discovery Bay

Wenn es uns zu weit war mit der Fähre oder der Metro nach Hongkong Island zu fahren, dann gingen Kingyan und ich, und gelegentlich auch seine Mama mit uns in DB spazieren. Der kleine Resort hatte, alles was man brauchte. Auf dem Zentrumsplatz, gab es einen Supermarkt, Drogerie, Elektrogeschäft, Papiergeschäft, Kiosk, Blumenladen, eine eigene Post und Bank…. einfach alles was man sich vorstellen konnte.

Die Menschen hier schienen fast ausschließlich aus Europa zu kommen, und wenn man durchs Zentrum lief, oder sich beim Bankomat anstellte, kam es nicht selten vor, dass man vor sich Franzosen hatte, hinter sich Briten, auf dem Platz traf man dann vielleicht einen Deutschen und im Supermarkt an der Kasse hörten wir sogar mal Schweizer.

In der Bucht war ein großer, sauberer Sandstrand, mit einem kleinen Kinderspielplatz in der Ecke und überall wo man hinschaute, sah man Kinder spielen und sich auf Englisch unterhalten. Auch die Bediensteten in den Geschäften redeten alle Englisch, und begrüßten einen mit „Good Morning Madam“. Es war irgendwie, wie ein Flecken England verpflanzt an einen Strand mit Palmen und einem verzaubernden südlichen Flair.

Hongkong, City of Skyscrapers

Mit der Discovery Bay Ferry hinüber zu Central gelangte man direkt ins Herzen Hongkongs. Eine pulsierende Stadt, in der ein Skyscraper neben dem anderen steht und man von einem dieser Tower über Übergänge und Tunnels zum nächsten gehen konnte. Manchmal gab es eine Rolltreppe, oder vielleicht besser beschrieben, als eine Art Förderband, auf das man sich stellen konnte und 2 Etagen über dem Boden durch die Altstadt in Soho fahren konnte. Hongkong schien nicht nur eine Ebene zu haben, sondern man konnte, durch weite Teile der Stadt, von einem Shopping Center zum nächsten gehen, ohne einmal den tatsächlichen Boden berühren zu müssen. Die Gebäude waren so hoch, dass man fast Genickstarre bekam, wenn man hinaufschaute, und der obere Teil des Turm nicht selten schon im Nebel verschwand. Besonders tagsüber, waren alle sehr businessmäßig gekleidet, und Anzug und Kravatte schienen ein Muss zu sein. Kingyan und ich in unseren Sportjacken, fühlte uns zum ersten Mal, seit wir in China sind, nicht over- , sondern um einiges underdressed.

Doch neben diesem hypermodernen Hongkong gab es auch Ecken, da glaubte man in England zu sein. Auf dem Weg Richtung Hongkong Park, entdeckten Kingy und ich zwischen den Hochhäusern, versteckt hinter einer Menge Bäume eine alte Englische Kirche. Auch der Hongkong Park, den die Engländer, kurz bevor sie Hongkong verlassen mussten, auf dem Gelände der ehemaligen englischen Kasernen errichtetet hatten, war sehr an die Gestaltung der Londoner Parks angelehnt. Neben einem riesigen Vogelhaus in das man die Vegetation aus einem Dschungel irgendwo in Südamerika verpflanzt hatte, und in dem man über 100 Vogelarten „freilebend“ bewundern konnte, faszinierte mich dort besonders ein Heldendenkmal. Aber keines für irgendwelche Gefallenen im Krieg, sondern für die Ärzte und Krankenschwestern, die im Kampf gegen die SARS, die Hongkong bedrohte, gestorben waren.

Kulinarisches Hongkong

Neben all den feinen Sachen, die ich bei Kingyans Mama bekam, konnte man in Hongkong einfach alles was der Magen begehrte kaufen. Von Schokocroissants mit Swissschokolade, über Apfeltaschen, hin zu Nussbrot und dicken Leiben andern Weißbrots. Von Vollmilch, über Butter, Käse, Camembert bis hin zu Spagettisoßen, Tomatenmark, und allen möglichen Gewürzen konnte man hier einfach alles bekommen. Kingyan und ich kamen uns vor, wie im Schlaraffenland.

Hongkong, City of Books

Neben dem kulinarichen Verwöhnkurs für unseren Magen, gab es hier auch reichlich Kost für unseren in letzter Zeit etwas unterernährten Geist. Während man in Dalian fast keine englischen Zeitungen bekam, konnte man hier von Girlie-Zeitschriften, über den National Geographic, hin zu Kulturmagazinen oder dem Economist einfach alles bekommen. Wie ein Schwamm sog unser Gehirn alles auf was es zu lesen bekam, und das Vakuum zu füllen. Während mir zu Hause nicht eingefallen wäre, den Economist als Bettlektüre herzunehmen, konnte ich hier gar nicht genug davon bekommen.

Wenn wir nicht gerade mit einer Zeitung in einem der Cafes saßen und bei Kaffee und Kuchen unser Weltwissen wieder auf den aktuellsten Stand brachten, dann schmökerten Kingyan und ich oft in den Bücherläden der Stadt. Es gab Wörterbücher mit Pinyin und englischen Erklärungen, gute auf Englisch geschriebene Grammatikbücher, und sonstige Chinesischlernhilfen in englischer Sprache. Als wir dann den größten Buchladen der Stadt, das Page One am Times Square fanden, schien die Zeit an uns vorbeizurasen, oder wir in einer anderen Welt zu verschwinden, …bis man uns schließlich gegen 23:00 den Ladenschluss durchsagte.

Hongkong, City of European culture and life style

Hongkong ist ganz anders als jede andere chinesische Stadt die ich bisher gesehen habe. Die Straßen und Gebäude sind sauberer, die Menschen höflicher und freundlicher, der Service prompter und verlässlicher. Hier ist es verboten in öffentlichen Plätzen zu rauchen, die Menschen werfen ihren Müll in den nächsten Müllkübel statt einfach auf die Straße, benutzen Taschentücher um sich zu schnäuzen, anstatt einfach auf die Straße zu rotzen, halten sich die Hand vor wenn sie gähnen, warten geduldig in der Schlange, ohne sich zu vorzudrängen Niemand fuchtelt mit Händen und Füßen und schreit wie ein Wilder, niemand schaut einen komisch an, und niemand würde mich als Ausländerin bezeichnen. Die Bediensteten in den Geschäften sind ausnahmslos zuvorkommend und freundlich, sprechen alle englisch, und zwar noch lieber als Standartchinesisch und sind bemüht einem zu helfen, wann immer sie können. Als wir im Page One ein Buch bestellten, waren wir noch nicht einmal aus dem Laden hinausgelaufen, da rief uns schon der Verkäufer auf dem Handy an, dass er soeben mit dem Zulieferer gesprochen hätte, und das Buch nächsten Mittwoch da sei. Wir waren beide ganz verwundert, denn als wir damals in Dalian ein Buch bestellten, meinten die Verkäufer jeden Tag wir sollten am nächsten wieder kommen und schlussendlich, nach einer Woche sagte sie uns dann, dass es das Buch gar nicht gibt. Die Preise sind größtenteils angeschrieben, wenn auch fast gleich hoch als in Europa, und man bezahlt, außer auf den Märkten, die gleichen Preise ob man nun Ausländer ist, oder aus dem Inland.

Bei der U-Bahn lassen die Menschen zuerst die Leute in der U-.Bahn aussteigen, anstatt sich gleich hineinzudrängeln. Kurz gesagt, in den etwa 100 Jahren in den die Engländer hier waren, haben sie wohl den Chinesen hier ein Stück europäische Kultur und Manieren beigebracht, die die Hongkonger jetzt mit Stolz fortführen, genauso wie ihre Sprache, die sich vom Chinesisch des Festlandes in dieser Zeit unabhängig zum Kantonesischen entwickelt hat, und ihre Zeichen, die nicht durch die kommunistische Reform vereinfacht worden waren. Bevor sie mit dir Standartchinesisch sprechen, werden sie lieber Englisch sprechen, und das mit einem authentischen britischen Akzent. Doch ebenso feiern sie das chinesische Neujahr mit den Chinesen, haben die chinesischen Höflichkeitsformeln wahrscheinlich genauso im Blut wie die europäischen, und sind so irgendwie ein Verbindungsstück, zwischen China und dem Westen.

Hongkong mit Pha

Am 2. Jänner kam Kingyans Freundin zu uns nach Hongkong. Wir hatten schon alle Vorbereitungen getroffen, mein Zeug in das Dachbodenzimmer verfrachtet und für Kingyan und seine Freundin das Gästezimmer hergerichtet, Blumen gekauft und Essen zubereitet. Während Kingyan zum Flughafen fuhr um sie abzuholen, erledigten Esther und ich noch die letzten Details, und dann war sie da. Zwar anders als ich sie mir vorgestellt hatte, aber total lieb. Während ich zuerst noch etwas Angst hatte was sie wohl sagen würde, dass ich die ganze Zeit mit ihrem Freund herumhänge, dann einen Monat mit ihm reise, und schlussendlich auch noch im Haus seiner Mama wohne, stellten sich diese Sorgen als unnötig heraus. Sie sah wohl, dass Kingyan und ich zwar die besten Freunde waren, aber auch nichts mehr und wir kamen sofort wunderbar miteinander aus.
Wir gingen alle drei gemeinsam shoppen, essen, Kaffee trinken, spazieren und selbst wenn ich sagte, ich würde nicht mitkommen, zog sie mich immer ganz lieb am Arm mit.
Ich hatte das Gefühl, auch wenn Kingyan nichts sagte, war er froh, dass seine beiden Mädels so gut miteinander auskamen.

Flower Market zum chinesischen Neujahr

Am 6. Februar, dem letzten Tag im chinesischen alten Jahr, gingen wir auf den, jedes Jahr extra nur für dieses Fest aufgebauten Blumenmarkt. Es wimmelte von tausenden Menschen, die in letzter Minute, um die billigsten Preise zu erhaschen, noch glückbringenden Blumenschmuck für ihr Hause kaufen wollten. Wir selbst waren gekommen um für Kingyans Mama ein Geschenk zu kaufen. Wir drängelten uns mit den Menschen durch die Blumenstände. Kingyan übernahm das nach den Preisen fragen für uns, da er die Menschen auf Kantonesisch fragen konnte, und damit Inländervorteil genoss. Nach längerem Hin und Her entschied ich mich schließlich eine Orchidee zu kaufen und einen dazupassenden Blumentopf. Kingyan und Pha schleppten einen großen Manderinenbusch nach Hause, der übersäht war, mit den orangen, kleinen Kugeln. Da Juzi, das Wort für Manderine, im Chinesischen ähnlich klingt wie ein Begriff für Glück, schenkt man sich diese Manderinenbüsche an Neujahr. Da waren unsere kleinen Glückschweinchen ja um einiges praktischer *gg*

Kingyan schleppte den Busch, Pha den Untertopf, ich meine Orchidee, und so zogen wir in dem langen „Pilgerzug von Blumen“ wieder zurück zur Metrostation. Zu Hause angekommen topften wir dann alles so ein wie wir es haben wollten und hatten gerade noch genug Zeit, den Blumenschmuck in der Wohnung aufzustellen, bevor Kingyans Mama heimkam.

