Sa 19. und So 20. Jänner
Die Frau an der Rezeption war sehr zuvorkommend und freundlich, konnte uns nur leider auch nicht helfen, weil gerade Wochenende war, und im Moment nur der Notfallarzt Dienst hatte. Als ich erklärte, dass ich morgen nach Sanya fliege und ich für meine Freundin dann nicht mehr übersetzen konnte, meinte sie, wir könnten es in dem amerikanischen Privatkrankenhaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite versuchen.
Dort war jedoch nicht einmal in der Rezeption jemand zu finden, und das ganze Hause war wie ausgestorben. Einzig der Wächter wachte auf, als wir hineingingen und meinte, dass wir montags wieder kommen sollten. Auf unsere Frage wie teurer das Krankenhaus denn war, als das öffentlichlich war, fragte er nur woher ich war, und gab mir dann auf meine Frage nach den Arztkosten die Antwort…. Du bist ja Österreicher.
Jaja, ich weiß eh, wir haben auch alle einen Geldesel zu Hause stehen, und einer Goldeier legende Gans ;-)
Unverrichter Dinge gingen wir dann eben wieder nach Hause, und nahmen unser nächstes Projekt in Angriff: Gummistiefel für Rukmani. Wir fanden schlussendlich auch recht schlichte, schwarze Stiefel, mit denen sie dann auf unserem Spaziergang um den See in jede Pfütze sprang die sie finden konnte. Je größer, desto besser. Nur Kingyans Vorschlag den See auszuprobieren, gefiel ihr dann doch nicht ganz. Vom See konnte man zwar wegen dem vielen Regen und Nebel kaum was sehen, aber Ruks hatte ihren Spaß mit ihren Gumboots und Kingyan dabei sie zu fotografieren.
Am Abend machten wir uns dann so gut es eben unser beschränktes Backbag-Gepäck zuließ, frisch für den Abend. Ich hatte ja nicht einmal ein schickes T-shirt um auszugehen. Alles was ich auf die Reise eingepackt hatte, musste praktisch und warm sein. Das einzige sexy Teil das ich im Rucksack hatte, war mein Bikini, den ich für Sanya mitgenommen hatte, und der war dann doch auch wieder nicht diskotauglich.
Der Bruder irgendeines anderen Schweizer Kollegen von Kingyan, der gerade auch in Hangzhou war, hatte Geburtstag und wir waren alle eingeladen als VIP-Gäste in eine Disko, in der ein anderer Schweizer Manager für die Ausländer war. Von wegen, die Schweiz hätte keine Kolonien *gg* die scheinen ja ganz Hangzhou übernommen zu haben *gg*. Die Party wurde flüssig, laut und lustig und nachdem wir irgendwann in der Früh fast in einen Streit mit irgendwelche Russen verwickelt worden wären, ging die ganze Gruppe ohne Rukmani, die schon um 12 nach Hause gefahren war, in ein Restaurant neben dem Disko Huoguo (chinesisches Fondue/Hotpot) essen.
Im Topf, der in der Mitte des Tisches eingelassen war, gab es zwei Hälften, eine klare Suppenbrühe und eine rote, scharfe Suppe. Irgendwer hatte dann die brillante Idee die neutrale Suppe mit der gefährlich roten zu mischen, und so brannte uns allen Mund und Lippen bis wir fertig waren mit essen. *gg*
Morgens nahmen Kingyan und ich dann ein Taxi zurück zur Jugendherberge, wo ich mich eine halbe Stunde hinlegte und dann duschen ging. Die kalte Luft in der Dusche trug bestens dazu bei, dass ich wieder wach wurde um meinen Rucksack für den Flug nach Sanya zu packen.
Ich war gerade dabei meine Haare zu frottieren, als Anna mich anrief, dass sie kein Visum für China bekommen würde, und man sie nicht fliegen lassen würde.
Was sollte ich machen? Fliegen und vielleicht 8 Tage alleine in Sanya herumsitzen, oder hierbleiben im regnerischen Hangzhou und meinen Flug verfallen lassen.
Gedankenverloren packte ich meine Sachen in den Rucksack, bis Anna mich ein zweites Mal anrief, dass sie nun zumindest bis Hongkong fliegen konnte, wo sie das Visum dann beantragen konnte, und dann wahrscheinlich einen Tag später als geplant nach Sanya kommen konnte. Unser gemeinsamer Urlaub schien gerettet zu sein :- )
Kingyan, der noch immer ganz benommen war, und Ruks brachten mich dann zum Taxi. Als der Zeitpunkt gekommen war, dass ich mein Trio verlassen musste, und vor allem Kingyan nicht mehr an meiner Seite war, wurde mir auf einmal ganz flau im Magen. Ich wusste, dass ich das auch alleine kann, aber ich hatte mich in letzter Zeit schon so daran gewöhnt, dass wir alles gemeinsam organisieren und gemeinsam gegen die ganzen Gauner ankämpfen die uns hier übers Ohr hauen wollen, dass ich mir nicht vorstellen konnte, das jetzt alles ohne ihn zu machen.