Party in Hongkong

An meinem letzten Abend in Hongkong trafen wir uns dann zum ersten Mal seit wir gekommen waren wieder mit Ruks. Nach einem feinen Abendessen machten Kingyan, Pha und ich uns auf den Weg Richtung Central, wo wir uns mit Ruks und Rohed zum Ausgehen treffen wollten. Ich hatte in meinem Rucksack noch immer kein Ausgehgewand, denn komischerweise hatte ich in Hongkong neben den ganzen Büchern nur einen Pullover gekauft, und so lieh mir Pha einen von ihren. Mit dem Pulli im gleichen Schnitt, nur dass ihrer weiß war, und meiner schwarz, gingen wir Hand in Hand hinter Kingyan her, der am Telefon versuchte, mit Rohed den genauen Treffpunkt auszumachen. Der Abend mit Ruks, Rohed und seinen Freunden wurden dann total lustig, und ich hatte eine Menge Spaß. Ruks war zwar viel zu betrunken, doch das hielt uns nicht davon ab gemeinsam auf der Tanzfläche herumzuwirbeln. Rohed, der hier in Hongkong lebt, war für diese Nacht unser Guide durchs Nightlife von Hongkong. Nachdem wir in eine Bar, die erst am 25 war, wegen meinem… und auch Rukis zu jungem Gesicht nicht hinein durften, gingen wir dann ins Ghekko, wo sie total coole Musik spielten, zu der ich dann fast den ganzen Abend, abwechselnd mit Ruks, Rohed, Pee und Pha tanzte. Kingyan gesellte sich dann irgendwann, als er schon ein paar Drinks hatte auch zu uns auf die Tanzfläche, und wir tanzen in der großen Runde, bis außer uns fast niemand mehr in der Bar war. Spät in der Nacht, nahmen wir dann die Fähre wieder zurück nach DB und ich legte mich ein letztes Mal in Hongkong zum schlafen.

Abschied von Hongkong

Am 7. Februar, dem chinesischen Neujahr, war es dann für mich so weit zu gehen. Nachdem sich Esther und meine Eltern zu große Sorgen machten, mich über Guangzhou fliegen zu lassen, wo vor ein paar Tagen ein Mädchen, von den noch immer dort auf ihre Heimfahrt wartenden Menschenmassen zu Tode getrampelt wurde.

Alle Möglichkeiten von Hongkong zum Flughafen in Guangzhou zu kommen, von wo ich mein Ticket zurück nach Dalian gebucht hatte, schienen viel zu riskant und gefährlich zu sein, und so buchte ich schließlich einen neuen Flug, direkt von Hongkong nach Dalian. Als ich in der Früh aufstand und in die Küche hinunter lief, sah ich, dass Kingyan und Pha schon im Supermarkt einkaufen waren, und gerade fleißig dabei waren, alle Zutaten für ein thailändisches Gericht herzurichten, das Pha für mich zum Abschied kochen wollte. Während ich den Rest meines Rucksacks packte, und noch einmal zum Central Plaza von DB ging um eine Dankeschön-Karte für Esther und Uncle Peter zu kaufen, bereiteten Pha und Kingyan für mich ein Abschiedsessen der Extraklasse zu. Ich hatte noch nie zuvor thailändisch gegessen, und hatte keine Ahnung wie das schmecken würde. Exotisch, cremig, scharf, und unglaublich lecker. Ich ernannte ihr Gericht gleich zu einem meiner Lieblingsgerichte.

Nach dem Essen mussten wir dann in aller Eile aufbrechen. Kingyans Mama und ihr Freund steckten mir noch ein Geldsäckchen zu, das man am chin. Neujahr traditionellerweise mit „lucky money“ verteilte und luden mich mit einer großen Umarmung ein wieder zu kommen, und meine Eltern einzuladen, auch Gast in ihrem Haus zu sein. Ich bedankte mich unzählige Male für ihre Gastfreundschaft und das Gefühl des zu Hause sein, das sie mir gegeben hatten. Dann schulterte Kingyan meinen Rucksack, ich nahm die Tasche, mit den ganzen Büchern die ich gekauft hatte, und wir rannten zur Bushaltestelle.

Pha und Kingyan begleiteten mich bis zum Flughafen, wo ich meine Metrokarte von Hongkong zurück gab, Kingyan meine SIM-Karte gab, und wir das restliche Geld das ich noch hatte, in einem feinen italienischen Kaffee am Flughafen ausgaben. Alle drei von uns, noch müde von der gestrigen Nacht, bestellten einen großen, guten Kaffee und schauten uns noch einmal gemeinsam die Fotos von unserer Zeit in Hongkong an.
Der Abschied war herzlich, und wir beschlossen uns im Sommer in der Schweiz alle drei mal wieder zu treffen und gemeinsam Phas leckeres Thaiessen zu kochen.

Zurück nach Dalian

Und so ging meine einmonatige Reise zu Ende. Ich saß wieder im Flugzeug zurück nach Dalian. Es war eine interessante Reise, mit guten und schlechten Erfahrungen, einer Menge Schutzengel und so vielen neuen Eindrücken, dass mir ganz schwindelig wurde, wenn ich sie versuchte im Kopf zu ordnen. Würde eine lange Arbeit werden, das alles niederzuschreiben.

Als wir dann aus den Wolken Richtung Dalian flogen, gingen über der Stadt tausende Feuerwerke zum chinesischen Neujahr ab. Wir landeten in Mitten dieses Funkeln und Glitzern und ich war wieder da. Back in Dalian.
Ich verhandelte mit den Taxifahrern, bis einer einwilligte, mich zu einem halbwegs anständigen Preis zurück zu meinem Wohnheim zu bringen. Und als ich dann die stillen Treppen hinaufging, hatte ich schlussendlich doch irgendwie ein bisschen das Gefühl wieder heimgekommen zu sein.

Sonntag, 17. Februar 2008

Ab nach Hongkong

Dienstag 29. Jänner 2008

Heute machten wir uns durch die Menschenmassen hindurch, auf den Weg zur East-Trainstation um den Zug nach Hongkong zu nehmen. Der Bahnhof war voller Menschen, die auf Zeitungen saßen, mit den Kopf auf ihrem Gepäck schliefen, andere, die genervt herumschrien und einer Menge Soldaten, die die Menschen daran hinderten in den zweiten Stock des Bahnhofs zu gehen. Der Boden war gepflastert mit hinterlassenem Zeitungspapier, achtlos weggeworfenem Müll. Ruks musste alle paar Meter die Rollen von ihrem Koffer wieder von irgendetwas das sich verfangen hatte, befreien.

Kingyan und ich waren froh, unser Gepäck auf dem Rücken zu tragen, und uns zwischen den Menschen hindurch quetschen zu können. Unser Zugticket war dann unsere Durchlasskarte in den zweiten Stock, wo wir auf den Zug nach Hongkong warteten. Kingyan schien das Ganze zu viel geworden zu sein, und er setzte sich lieber auf die Bänke, anstatt mit uns nochmal in das Getümmel runter zu gehen, etwas im KFC zum Essen aufzutreiben. Ruks und ich aber setzten uns in den KFC, den wir gleich neben der Absperrung gesehen hatten und aßen etwas, quatschten über die Zeit, die sie in Shanghai und Hangzhou verbracht hatten und ich erzählte ihr von Sanya.

Als ich dann für Kingyan eine seiner geliebten Eggtarts mitnahm, heiterte sich auch seine Laune wieder auf, und wir setzten uns schließlich in guter Aufbruchstimmung in den Zug nach Hongkong.

Auf unserer Fahrt sahen wir die Landschaft vor dem Fenster sich langsam ändern, die Bahnhofstationen waren nicht mehr in den am Mainland gebräuchlichen Kurzzeichen angeschrieben, sondern in den traditionellen chinesischen Zeichen, die sich in Hongkong, Macao, und Taiwan noch bewahrt haben. Die Umschrift, die unter den Zeichen stand, klang alles andere als Putonghua.

In Hongkong angekommen gingen wir durch den Zoll, und Kingyan und ich bekamen ohne großes Fragen, ein Visum für 3 Monate ausgestellt, obwohl wir es gar nicht für so lange beantragt hatten, und Ruks, mit ihrem indischen Pass, bekam nicht einmal ein Visum für einen Monat, sondern musste sich mit 2 Wochen zufrieden zu geben.

Doch da war nichts zu machen.

In der Wartehalle wurde dann Ruks von ihrem indischen Freund Rohed abgeholt und Kingyan und ich von seiner Mami. Sie lud uns gleich auf einen Kaffee ins Starbucks ein, half uns Hongkonger SIM-Karten zu kaufen, da unsere chinesischen hier nicht funktionierten, zeigte uns einen Bankomat um Hongkong Dollar abzuheben.

Dann fuhren wir hinaus aus der Stadt zu ihrem Haus in DB (Discovery Bay), ursprünglich als Ferienort konstruiert, glaubte man an einer Urlaubsdestination anzukommen. Es war nicht erlaubt mit dem Privatauto in das Gebiet hinein zu fahren. Das einzige Verkehrsmittel war ein Bus, und kleine elektrobetriebene Golfcars, mit denen die Leute innerhalb DBs herumdüsten. Das Haus selber war hell und freundlich, und Kingyans Mama hatte uns schon in 2 Zimmern Betten hergerichtet. Eines für mich im größeren Zimmer gleich neben dem Bad, und eines für Kingyan im Dachboden. Sie legte uns Handtücher und sogar Duschseife und Shampoo bereit, und ließ uns uns erst mal frisch machen. Dann saßen wir noch eine Weile mit ihr im Wohnzimmer, und sie erklärte uns, was wir in Hongkong und DB so alles machen könnten.

Kingyans Mama ist eine junggebliebene, aufgeweckte Frau, die mit ihrem Charme jeden um sich herum, in ihrem Bann zu ziehen schien. Sie war so lieb und herzlich, und gab nicht nur Kingyan, sondern auch mir das Gefühl hier willkommen zu sein. Auch ihr Freund, der später von der Arbeit heimkam begrüßte uns herzlich und hieß uns willkommen. Wir tranken alle gemeinsam ein Glas guten Rotweins und stießen an auf das Wiedersehen von Kingyan und seiner Mama nach 7 Jahren und auf eine gute Zeit in Hongkong :- )

Abschied und Wiedersehen

Montag 28.Jänner 2008

Heute brachen wir so gegen 11 auf zum Flughafen. Annas Flug war um 2 und ich wollte sie noch bis zum Security Check begleiten. Auf der Taxifahrt zum Flughafen, wurde mir dann, obwohl ich wusste, dass ich sie eh spätestens in einem halben Jahr wieder sehen würde, das Herz so schwer. Ich wollte irgendwie nicht, dass unsere gemeinsame Zeit schon wieder vorbei war. Bemüht, nicht in Tränen auszubrechen, verabschiedeten wir uns dann am internationalen Flughafen in Sanya, und ich sah Anna nach, bis sie irgendwo in der Halle verschwunden war. Die Sonne schien, und der Internationale Flughafen in Sanya, war mehr ein Ort an dem man kommen würde um im Garten Kaffee zu trinken als um von hier wegzufliegen. Doch das alles konnte mich nicht aufheitern. Und als ich mich draußen unter die Palmen setzte, rannen ein paar Tränen des Abschiedschmerzes über meine Wangen.

Nachdem ich noch eine Weile an diesem hübschen Flughafen gesessen war, ging ich hinüber zum Flughafen, von dem landesinterne Flüge abgingen. Dort saß ich dann den restlichen Tag neben laut quatschenden Chinesen und versuchte das Räuspern und Spucken auf allen Seiten zu ignorieren. Als mich dann jedoch ein Kind anpinkelte, verlor ich meine Geduld und begann am Flughafen auf und abzuwandern.

Chinesische Kinder haben ja im Normalfall keine Windeln oder Pampers an, sondern tragen so lustige Hosen, die zwischen den Beinen einen Schlitz haben, der sich öffnet, wenn das Kind in die Hocke geht, und aus dem man bestens herauspinkeln, ja sogar kacken konnte. Und diese Frau eben neben mir, hatte ihrem Kind, das auf ihrem Schoss saß, einfach im hohen Boden vor sich auf den Boden pinkeln lassen. Dass sie dabei mich mit vollspritze war ihr egal. Die Putzfrau kam dann irgendwann mit ihrem Wischmopp aber ohne Wassereimer und verwischte das ganze einfach auf dem Boden, bis die gelbliche Lache über den ganzen Boden verteilt war, und so dann bald trocknete.

Nach dem Einchecken fand ich dann in der Wartehalle keinen Sitzplatz mehr, da auf dem Festland offenbar plötzlich arge Winterstürme ausgebrochen waren, und viele Passagiere auf ihre verspäteten oder verschobenen Flüge warteten. Und da traf ich dann ein Frau aus Xingjian, die mir neben sich auf der Bank noch Platz machte, und mit der ich dann ganz lange redete, bis mein Flugzeug zum Einsteigen bereit war.
Sie war um die 50, vielleicht sogar ein bisschen älter, ich durfte sie „Ayi“ (Tante) nennen, und als ich dann ging, wünschte sie mir „Gute Reise mein Kind“…

Der Flug war dann ein bisschen wackelig, und ein paar mal dachte ich, dass wir das wohl nicht überleben werden. In dieser komischen Stimmung, und dem Flugzeug, das dauernd in irgendwelche Luftlöcher fiel, dachte ich an meine Lieben, und was ich ihnen wohl noch zu sagen gehabt hätte, wäre das Flugzeug dort abgestürzt. Doch dann landeten wir Gott sei Dank sicher in Guangzhou und sah dort auch schon Kingyan und Rukmani auf mich warten :-)
Die beiden waren zum Flughafen gekommen mich abzuholen. Kingyan schulterte nach einer Begrüssungsumarmung gleich meinen riesen Rucksack, und Rukmani und ich gingen Arm in Arm hinter ihm her zum Bus. Ich war froh, dass die beiden da waren, und irgendwie hatte ich das Gefühl, einen Teil meiner Familie wiederzusehen.

In Guangzhou saßen gerade eine halbe Million Menschen in den Bahnhöfen fest, und Kingy und Ruks hatten es am Nachmittag gerade noch geschafft, ein paar Zugtickets nach Hongkong zu bekommen. Wieder einmal waren unsere Schutzengel im Einsatz. Denn wie wir später erfuhren, war das einer der letzten Tage, an denen die Situation noch einigermaßen unter Kontrolle war. Da die Chinesen wie jedes Jahr zu ihrem Neujahr nach Hause fahren wollten, was in ihrer Tradition noch viel wichtiger ist, als bei uns gemeinsam Weihnachten zu feiern, sammelten sich Massen von Leuten um die Bahnhöfe, und konnten aber auf Grund des vielen Schnellfalls in Regionen des Landes, wo es kaum je geschneit hatte, nicht weiterbefördert werden. Züge wurden gecancelt, die Ticketschalter geschlossen, zu den schlimmsten Zeiten schlugen 8 Millionen Menschen in der Region um Guangzhou Trainstation ihr Lager auf. Die Helfer taten laut Fernsehen ihr möglichstes das Chaos zu lindern. Das Heer war im Großeinsatz um die Bahnlinien freizuschaufeln, und doch schien die Hoffnung immer geringer zu werden, dass die Leute vor ihrem Neujahr noch nach Hause kommen würden.
Doch uns betraf das Gott sei Dank im Moment nur am Rande. Wir schlängelten uns durch die Menschenmassen auf der Straße zu unserem Hotel, wo wir in gewohnter Dreisamkeit die Nacht verbrachten. Als wir dann alle in den Betten lagen, dick eingepackt, da das Hotel, wie fast alle Häuser im Süden Chinas keine Heizung hatte, schlief ich mit kalten Zehen, aber ganz warm im Herzen ein und dachte an die Worte der beiden zur Begrüssung. "Hey sweetie, we are so happy to have you back with us". Und ganz plötzlich hatte ich das Bedürfnis Gott einmal für eines der größten Geschenke zu danken, die man auf dieser Erde bekommen kann, gute Freunde. Wie schön war es doch, an einem Ort sich von einer wunderbaren Freundin zu verabschieden, und an einem anderen Ort wieder von lieben Freunden empfangen zu werden...

Abschiedsessen im Blue Lotus

Sonntag 27. Jänner 2008

Nachdem wir nach der langen Partynacht gestern, heute mindestens so lange ausgeschlafen hatten, beschlossen wir dann, da das Wetter wieder einmal nicht sehr einladend war, um zur Beach zu gehen, und es jede Minute anfangen konnte zu regnen, auf dem Markt zu gehen, um dort noch einmal um ein paar Dinge, die uns gestern gefallen hatten, zu handeln.

Da der Markt aber größtenteils nur aus Perlen und Schmuckständen bestand, die alle ungefähr das selbe verkauften, machten wir uns dann auch schon bald wieder auf den Weg zurück, schmökerten bei den Händlern bei uns ums Eck noch ein bisschen herum, und gingen dann in das feine Restaurant, das wir einmal durch Zufall gefunden hatten, Essen.

Nach so kurzer Zeit schon wieder Abschiedsessen, ich konnte nicht glauben, dass wir uns morgen schon wieder verabschieden sollten. Aber das Leben besteht nun mal aus vielen Abschieden, die einen für kürzer, die anderen für länger, manche für immer, und ich wusste, dass es von Anna bestimmt nicht für immer sein würde.

Eigentlich, wenn ich genau darüber nachdachte, war es eh kein richtiger Abschied. Denn im Herzen, verband uns unsere Freundschaft, wo immer wir auch gerade waren, und die moderne Technik sorgte auch dafür, dass wir wann immer uns danach war, telefonieren, oder im ICQ quatschen konnten.

Wir bestellten uns aus der Speisekarte, in welcher wieder einmal alles auf Russisch stand, die aber glücklicherweise auch eine englische Übersetzung dazu hatte, ein leckeres Abendessen, und zum Dessert unseren Apfelkuchen. War zwar nicht zu vergleichen mit Apfelstrudel, Schlagsahne und Vanilleeis, aber für China schon mal nicht schlecht.

Lachend erzählte ich Anna, dass ich von meiner Mama für meinen Geburtstag schon alle aufwendigen Cremetorten abbestellt und einen riesigen Apfelstrudel in Auftrag gegeben hätte. MHHH…. Apfelstrudel ich komme, Butterbrot und Kässpätzle rettet euch wenn ihr könnt *gg* denn 我的 奥地利的肚子想了你们 (mein österreichischer Magen hat euch vermisst)

Freitag, 15. Februar 2008

Eine Party mit "Mister-Russia-Super-Sexy" *Gg*

Samstag 26. Jänner 2008

Nach einem weitern gemütlichen Morgen im Bett, machten Anna und ich uns auf zu Strand um dort zu Brunchen. Nach dem Wetterbericht, hätte es ja heute wieder mal so richtig schön sein sollen, aber die haben sich da wohl wieder mal getäuscht, denn nach ein paar Minuten Sonnenstrahlen, verschwand die Sonne, dann auch schon hinter den ersten dicken Nebelwolken.

Während die meisten Russen und Koreaner die Flucht ergriffen, ließen wir uns davon nicht die Laune verderben, und blieben dort, wie immer fröhlich vor uns hinquasselnd sitzen.

Gerade als wir zu einer letzten Massage hier in Sanya aufbrechen wollten, gesellten sich dann ein Deutscher, eine Puerto Ricanerin, und ein Amerikaner zu uns, und wir kamen mit denen ins Gespräch. Nach dem üblichen Reiseblalba-Smalltalk erkundigten wir uns bei denen nach dem Nachtleben hier in Sanya. Unter der Woche, war zwar, wie wir eh schon gemerkt hatten, hier nicht wahnsinnig viel aufregendes los, doch Ingo, der deutsche hatte etwas von einer Party heute Abend gehört, die im Rainbow heute abgehen sollte.

Na, kann man sich ja mal ansehen meinte er, und so verabredeten wir uns mit den Dreien, bevor wir wirklich in Richtung unseres Massagetempels aufbrachen, noch auf den Abend im Rainbow.
Die Massage war dann wieder ganz nett, obwohl sie diesmal anstatt diese Energiezentren zu drücken, immer die Sehnen über den Knochen spicken ließ. Im Moment des Massierens zwar nicht unbedingt sehr angenehm, doch dannach dann eh auch total lockernd und entspannend.