Aber wie immer wenn ich ein bisschen Glück brauche, kam von irgendwo wieder ein Glücksengel her, und ich erwischte einen ehrlichen Taxifahrer, der mich noch dazu total schnell zum Flughafen brachte. Auf der Autobahn fuhr er Schlangenlienen, und machte aus 2 Spuren 3, um zwischen 2 anderen Autos hindurch zu düsen, echt schlimmer als Cameron Diaz in „Die Hochzeit meines besten Freundes“ Aber es war lustig, und ich war in der halben Zeit, die in meinem Reiseführer angegeben war, am Flughafen.
Dort hatte ich gleich ein weiteres Mal Glück. Denn ich hatte mein Schweizer Messer, das mir Mama einmal geschenkt hatte vergessen in den großen Rucksack zu geben, und als ich dann mit dem kleinen durch die Sicherheitskontrolle ging, forderten die mich auf, das Messer herzugeben. Doch ich musste so traurig dreingeschaut haben, und wahrscheinlich half der Bonus „blonde Haare“ wieder mal, sodass sich eine Stewardess meiner annahm und mich zurück durch den Sicherheitscheck in den Gepäcksraum des Flughafen führte, wo die Männer gerade dabei waren, die Koffer für Sanya bereit zu machen. Sie steckte mein Messer in meinen Rucksack und begleitete mich wieder zurück zur Kontrolle, wo mir der Wachbeamte zuwinkerte und mir einen guten Flug wünschte.
Hainan sah von oben aus, wie eine große grüne Insel, überzogen von einem dichten Dschungel, der nur durch kleine Dörfer, Bananenplantagen und Reisfelder durchzogen wurde. Dann schwenkte das Flugzeug über dem Meer und flog zurück zum südlichsten Punkt China. Sanya.
Im Flugzeug saß ich neben einem jungen Mann, der mir seine Visitenkarte überreichte und mir erzählte, er würde zu irgendeiner Geschäftsbesprechung nach Sanya fliegen. Am Flughafen kümmerte er sich dann auch so lieb darum, dass jemand die Adresse, die auf meinem Ausdruck der Hotelreservierung leider in Englisch geschrieben war, von jemandem in chinesische Zeichen übertragen wurde. Als er niemand finden konnte, der sich auskannte, nahm er selbst sein Handy heraus und rief beim Hotel an.
Er verhandelte den Preis eines Taxis für mich auf 40 Yuan, was 10 Yuan unter dem Taxometerpreis lag, schaffte meinen riesen Rucksack, den er unbedingt tragen wollte ins Taxi und verabschiedete sich mit einem Lächeln. Neben den ganzen Gaunern die in diesem Land zu Hause sind, gibt es auch ein paar, die mich wie kleine Engel begleiten und auf mich aufpassen, und mir helfen, wann immer ich sie brauche.
Ich saß mit einem großen Lächeln im Taxi, und freute mich, dass das Leben so gut zu mir war. Die warme Luft wehte beim Taxifenster rein, die Straße war gesäumt von Palmen und Blumen und der Taxler hatte irgendeine chinesische Musik im Radio, die aber trotz allem nach Süden, Sommer, Sonne und viel Spaß klang.
Ich fand der Urlaub hier mit Anna fing schön an, auch wenn sie noch gar nicht da war.
Als der Taxifahrer mich dann auf ein Date einladen wollte, erzählte ich ihm, dass heute Abend mein Boyfriend kommen würde, und fühlte mich irgendwie an den Spanienurlaub zurückerinnert, als Mama, Nici und ich Weihnachten unter Palmen verbrachten, und uns die Männer so oft auf Dates einluden, dass wir irgendwann aufhörten zu zählen.
Angekommen in Hotel, checkte ich ein, und da sie für die heutige Nacht leider kein Doppelzimmer mehr frei hatten, legten sie mich in ein Viererzimmer, in dem sonst niemand war. Ich suchte mir das gemütlichste der 4 Betten aus und schlief bis zum Abend. Dann machte ich mich nochmal auf den Weg um was zu Essen zu kaufen, und ein bisschen in der warmen Nachtluft am Strand spazieren zu gehen, vorbei an Obstständen, Perlenverkäuferinnen, und wieder zurück zum Hotel. Morgen würde ich meine zweite, bessere Hälfte endlich wieder sehen :-)
Ich konnte es ja schon gar nicht mehr erwarten, dass sie endlich da war.
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