Beim Friseur der zu dem Massagehaus dazu gehörte, ließen wir dann noch die Haare waschen und bekamen dabei gleich nochmals eine Schulter, Arm, Hand und Kopfmassage. Mein Friseur fragte immer Anna, was er machen sollte, bis er total überrascht feststellte, dass ich ja eh auch Chinesisch konnte. Er selbst war nicht aus Sanya, sondern aus Hubei, und sprach ein klareres Standartchinesisch, als die meisten Leute hier in Sanya. Als ein kleiner Junge kam, um sich diese komische, blonde Ausländerin da mal aus der Nähe anzusehen, lachte er und meinte, dass viele hier einfach noch nie solche Haare in echt gesehen hätten....Fand ich irgendwie noch ganz nett, dass er versuchte, mir eine Erklärung für das Ausländeranstarrphänomen der Chinesen zu geben.
Auch als die Frisörin neben mir irgendwelche Bemerkungen machte, die ich zwar eh nicht verstand, weil sie in ihrem komischen Hainandialekt redete, meinte er zu ihr, sie sollte lieber aufpassen, ich würde Standardchinesisch besser sprechen als sie selbst.*freu*

Der Typ beim Haare fönen war dann aber weniger nett und meinte, meine Haare sähen nicht schön aus, und wären viel zu wenig und zu dünn. Naja, dass meine Haare um einiges dünner sind als die der Chinesen, machte mir eh nichts aus, und wenig,... ja das war eine Auswirkung der Nahrungsumstellung auf die „überaus gesunde“ chinesische Küche, die man einem hier vorsetzte. Irgendwie total genervt von seiner blöden Aussage, hatte sich schneller als ich überhaupt denken konnte dieser Gedanke irgendwo im Unterbewusstsein zu einem chinesischen Satz geformt, der ohne meine Erlaubnis, einfach vom Mund weitergeleitet wurde. Erschrocken, über das was ich gerade gesagt hatte, und gleichzeitig verwundert, dass ich ganz offensichtlich nicht mehr denken musste, um Chinesisch zu reden, fiel mir absolut nichts ein, was ich ihm hätte sagen können, um die Härte der Aussage etwas zu lindern. Aber er brauchte ja wirklich nicht glauben, er könnte da so doof herumlästern, und damit, dass ich ihm so schnell eine gesalzene Antwort zurückpfefferte, hatte er wohl noch weniger gerechnet, als ich selbst.

Keine Ahnung warum, ein Mann würde wohl sagen, wieder einer dieser undurchschaubaren weiblichen Launen, war ich dann auf einmal auf ganz China und alles was damit zu tun hatte sauer. Alle kleinen Tiefpunkte, die ich in diesem halben Jahr gehabt hatte, und über die ich meist nicht geredet, oder einfach ignoriert hatte, kumulierten sich zu einer riesen, schwarzen Nebelwolke, die alles schwarz und düster ausschauen ließen. In dieser miesen Laune, war ich dann auch maßlos darüber genervt, dass der eine Frisör Annas Chinesisch ein bisschen mehr gelobt hatte als meines, und fing dann so an zu schimpfen, dass schließlich auch Anna ganz traurig war.

Da fiel mir auf, wie ich sie in meiner stinkigen Laune, wie eine Konkurrenz dargestellt hatte, anstatt wie meine liebste, beste Freundin, die ich ja so lieb habe, und die mir egal in welcher Situation immer helfen würde. Wir hatten gemeinsam die Unibänke auf der Sino gedrückt, uns in Prüfungszeiten immer unterstützt, keine Prüfung ohne die seelische Unterstützung des anderen schreiben wollen, und uns an den Erfolgen des anderen gefreut als wären sie unsere eigenen.
Nichts freute mich mehr, als dass sie nun ihren Traum verwirklichen konnte, und die Sprache die sie mit ihren Eltern verband in so kurzer Zeit so beeindruckend gut lernen hat können. Niemals war mir der Gedanke gekommen, sie als meine Konkurrentin zu sehen, und so tat es mir umso mehr leid, dass ich in dieser stinkigen Laune, ihr das Gefühl gegeben hatte, als wäre dies so.

Doch irgendwie verzieh sie mir, schon bevor ich sie um Verzeihung bat, denn ich glaube, sie wusste, dass man mich in dieser Laune nicht so ganz ernst nehmen durfte, und meinte nur, dass wir nun ja wieder quitt, im uns gegenseitg anstinken wären. *Gg*

Das ist eine der Sachen, die ich an ihr so mag. Selbst wenn wir uns streiten, oder uns gegenseitig anstinken, dann sind wir uns nie lange böse, finden immer die liebsten Worte uns wieder zu entschuldigen, und vergessen dann die ganze Sache wieder.Ich bin mir fast sicher, hätte ich nicht in meinem kleinen Buch Notizen von der Reise gemacht, um nichts zu vergessen was passiert ist, dann hätte ich bis zum heutigen Tag, an dem ich den Blog nun schreibe, auf diese schlechte Laune Tage schon längst wieder vergessen.

Arm in Arm, und wieder bestens gelaunt, gingen wir dann, nachdem wir am Nachtmarkt noch um ein paar Perlenohrringe und Armketten gefeilscht hatten, auf die Suche nach den Ingo und den anderen. Wie abgemacht, warteten sie auch in Windows auf uns, wo wir noch mehr Deutsche, und einen Schweden kennenlernte. Die Musik war zwar nicht gerade unserer Generation und der DJ hätte lieber Radiomoderator werden sollen, doch irgendwie waren wir beide so in Partylaune und wieder so gut aufgelegt, dass uns das in dem Moment egal war. Später zogen wir dann mit der ganzen Gruppe in die nächste Disko, wo die Boys anfingen, eine nach der anderen von uns anzugraben.
Tjaja, der Alkohol. Sag ich jetzt eben mal *gg*.

Die Russinnen legten auf der Bar eine Show der „Extraklasse“ hin, sodass es glatt ihren Mittänzer von der Bar schmiss. Wir hatten uns ja zuerst schon über den Typen lustig gemacht; „Mister-Russia-Super-Sexy“ der mit schon anfänglich grauen Haaren , wie ein Zwanzigjähriger auf der Bar herumtanzte und mit seinen Hüften und auch sonst allem Möglichen herumwackelte. Und dann…. war er plötzlich nicht mehr zu sehen. War zu den Kellnern hinter die Bar gefallen *hihi*
Als wir dann spät in der Nacht heimgingen, waren wir uns einig, dass der Abend, obwohl Annas Hose von dem Cocktail den der Mister-Super-Sexy in seiner Tanzwut von der Bar geschmissen hatte, noch immer ganz klebrig war, so richtig lustig geworden war.

Zwei Wassernixen auf der Flucht vor der Paparazzi

Freitag 25. Jänner 2008

Heute, war nach den letzten paar trüben, regnerischen Tagen endlich wieder mal die Sonne da. Nachdem unser Plan zu einer Hotspring zu fahren, aufgrund der falschen Aussagen der Jugendherbergemädels wieder mal schief gelaufen war, entschlossen wir, den Tag einfach gemütlich am Strand unten zu verbringen. Wir zogen also unsere Bikinis heraus, packten Sonnencreme ein, und gingen los. Auf dem Weg kauften wir uns noch einer der Maiskolben, die die Frau an der Ecke verkaufte, und die uns schon die ganze Woche angelacht hatten und setzten uns damit am Meer unten in den Sand.

Wie immer hatten wir eine Menge zu quatschen und als die Sonne dann endlich richtig herauskam, warfen wir unser T-shirts weg und rannten Richtung Wasser. Sofort zückten ein paar Chinesen und Koreaner ihre Fotokameras, und knips, waren wir wieder auf ein paar Fotos drauf. Anna setzte sich dann demonstrativ vor mich, und wir quatschen Rücken an Rücken, halb im Meer sitzend weiter, bis ein ganz Dreister mit seiner Videokamera kam, und uns filmte.

Warum sprangen denn die alle uns hinterher? Hätten ja hinter sich genügend Russentussis gehabt, die ihre Hintern an die Sonne streckten.

Wir warteten also, bis die Meute sich wieder ein bisschen verlaufen hatte, und gingen dann nochmals ins Wasser ein bisschen planschen. Das Wasser erstaunlicherweise angenehm warm und wirklich überraschend sauber.

Anna und ich witzelten, wo denn Samuel, unseren Sixpack-Mann geblieben war, den wir gestern beim Italiener wieder gesehen hatten. Der hätte dann die Paparazzi mit seinem Kongfu vertreiben können *gg*. Doch dann fiel uns ein, dass der ja heute schon wieder abgereist war, und mit ihm der Rest der Kongfugruppe. Wohl keiner mehr da um uns zu beschützen *gg*

Aber der Nachmittag wurde auch ohne Sixpackmann ganz lustig. Wir saßen im Sand, tranken Kokosnussmilch, knabberten unsere Lieblingskekse und ließen uns von der Sonne trocknen.

Auf dem Nachhauseweg hörten wir aus einer Bar jemanden live, alte englische Lieder singen. Begeistert von der gemütlichen Atmosphäre und netten Einrichtung der Bar setzten wir uns auf einen Drink. Doch aus dem Drink wurde nachdem wir die Speisekarte aufschlugen, ein Milchshake und Apfelkuchen.

Die Küche war ausgezeichnet, und an den Milchshakes auch gar nichts auszusetzen. Bei Kerzenschein führten wir lange Gespräche, über das Leben und die Liebe, und ich genoss das Gefühl, mit einem Menschen so reden zu können, als würde ich zu mir selbst reden.
Egal wie stupide sich manche Sachen auch anhörten, sie schien irgendwie immer zu wissen, was gerade in meinem Kopf und vor allem meinem Herzen vorging.
Sie ist die Person, mit der ich lachen und weinen, fröhlich und traurig, überdreht, verrückt, stinkig, und zutiefst bedrückt sein kann, die all meine Fehler und Maken kennt, und mich trotzdem nie dafür verurteilt.
Sie ist einer dieser Menschen, ohne den mein Leben nur halb so schön wäre!

Donnerstag, 14. Februar 2008

Halbzeit!!! Ein halbes Jahr in China

Donnerstag 24.Jänner 2008

Heute machten Anna und ich eine Tandemradeltour zu einem Park in der Nähe unseres Hotels. Auf der Karte sah das ja auch wirklich sehr nahe aus, doch was man auf der Karte nicht sehen konnte, war die Steigung des Berges, den wir da hinauf radeln mussten. Nachdem unserem eigentlichen Plan der Küste entlang zu radeln, von den Parkwächtern, der einzelnen Hotelanlagen ein Strich durch die Rechnung gemacht wurde, nahmen wir also diese Höhenstraße, und strampelten, mit dem Fahrrad ohne Gängen, den Berg hoch, auf dessen Spitze ein Park für Verliebte angelegt worden war. Ausgehen von einer alten Sage, dass sich dort ein Reh in eine wunderschöne Frau verwandelt haben soll, in die sich der Jäger dann verliebte, waren in diesem Park, an jeder Ecke irgendwelche romantischen Pavillions oder Inschriften in Steinen, vor denen sich die chinesischen Pärchen in Haufen fotografieren ließen. …Vielleicht ist das ihre Art der Paartherapie, wenn mal was schief läuft *gg*

Nachdem wir uns dort wieder von der Treterei erholt hatten, fuhren wir weiter, den Hügel wieder hinunter zur nächsten Bucht. Doch entgegen unserer Vorstellungen, dort einen nächste Strand zu finden, fanden wir, riesige gerodete Fläche, auf denen verlassene Bagger und Baugeräte standen, und dahinter eine Reihe armseliger Hütten, aus denen uns die Menschen feindselig entgegen sahen.

Eingeschüchtert von dieser ganzen trübseligen Atmosphäre, fragten wir einen Polizisten auf dem Motorrad, wie wir am besten wieder zurück kamen. Aber auch er schien keinen besseren Weg zu wissen, als den Berg wieder rauf zu fahren. Sein Kollege, der gerade mit dem Auto vorbeikam, trug ihm auf, den beiden Mädels da vorzufahren und uns den Weg zurück zu zeigen, und so hatten wir bis auf die andere Seite des Hügels Polizeieskorte. Na wenn man sich da nicht beschützt vorkommt *Gg*.

Oben angekommen, verabschiedeten wir unseren Freund und Helfer und düsten die Höhenstraße wieder hinunter in unsere Bucht aus der wir gekommen waren. Das Fahrrad machte diesmal die Arbeit fast von selbst, und hätte ich nach Annas Worten „nicht so viel gebremst“ wären wir sicher ans Tempolimit unseres Tandemfahrrads gekommen *gg*.

Abends gingen wir dann zum „Italiener“ essen, der zwar ein richtiger Italiener war, aber dessen Pizza, auch mit viel Pfeffer und Parmesan nicht wirklich zu genießen war, ganz zu schweigen von der Lasagne, die er, oder sein chin. Gehilfe ganz ohne Tomatensoße zubereitetet hatten. Nach trübseligen Slums, und schlechtem Essen wollten Anna und ich den Abend eigentlich tanzend ausklingen lassen. Doch auf unserer Tour durch unser nächtliches Viertel, fanden wir keine Bar aus der nicht russische Musik schallte oder Russen heraustorkelten, sogar die Barnamen konnten wir nicht lesen, weil alles in russischen Buchstaben geschrieben war. Genervt von einer Überdosis Russland in China, gingen wir dann in nicht gerade bester Laune heim. Anna musste sich so sehr über den heutigen Tag und über die allgegewärtigen Russen, aber noch viel mehr über die Chinesen ärgen, die, wie sie es sagte, wenn sie uns ansprachen oder angrinsten, nicht uns ansahen, sondern mit einem Röntgenblick die Geldtasche in unserer Tasche suchten, und sich immer zu denken schienen, wieviel Geld man diesem Ausländer wohl wieder abluchsen konnte, dass sie plötzlich anfing über alles Mögliche zu schimpfen. Da ich glaubte, sie würde mir die Schuld dafür geben, dass wir nun hier waren, und sie dafür sogar extra noch eine Nacht am Flughafen verbringen hatte müssen, wurde ich dann schließlich auch ganz bedrückt und wusste gar nicht mehr, was ich dazu noch sagen sollte. Doch genau so schnell wie die schlechte Laune zwischen uns beiden gekommen war, so schnell war sie auch wieder vorbei, und wir begannen, anstatt uns gegenseitig anzustinken, gemeinsam über Sanya , die Chinesen, die Russen und überhaupt über alle, aber ganz besonders über die Doofis aus unserer Jugendherberge zu lästern, die uns ständig falsche Auskünfte gaben, Annas Jugendherbergskarte aus fadenscheinigen Gründen nicht akzeptieren wollten und sonst auch zu nix gebrauchen waren.

Als wir dann vom Schimpfen schon ganz müde waren, bekam ich von Mama eine SMS zur Halbzeit in China… Ich hätts ja vor lauter Aufregung heute ganz vergessen, doch als es mir dann bewusst wurde konnte ich es erst gar nicht wirklich glauben…jetzt ist schon ein halbes Jahr vergangen, seit ich so verheult am Flughafen gestanden bin, und mir gar nicht vorstellen konnte, was mich denn da in China alles erwarten würde. Irgendwie ist die Zeit so schnell vergangen, dass ich manchmal denke, ob die Uhren hier in China schneller laufen. Wenn ich dann andererseits darauf zurück sehe, was ich schon alles erlebt habe, welche neuen Erfahrungen und Eindrücke ich gesammelt habe, dann kommt mir die Zeit vor wie eine Ewigkeit, und ich zähle die Tage bis ich wieder heim fliegen kann, um endlich alle meine Lieben zu Hause wieder mal zu drücken, mein Schwesterherzchen endlich wieder zu umarmen und ihre kleine Tochter kennen zu lernen.

Rückblickend gesehen, denke ich, das Schwerste an diesen alles auf den Kopf stellenden Entscheidungen ist immer die Überwindung einer großen Veränderung ins Auge zu blicken, und den Schritt zu wagen, ins kalte Wasser zu springen. Denn in Nachhinein stellt sich das kalte Wasser dann meistens gar nicht so kalt heraus, und wenn man offen ist für Neues, findet man überall Menschen, die einem über Wasser halten, wenn man sich selbst mal zu schwach fühlt um zu schwimmen.

Sicher, es war nicht immer alles ganz einfach, und als ich am ersten Tag in diesem fernen Land, unter lauter Menschen stand, deren Sprache ich nicht verstand, deren Sitten und Gebräuche ich nicht kannte, da kam ich mir mehr als nur verloren vor. Ich war plötzlich nicht mehr einfach nur ein Mensch wie jeder andere, sondern die blonde Ausländerin die von allen angestarrt wurde. Auf der Speisekarte konnte ich nichts lesen und es blieb nichts viel anderes übrig, als auf gut Glück irgendwas zu bestellen. Kam das Essen dann stand ich vor der Herausforderung, was auch immer es war, ohne Besteck zu essen. Plötzlich musste man Spagettinudeln irgendwie auf diese Stäbchen draufwickeln, und konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, wie das gehen sollte, ohne alle Nachbarn mit Soße zu bespritzten, von den süßen, glitschigen Dessertkugeln ganz zu Schweigen, von denen ich mehr irgendwo im hohen Bogen über den Tisch beförderte, als schlussendlich in meinen Mund landeten. Ich hatte Mühe mich an die Stehklos zu gewöhnen, auf die man sein Papier immer selber mitbringen muss, es nicht ins WC sondern in einen Kübel daneben werfen muss, und die Türe meist nicht absperren kann. Nach den ersten paar kalten Duschen gab ich es schließlich auch auf, zu jeder Tageszeit duschen zu wollen, sondern begann mich an die Warmwasserzeiten im Wohnheim zu halten und meine Kleider fein säuberlich vor dem Bad zu platzieren, weil sie sonst, da die Dusche einfach mitten im Raum über dem WC hängt, beim Duschen einfach mitgewaschen werden....

Doch egal auf welche Schwierigkeiten ich auch stieß, es gab immer Menschen, die sich an meine Seite stellten, und mir über diese Hürden hinweghalfen. Während sich Seraina in Peking noch wie eine große Schwester um mich kümmern musste, konnten Kingyan und ich uns dann in Dalian schon gegenseitig stützen und lernten, nach und nach, uns in diesem Land zurecht zu finden und die Regeln zu verstehen, nach denen die Uhren hier laufen.

Ich glaube nicht, dass ich China irgendwann als meine zweite Heimat bezeichnen könnte, wie ich es mit London damals getan hatte, denn hier werde ich einfach schon wegen meinem Aussehen, immer ein Ausländer bleiben, die Leute werden mir immer nachschauen und untereinander wissend feststellen, ah… Amerikanerin… ah Russin, die Kinder werden sich immer nach mir umdrehen, mit dem Finger auf mich zeigen, und ihrer Mama ganz aufgeregt berichtet… Mama, schau! Ausländer!
Auch wenn ich glaube, dass diese Bemerkungen bestimmt nicht böse gemeint sind, ist es doch irgendwie irritierend, wenn man z.B. im Flugzeug von Hangzhou nach Sanya als eine der letzten ins Flugzeug kommt, dazu noch ganz nach hinten zu seinem Sitz laufen muss, und in jeder zweiten Reihe, an der man vorbeigeht, einer tuschelt… Waiguoren – Ausländer.

Und dennoch fühle ich mich wohl hier, und würde dieses Jahr mit all seinen wunderschönen Erlebnissen und lehrreichen Erfahrungen in meinem Leben bestimmt nicht missen wollen. Ich liebe diese Sprache, mit der man in so wenigen Worten, so vieles sagen kann, die in ihrer Komplexität doch auch wieder eine graziöse Klarheit birgt, und deren Zeichen ein Licht auf eine solch lange Geschichte werfen, in der es für mich noch so vieles zu entdecken und erfahren gibt. Und würde heute einer kommen und mir das halbe Jahr, dass ich hier noch habe wegnehmen wollen, ich wäre bestimmt nicht begeistert davon.

Mittwoch, 13. Februar 2008

Privatdisko am Strand - Tanzen im Sand

Mittwoch 23. Jänner 2008

Heute fuhren Anna und ich auf Besuch ins Sheraton. Nachdem die Mädels uns in der Jugendherberge gesagt hatten, wir könnten da ganz einfach mit dem Doppeldeckerbus der vorne an der Straße vorbeifährt bis zum Sheraton fahren und dann dort durch das Hotel hindurch zum Strand hinunter gehen, im Sheraton die Duschen benutzen und gratis Handtücher bekommen, da beschlossen wir uns das sofort mal anzusehen.

Von den Auskünften der Mädels stimmte zwar fast nichts, und wir warteten Ewigkeiten auf einen Doppeldeckerbus der irgendwie nicht kam, und fuhren dann schlussendlich, nachdem wir die in chin. Zeichen geschriebenen Buspläne studiert hatten, mit irgendeinem der halb-öffentlichen Busse zum Sheraton.

Dort stiegen wir aus, machten und machten überwältigt von der noblen Anlage gleich mal ein paar Fotos, und gingen dann auf der Suche nach dem Weg zum Strand, von dem uns die Mädels erzählt hatten, durchs Hotel. Irgendwie war das wohl doch nicht so ganz offiziell, dass die Jugendherbergegäste da so einfach hindurch laufen konnten. Doch wir verbargen unsere Entzückung über den wunderschönen Hotelpark so gut wir konnten, denn … wir waren solchen Luxus ja gewöhnt *gg*, haben da ja schließlich schon 2 Wochen gewohnt oder *gg*. Hindurch durch den Park mit kleinen Pavillons, azurblauen Pools, Palmen und roten Blumenbüschen, kamen wir dann schließlich an den Strand…

Auf dem zum Hotel gehörenden Privatstrand war fast kein Mensch zu sehen, und nur gelegentlich schaute einer der noblen Hotelgäste über sein Buch von seiner Strandliege auf.

Wir setzten uns, als die Töchter von Millionären, die wir vorgaben zu sein, natürlich auch auf eine er Liegen und genossen den wunderbaren Ausblick auf den menschenleeren Strand. Während es in Dadonghai, der Bucht direkt bei unserer Jugendherberge von Russen und Koreanern nur so wimmelte, und man, hätte man ein 360° Foto machen können, wahrscheinlich mehr dicke russische Vodkabäuche und noch dickere, russische Frauenhintern als Strand und Meer im Bild gehabt hätte, bot uns sich hier ein Blick wie ins Paradies. Und so saßen wir dort eine Weile und kamen uns vor, wie irgendwelche Filmschauspielerinnen auf Reisen. Doch leider waren wir nicht frech genug gewesen, den Strandjungen als wir kamen, einfach nach einem Handtuch für die Liegen zu fragen, und uns mit dem größten Recht einen Cocktail von der Karte zu bestellen.

So muss wohl irgendwem aufgefallen sein, dass wir auf unseren eigenen schäbigen Handtüchern aus der Jugendherberge saßen und unsere Wasserflaschen aus dem Supermarkt auspackten. Irgendwann kam dann jedenfalls der Strandjunge, dem diese ganze Sache etwas suspekt geworden war, und fragte uns nach unserer Roomcard, und schlecht wie wir beide im Ausreden erfinden sind, sagten wir ihm wir hätten keine.

Und aus war der Traum wieder vom Filmstardasein, und wir zogen weiter den Strand hinunter wo wir und neben dem Bereich der als Sheratons gekennzeichnet war, in den Sand setzten. Der Sand war ja der gleiche, und die Sonne schien auch auf dieser Seite des Strands gleich hell, als bei den Reichen.

Nachdem es dann langsam dunkel werden zu begann, hielten wir einen Bus mit der Aufschrift nach Dadonghai an, und fuhren wieder zurück zu unserer eigenen bescheidenen Unterkunft.

Doch was solls, Glück kann man ja Gott sei Dank nicht Geld messen und so gingen wir in bester Laune in unseren Supermarkt, kauften uns wieder mal Kokosnussmilch, und dazu Baguette und Käse, den sie hier aufgrund des russischen Publikums wohl importiert hatten, nahmen bei einer Gemüsehändlerin noch Tomaten mit uns setzen uns auf die etwas wackeligeren Liegen an unserem Stand. Wir fühlten uns, mit dem Brot und dem Käse in der Hand wie Königinnen und genossen jeden Bissen, unserer „Brotjausn“ als hätte man uns Kaviar und Champagner serviert.

Von einer der Bars die an den Stand angrenzten kam spanische und lateinamerikanische gute Laune Musik, die uns richtig in Tanzlaune versetzte. Doch die Tanzfläche war voller Russen im mittleren Alter, die mehr gegen den Takt, als mit dem Takt herumschunkelten. Und so beschlossen wir, einfach unseren eigenen, privaten Tanzfloor am Strand aufzumachen, und tanzten barfuss im Sand, hüpften bis zu den Kiens ins Meer, um dann den Wellen wieder davon zu rennen.

Wir waren ausgelassen am Tanzen, dass wir einen vorbeigehenden alten Russen dazu verleiteten sein Tanzbein zu schwingen, doch seine Frau hielt davon nicht besonders viel und zog ihn energisch weiter, dann kam ein junger Koreaner und stellte seine Freundin zu uns hin, die dann ein paar Lieder lang mit uns tanzte, während er auf den Liegen saß und uns zusah, und schlussendlich, ich sprang gerade wieder mal einer Welle nach, kam ein fescher Schweizer zu uns, und fragte, if he could join the club“ Ja klar, unsere Sand-Stranddisko war für alle offen, einzige Voraussetzung Schuhe ausziehen :-) alles andere ist freiwillig *gg*

Samuel blieb dann auch bei uns, bis die Bar Feierabend machte und die Musik ausstellte, Nachdem wir das Feuerwerk betrachtet hatten, das heute wieder am Strand veranstaltet wurde, gingen wir mit ihm in Richtung seines Hotels, wo er uns den Platz zeigen wollte, an dem er und seine Züricher Kungfu-Gruppe jeden Morgen Kongfu übten. Die Gruppe war irgendwie mit ihrem Meister aus der Schweiz auf Chinareise, und wollten sich jetzt hier in Sanya von den ganzen Tempeln die sie am Festland besichtigt hatten, erholen. Aber Kongfu üben musste trotzdem jeden Morgen sein, und er meinte, dass das Kämpfen beim Sonnenaufgang im Sand ja auch mal eine lustige Erfahrung sei.

Tja, die Züricher trifft man auch überall. Neben Kingyan, Seraina, und Kingyans Freunden in Hangzhou, war er war damit schon der 7te Züricher den ich in China kennenlernte.

Samuel lud uns ein, morgen zu kommen und bei ihrem Morgenkampf zuzuschauen, doch so spät wie wir in den letzten Tagen immer ins Bett gegangen waren, konnte sich keine von uns zweien richtig vorstellen, so früh aufzustehen. Wir versprachen also uns zu bemühen aus den Federn zu kommen, denn versprechen, dass wir kommen wäre wohl eine zu große Lüge gewesen *gg*.

Oh, wie schön das Leben doch ist !!!

Dienstag 22. Jänner 2008

Obwohl die Sonne heute ihr möglichstes getan hat, uns aus dem Bett zu holen, schliefen wir heute fast bis Mittag und gingen uns dann im Supermarkt um die Ecke ein Frühstück holen. Gepäck mit roter, süßer Bohnenpaste, Kokosnussmilch, Grüntee mit Honig… Sehr lecker.
Wir packten alles ein und setzten uns zum Frühstücken an den Strand.

Beleidigt, dass wir ihre Versuche uns mit ihren Strahlen aus dem Bett zu locken heute Morgen so schändlich verachtet hatten, versteckte sich die Sonne hinter Wolken, und kam nur gelegentlich, dafür dann aber umso heftiger hervor.
Ich glaubte nicht, dass die paar Sonnenstrahlen, die Frau Sonne unserem Frühstück noch gönnen wollte, irgendwie gefährlich sein könnten. Doch Rache ist süß, und die Rache der Sonne war ein ordentlicher Sonnenbrand, der sich aber erst nach Stunden an den Stellen die von meinem Spagetti-Shirt nicht bedeckt worden waren, zeigte, als wir schon lange wieder zu Hause im Schatten saßen.

Ganz entsetzt, und mit Papas Worten in der Ohren, der mich eigentlich ja schon davor gewarnt hatte, dass ich die Sonne in Sanya nicht unterschätzen soll, gingen ich in den Supermarkt ein After-Sun suchen, doch wie immer, waren wieder in allen Cremen „Whitening“ Elemente drinnen. Schlussendlich kaufte ich zwar so eine, doch irgendwie hatte ich das Gefühl, dass sie überhaupt nichts nutzte.
Erst Mamas Salbe, die sie mir eigentlich für Verbrennungen mitgegeben hatte brachte dann meiner irritierten Haut Linderung. Wo war auch mitten im Winter die viele Sonne hergekommen? Wenn man da nicht vor Verwirrung ganz rot werden musste, schien sie sich zu denken. *gg*

Nachdem die Sonne ihre Rache genommen hatte, verschwand sie, und zeigte sich den restlichen Tag nicht mehr. Und so machten wir uns eben, dem Ratschlag der Mädels aus der Jugendherberge folgend, auf zu einem Massagetempel in Sanya City. Für 1,5€ konnte man sich da mit der VIP-Karte unseres Jugendherbergebesitzers massieren lassen.

Nachdem wir zuerst einmal die Ausstiegstelle verpasst hatten ,und eine Ehrenrunde in der Stadt gedreht hatten, liefen wir dann, da die Hausnummern in dieser Straße irgendwie keinem erkennbaren System folgten, noch drei mal um den Block, bis wir das Massagehaus endlich fanden. Doch die Latscherei hatte sich gelohnt, und wir wurden gleich in der Eingangshalle freundlich empfangen. Nachdem wir uns die einzelnen Massagepraktiken erklären lassen hatten, beschlossen wir mal was aufregendes auszuprobieren und wählten Thai- Ganzkörpermassage.

Man brachte uns in ein separates Zimmer, wo wir lustige Pyjamas bekamen und uns dann umziehen durften, bis unsere Masseurinnen kamen. Anna und ich machten uns einen Spaß daraus, uns gegenseitig im neuen Gewand zu fotografieren und waren noch ganz überdreht, als man uns aufforderte uns auf die Massagebetten zu legen.

Die Masseurinnen setzten sich zu unseren Füßen hin und fingen an die Füße zu massieren, alle Zehen auszuknacksen und setzten dann das von unten nach oben am ganzen Körper fort. Während das ganze für uns eine Ganz-Körper-Massage war, war das für die zwei Masseurinnen Massage mit Ganzkörpereinsatz. Nachdem sie die Füße und Beine mit Händen und Füßen massiert hatten und alle möglichen Akupunkturpunkte ordentlich gedrückt hatten, bekamen wir eine feine Bauchmassage. Anschließend mussten wir uns auf den Bauch drehen, und die zwei stellten sich in der Hocke auf unseren Hintern, massierten uns mit den Zehen und den Knien den Rücken.

Wieder auf dem Rücken packten sich unsere Beine, und zogen diese in Richtung unseres Kopfes. Nach dieser außergewöhnlichen Dehnungsübung, massierten sie Schultern und Arme, und drückten dann vom Mittelfinger angefangen das ganze Blut aus der Hand, bis sie anfing kalt zu werden. Doch als sie dann losließen, schoss das ganze Blut mit einem Schwall zurück in die Hand und wärmte die Finger bis zu den Spitzen. Zum Schluss wischten sich uns mit einem warmen, nassen Tuch, das Gesicht sauber, massierten Kopf und Gesicht, und nachdem sie auch unsere Wirbelsäule und den Nacken ausgeknackst hatten, war die Massage dann zu Ende.

Verglichen mit der chin. Ganzkörpermassage, die ich in Peking einmal hatte, war diese Thai-Massage viel aufregender und gar nicht so entspannend, doch danach fühlte man sich dafür umso lockerer und entspannter, nichts war mehr verspannt und sogar meine Schulter, die mir von dem Ruckackschlepptag im eiskalten Harbin immer noch weh tat, war nicht mehr zu spüren.

In dieser chilligen Laune, gingen wir dann im Do and Me chinesisch essen, wo das Essen fast schon so schmeckte, wie das chinesische Essen in Österreich. Wahrscheinlich auch nur, weil das Do and Me irgendeine ausländische Kette ist, die auch chinesische Gerichte in ihrer Karte hat.

Anschließend waren wir beide so voll, das wir einen Stück des Nachhausewegs im Laufen zurücklegten und erst 2 Busstationen später dann auf den Bus warteten.

Zurück in der Herberge machten wir uns heute mal ein bisschen früher fertig fürs Bett, doch als ob wir versuchten alles nachzuholen, was wir in den letzten Monaten uns nicht erzählen hatten können, quatschten wir wieder bis 3 oder 4 in der Nacht, bis uns vor Müdigkeit die Augen zufielen.

Wiedersehen mit meiner besseren 2. Hälfte

Montag 21.Jänner 2008

Heute war ich entgegen meiner in letzter Zeit entwickelten Langschlaferangewohnheit, die immer nur durch Kingyans Rütteln an meinem Fuß auf ein einigermaßen normales Ausmaß reduziert wurde, schon in aller Frühe wach. Ich suchte Annas Geschenk, das ich für sie in Peking gekauft hatte, nachdem die chinesische Post offenbar mein Geburtstagsgeschenk und die Weihnachtspost für sie konfisziert hat, und setzte mich mit einem Glas eiskalter Kokosnussmilch vor die Jugendherberge, um ja nicht zu verpassen, wenn meine liebste Anna endlich ankam. Gott sei Dank hatte ich das Buch mit, das Nicole für mich ausgesucht hatte, und in Mamas Weihnachtsüberlebenspacket drin war, sonst wär ich wohl gleich in der Einfahrt stehen geblieben.

Die Mädels von der Jugendherberge lachte eh schon, weil ich alle paar Minuten, wenn ein Auto sich in die kleine Gasse verirrte, aufsprang, um zu sehen, ob meine Anna nicht vielleicht doch schon da war.

Ich hatte mit meiner Aufregung alle angesteckt, und als sie dann endlich da war, schauten mir alle nach, wie ich ihr entgegen lief und sie nach so langer Zeit endlich wieder mal umarmte. Ich glaube, die dachten bestimmt, wir hätten was am Laufen, aber das war mir in dem Moment egal *gg*.

Die Mädels von der Herberge schienen meine Freude schlussendlich doch zu teilen und ließen uns sogar in ein viel größeres, hübscheres Zimmer umziehen, in dem es zwar nur ganz wenig Licht gab, aber dafür zwei hübsch gezogene Betten und ein großes Fenster.

Anna war von der Nacht am Flughafen in Hongkong total erledigt und legte sich nach dem wir die wichtigsten Sachen uns im Überblick erzählt hatten, mal erst für 2 Stunden hin. Die arme hatte doch nicht, wie ich angenommen hatte, bei ihrer Cousine übernachten können, und musste nun die ganze Nacht, mit ihrer Handtasche als Kopfkissen im Flughafen schlafen, und das alles nur, wegen dem doofen Visum. Schon komisch, dass die Chinesen immer so darauf bedacht sind, zu sagen das Taiwan eine Provinz von China ist, und als nichts anderes gesehen werden darf, aber dann die Leute die ein Visum für Taiwan haben, nicht ohne noch ein Visum für China zu beantragen einreisen dürfen.

Naja, wie auch immer, ich bin jedenfalls überglücklich, dass dann das alles doch noch geklappt hat, und sie es trotz der Unannehmlichkeiten geschafft hat zu kommen.

Nachdem Anna wieder munter war, gingen wir gemeinsam in einem kleinen, chinesischen Lokal neben unserer Herberge war essen und setzten uns dann an den Strand, wo wir mit einem Feuerwerk „begrüßt“ wurden. Als die Menschen am Strand sich schon längst alle auf den Heimweg oder auf den Weg in die nächste Bar gemacht hatten, saßen wir noch lange unter Sternen und quatschen. Ich genoss es, endlich mal wieder ohne Skype mit ihr über alles mögliche reden zu können, und Schulter an Schulter neben ihr am Meer zu sitzen.

Spät in der Nacht kehrten wir dann zu unserer Herberge zurück und ich schlief überglücklich ein.

Sonntag, 10. Februar 2008

Ab in den Süden... der Sonne hinterher ;-)

Sa 19. und So 20. Jänner

Nachdem wir in dem kleinen Cafe der Jugendherberge gefrühstückt hatten, machten Ruks und ich uns auf die Suche nach einem Krankenhaus, da sie glaubte sich bei den tollen hygienischen Zuständen hier in China irgend eine Infektion eingehandelt zu haben. Lustigerweise stand auf dem Haus, das man uns als Krankenhaus beschrieben hatte „Zentrum für Hygiene“, ja ich glaube da mussten wir hin *Gg*.

Die Frau an der Rezeption war sehr zuvorkommend und freundlich, konnte uns nur leider auch nicht helfen, weil gerade Wochenende war, und im Moment nur der Notfallarzt Dienst hatte. Als ich erklärte, dass ich morgen nach Sanya fliege und ich für meine Freundin dann nicht mehr übersetzen konnte, meinte sie, wir könnten es in dem amerikanischen Privatkrankenhaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite versuchen.

Dort war jedoch nicht einmal in der Rezeption jemand zu finden, und das ganze Hause war wie ausgestorben. Einzig der Wächter wachte auf, als wir hineingingen und meinte, dass wir montags wieder kommen sollten. Auf unsere Frage wie teurer das Krankenhaus denn war, als das öffentlichlich war, fragte er nur woher ich war, und gab mir dann auf meine Frage nach den Arztkosten die Antwort…. Du bist ja Österreicher.

Jaja, ich weiß eh, wir haben auch alle einen Geldesel zu Hause stehen, und einer Goldeier legende Gans ;-)

Unverrichter Dinge gingen wir dann eben wieder nach Hause, und nahmen unser nächstes Projekt in Angriff: Gummistiefel für Rukmani. Wir fanden schlussendlich auch recht schlichte, schwarze Stiefel, mit denen sie dann auf unserem Spaziergang um den See in jede Pfütze sprang die sie finden konnte. Je größer, desto besser. Nur Kingyans Vorschlag den See auszuprobieren, gefiel ihr dann doch nicht ganz. Vom See konnte man zwar wegen dem vielen Regen und Nebel kaum was sehen, aber Ruks hatte ihren Spaß mit ihren Gumboots und Kingyan dabei sie zu fotografieren.

Am Abend machten wir uns dann so gut es eben unser beschränktes Backbag-Gepäck zuließ, frisch für den Abend. Ich hatte ja nicht einmal ein schickes T-shirt um auszugehen. Alles was ich auf die Reise eingepackt hatte, musste praktisch und warm sein. Das einzige sexy Teil das ich im Rucksack hatte, war mein Bikini, den ich für Sanya mitgenommen hatte, und der war dann doch auch wieder nicht diskotauglich.

Der Bruder irgendeines anderen Schweizer Kollegen von Kingyan, der gerade auch in Hangzhou war, hatte Geburtstag und wir waren alle eingeladen als VIP-Gäste in eine Disko, in der ein anderer Schweizer Manager für die Ausländer war. Von wegen, die Schweiz hätte keine Kolonien *gg* die scheinen ja ganz Hangzhou übernommen zu haben *gg*. Die Party wurde flüssig, laut und lustig und nachdem wir irgendwann in der Früh fast in einen Streit mit irgendwelche Russen verwickelt worden wären, ging die ganze Gruppe ohne Rukmani, die schon um 12 nach Hause gefahren war, in ein Restaurant neben dem Disko Huoguo (chinesisches Fondue/Hotpot) essen.

Im Topf, der in der Mitte des Tisches eingelassen war, gab es zwei Hälften, eine klare Suppenbrühe und eine rote, scharfe Suppe. Irgendwer hatte dann die brillante Idee die neutrale Suppe mit der gefährlich roten zu mischen, und so brannte uns allen Mund und Lippen bis wir fertig waren mit essen. *gg*

Morgens nahmen Kingyan und ich dann ein Taxi zurück zur Jugendherberge, wo ich mich eine halbe Stunde hinlegte und dann duschen ging. Die kalte Luft in der Dusche trug bestens dazu bei, dass ich wieder wach wurde um meinen Rucksack für den Flug nach Sanya zu packen.

Ich war gerade dabei meine Haare zu frottieren, als Anna mich anrief, dass sie kein Visum für China bekommen würde, und man sie nicht fliegen lassen würde.

Was sollte ich machen? Fliegen und vielleicht 8 Tage alleine in Sanya herumsitzen, oder hierbleiben im regnerischen Hangzhou und meinen Flug verfallen lassen.

Gedankenverloren packte ich meine Sachen in den Rucksack, bis Anna mich ein zweites Mal anrief, dass sie nun zumindest bis Hongkong fliegen konnte, wo sie das Visum dann beantragen konnte, und dann wahrscheinlich einen Tag später als geplant nach Sanya kommen konnte. Unser gemeinsamer Urlaub schien gerettet zu sein :- )

Kingyan, der noch immer ganz benommen war, und Ruks brachten mich dann zum Taxi. Als der Zeitpunkt gekommen war, dass ich mein Trio verlassen musste, und vor allem Kingyan nicht mehr an meiner Seite war, wurde mir auf einmal ganz flau im Magen. Ich wusste, dass ich das auch alleine kann, aber ich hatte mich in letzter Zeit schon so daran gewöhnt, dass wir alles gemeinsam organisieren und gemeinsam gegen die ganzen Gauner ankämpfen die uns hier übers Ohr hauen wollen, dass ich mir nicht vorstellen konnte, das jetzt alles ohne ihn zu machen.

Aber wie immer wenn ich ein bisschen Glück brauche, kam von irgendwo wieder ein Glücksengel her, und ich erwischte einen ehrlichen Taxifahrer, der mich noch dazu total schnell zum Flughafen brachte. Auf der Autobahn fuhr er Schlangenlienen, und machte aus 2 Spuren 3, um zwischen 2 anderen Autos hindurch zu düsen, echt schlimmer als Cameron Diaz in „Die Hochzeit meines besten Freundes“ Aber es war lustig, und ich war in der halben Zeit, die in meinem Reiseführer angegeben war, am Flughafen.

Dort hatte ich gleich ein weiteres Mal Glück. Denn ich hatte mein Schweizer Messer, das mir Mama einmal geschenkt hatte vergessen in den großen Rucksack zu geben, und als ich dann mit dem kleinen durch die Sicherheitskontrolle ging, forderten die mich auf, das Messer herzugeben. Doch ich musste so traurig dreingeschaut haben, und wahrscheinlich half der Bonus „blonde Haare“ wieder mal, sodass sich eine Stewardess meiner annahm und mich zurück durch den Sicherheitscheck in den Gepäcksraum des Flughafen führte, wo die Männer gerade dabei waren, die Koffer für Sanya bereit zu machen. Sie steckte mein Messer in meinen Rucksack und begleitete mich wieder zurück zur Kontrolle, wo mir der Wachbeamte zuwinkerte und mir einen guten Flug wünschte.

Hainan sah von oben aus, wie eine große grüne Insel, überzogen von einem dichten Dschungel, der nur durch kleine Dörfer, Bananenplantagen und Reisfelder durchzogen wurde. Dann schwenkte das Flugzeug über dem Meer und flog zurück zum südlichsten Punkt China. Sanya.

Im Flugzeug saß ich neben einem jungen Mann, der mir seine Visitenkarte überreichte und mir erzählte, er würde zu irgendeiner Geschäftsbesprechung nach Sanya fliegen. Am Flughafen kümmerte er sich dann auch so lieb darum, dass jemand die Adresse, die auf meinem Ausdruck der Hotelreservierung leider in Englisch geschrieben war, von jemandem in chinesische Zeichen übertragen wurde. Als er niemand finden konnte, der sich auskannte, nahm er selbst sein Handy heraus und rief beim Hotel an.

Er verhandelte den Preis eines Taxis für mich auf 40 Yuan, was 10 Yuan unter dem Taxometerpreis lag, schaffte meinen riesen Rucksack, den er unbedingt tragen wollte ins Taxi und verabschiedete sich mit einem Lächeln. Neben den ganzen Gaunern die in diesem Land zu Hause sind, gibt es auch ein paar, die mich wie kleine Engel begleiten und auf mich aufpassen, und mir helfen, wann immer ich sie brauche.

Ich saß mit einem großen Lächeln im Taxi, und freute mich, dass das Leben so gut zu mir war. Die warme Luft wehte beim Taxifenster rein, die Straße war gesäumt von Palmen und Blumen und der Taxler hatte irgendeine chinesische Musik im Radio, die aber trotz allem nach Süden, Sommer, Sonne und viel Spaß klang.
Ich fand der Urlaub hier mit Anna fing schön an, auch wenn sie noch gar nicht da war.
Als der Taxifahrer mich dann auf ein Date einladen wollte, erzählte ich ihm, dass heute Abend mein Boyfriend kommen würde, und fühlte mich irgendwie an den Spanienurlaub zurückerinnert, als Mama, Nici und ich Weihnachten unter Palmen verbrachten, und uns die Männer so oft auf Dates einluden, dass wir irgendwann aufhörten zu zählen.

Angekommen in Hotel, checkte ich ein, und da sie für die heutige Nacht leider kein Doppelzimmer mehr frei hatten, legten sie mich in ein Viererzimmer, in dem sonst niemand war. Ich suchte mir das gemütlichste der 4 Betten aus und schlief bis zum Abend. Dann machte ich mich nochmal auf den Weg um was zu Essen zu kaufen, und ein bisschen in der warmen Nachtluft am Strand spazieren zu gehen, vorbei an Obstständen, Perlenverkäuferinnen, und wieder zurück zum Hotel. Morgen würde ich meine zweite, bessere Hälfte endlich wieder sehen :-)
Ich konnte es ja schon gar nicht mehr erwarten, dass sie endlich da war.

Die Welt ist ja soooo klein


Freitag 18. Jänner 2008

Müde von der gestrigen Partynacht schafften wir es heute gerade noch rechtzeitig aus dem Bett, um pünktlich beim Bahnhof zu sein, doch Frühstück war sich da keines mehr ausgegangen. Und so saßen wir drei mit knurrendem Magen in unserem Hard-Seater-Abteil, das eigentlich überhaupt nicht hart war, sondern sehr bequem und überraschend sauber, und rollten ins regnerische Hangzhou.

Die Jugendherberge, die Kingyans Freunde uns empfohlen hatten, war wohl eher für Sonnenschein und Sommergäste ausgerichtet, und ich konnte nicht anders als lachen, als ich sah, dass die Waschbecken, Duschen und WCs im Freien unter einem Vordach waren, wo man sich bestimmt beim Pinkeln den Hintern abfrieren würde. Von der Rezeption zu unserem Zimmer ging es durch einen kleinen unüberdachten Hinterhof, und auf die Treppe die wir hinauf mussten, rann in Strömen das Dachwasser hinunter.
Wohl wieder ein paar Tage Militärcamp dachte ich mir. Und auch Kingan und Ruks nahmen das Ganze mit Humor.
Eigentlich war uns das eh alles egal, solange wir bald etwas zu essen bekamen und so schafften wir unsere Rucksäcke und Rukmanis immensen Koffer ins Zimmer hinauf und gingen auf Essensuche. Wir wollten gerade bei einem Lokal vorbeilaufen, da sahen wir – so unglaublich das klingt- Rukmanis russische Zimmerkollegin Aliona aus Dalian aus dem Fenster winken. Nachdem wir zuvor schon vor der Jugendherberge Leo und seine Freunde gesehen hatten, die auf ein Taxi warteten, stand nun eines fest, die Welt ist ja soooo klein, man kann sich überall wieder ganz unerwartet über den Weg laufen. Aliona und ihre 2 russischen Freundinnen waren gerade beim Abschiedsessen von Hangzhou, denn sie wollten am Abend wieder irgendwie zurück nach Dalian fahren.

Wir selbst trafen uns am Abend mit einer schweizer Kollegin von Kingyan und gingen mit der auf dem kleinen Markt in der Stadt bummeln und Essen, Frühlingsrollen, Baozi, so komische Reisschlabberkugeln mit roter, süßer Bohnenpaste innen, Fleischspießchen. Sehr gesund halt wieder mal *gg*

Und schon wieder begann es zu regnen. Wir watschelten mit aufgeweichten Füßen nach Hause, und wärmten dort unsere Füße mit der Heizfunktion der Klimaanlage. Gott sei Dank hatten wir zumindest das, denn im Normalfall haben Häuser in Südchina ja gar keine Heizung.
Während Kingyan sich nochmal in den Regen hinauswagte um eine Telefonkarte zu finden, mit der er seine Freundin anrufen konnte, machten Ruks und ich es uns im Zimmer gemütlich, bzw, ich machte es mir gemütlich und sie starrte sehnsüchtig ihr Handy an, ob ihr Schatz ihr wohl bald eine SMS schicken würde.

*gg* … nur wer die Sehnsucht kennt….

Kultur und Party in Shanghai

Donnerstag 17. Jänner 2008

Nach einer relativ kurzen Nacht standen wir, geweckt durch unseren neuen südamerikanischen Mitbewohner Omar, der gestern Abend unseren Schweden abgelöst hatte, auf und frühstückten in trauter Dreisamkeit im Frühstücksraum der Jugendherberge.

Gestärkt durch Toast mit Butter und Spiegeleiern machten wir uns auf den Weg zum Shanghai Museum. Ein moderner Bau in Form eines Opferaltars, der mich im beleuchteten Zustand in der Nacht zwar mehr fasziniert hatte, in dessen inneren sich aber eine faszinierende Kollektion von Bronzewaren, Porzellanschalen, Münzen, chin. Malereien, Stickereinen, Kalligraphien, Möbeln und Trachten der Minderheiten verbargen.

5 Dinge hatte ich in die Liste der besonders interessanten Ausstellungsstücke aufgenommen:

  • Weinkrüge in Form von Pferden
  • grimmig dreinschauende Statuen der Himmelswärter
  • Bilder, die nicht gemalt sondern gestickt worden waren, aber so fein, dass man die Fäden fast nicht sehen konnte, und wenn man die Bilder mit ein bisschen Abstand betrachtete glaubte, dass sie gemalt wären.
  • die farbenfrohen Trachten und furchterregenden Masken der verschiedenen Minderheiten in China
  • Kissen aus Porzellan! War sicher ein besonders erholsamer Schlaf *gg*

Die Zeit im Museum verging wie im Flug und nachmittags um 4 machten wir uns dann in aller Eile auf die Suche nach einer Bank of China, da Rukmanis Dad ihr Geld auf ihr chinesisches Konto geschickt hatte, und sie das abheben wollte.

Nachdem wir drei mal um den Block gerannt waren, und jede Person ,die wir nach der Bank of China fragten, uns in eine andere Richtung schickte, fanden wir schließlich im Mariott eine kompetente Auskunftsperson und schlussendlich auch die Bank. Es stellte sich heraus, dass Rukmani, obwohl sie extra hier in China ein Konto eröffnet hatte, und obwohl die Bank „Bank of China“ heißt, nur in Dalian, wo sie das Konto eröffnet hatte Zugriff auf das Geld hatte, das ihr Vater aufgrund der chinesischen Geldpolitik nur in US Dollarn und nicht gleich konvertiert in RMB schicken hat können.

Genauso wie beim Zugticketverkauf, bei dem der eine Bahnhof nicht weiß was der andere macht, weiß auch hier die Bank of China in Shanghai nicht, was die Bank of China in Dalian macht.
So gut die Infrastruktur in machen Bereichen auch schon entwickelt sein mag, bei der Vernetzung mangelt es dann wohl am Kapital oder dem Know-How. Die einzige Möglichkeit die dann blieb, war, Geld über das Ausland von Kingyans Schweizer Konto abzuheben und dann in RMB auf Rukmanis Konto wieder einzuzahlen, was nachdem wir 3 mal gefragt hatten und schlussendlich den Bankdirektor zu Rat zogen auch klappte.

Nachdem diese leidige Bankangelegenheit dann erledigt war, gingen wir in den kleinen Seitenstraßen der Nanjing Road um Baozi und andere warme chinesische Snacks zu kaufen, die wir dann in großen Mengen zu einem Abendessen kombinierten.
Frisch gestärkt machten wir uns dann auf eine Bummeltour durch die Nanjing Road, wo ich im Abverkauf zum chin. Neu Jahr mir im Vera Moda eine neue Jeans kaufte, damit ich die einzige die ich mit auf die Reise genommen hatte, endlich einmal in die Wäsche geben konnte.

Zurück in der Herberge machten wir uns dann frisch für unsere letzte Nacht in Shanghai. Gemeinsam mit Omar zogen wir dann los Richtung Xintiandi. Die Musik war dort zwar okay, aber die Preise viel zu teuer und das Publikum um einiges älter als wir.

Und da kam wieder einmal unser Glückengel in Spiel und wir wurden alle, mit Omar auf Sichengs Geburtstagsfeier eingeladen, der nach dem halben Jahr in Dalian, nun in Shanghai studiert. Als wir im Window, der Disko, in der die Party steigen sollte, ankamen, wurden wir von einer Reihe bekannter Gesichter ganz herzlich begrüßt.
Neben Sicheng war da noch Mourad, Steini und Joshi, die wir noch aus Dalian kannten.
Der Abend wurde schlussendlich dann auch noch ein riesen Spaß. Omar wollte mir unbedingt Salsa beibringen, was aber selbst nach ein paar Bier mit der Diskomusik nicht gerade in Einklang zu bringen war, und so blödelten wir mehr herum, als dass wir ernsthaft tanzten. In unserer großen Mulikulti-Runde fühlten wir uns alle so wohl, dass uns der Abschied schwer fiel und wir spät in der Nacht noch lange vor der Disko am Gehsteig standen und quatschten, weil keiner als erstes das Taxi nehmen wollte.

Noch jemandem schien der Abschied schwer zu fallen. Omar. Er wartete bis wir zu Hause waren, und Rukmani und Kingyan schon ins Bett gegangen waren, da kam er ins Gemeinschaftsbad und stellte sich neben mir ans nächste Waschbecken um Zähne zu putzen. Ich merkte, wie er mich im Spiegel die ganze Zeit betrachtete, und als er schließlich meinte, dass er es so schade finden würde, dass wir morgen schon wieder fahren, und er mich gerne noch näher kennengelernt hätte, musste ich schnell mein Gesicht waschen, um nicht rot zu werden *gg*.