Dienstag 29. Jänner 2008
Heute machten wir uns durch die Menschenmassen hindurch, auf den Weg zur East-Trainstation um den Zug nach Hongkong zu nehmen. Der Bahnhof war voller Menschen, die auf Zeitungen saßen, mit den Kopf auf ihrem Gepäck schliefen, andere, die genervt herumschrien und einer Menge Soldaten, die die Menschen daran hinderten in den zweiten Stock des Bahnhofs zu gehen. Der Boden war gepflastert mit hinterlassenem Zeitungspapier, achtlos weggeworfenem Müll. Ruks musste alle paar Meter die Rollen von ihrem Koffer wieder von irgendetwas das sich verfangen hatte, befreien.
Kingyan und ich waren froh, unser Gepäck auf dem Rücken zu tragen, und uns zwischen den Menschen hindurch quetschen zu können. Unser Zugticket war dann unsere Durchlasskarte in den zweiten Stock, wo wir auf den Zug nach Hongkong warteten. Kingyan schien das Ganze zu viel geworden zu sein, und er setzte sich lieber auf die Bänke, anstatt mit uns nochmal in das Getümmel runter zu gehen, etwas im KFC zum Essen aufzutreiben. Ruks und ich aber setzten uns in den KFC, den wir gleich neben der Absperrung gesehen hatten und aßen etwas, quatschten über die Zeit, die sie in Shanghai und Hangzhou verbracht hatten und ich erzählte ihr von Sanya.
Als ich dann für Kingyan eine seiner geliebten Eggtarts mitnahm, heiterte sich auch seine Laune wieder auf, und wir setzten uns schließlich in guter Aufbruchstimmung in den Zug nach Hongkong.
Auf unserer Fahrt sahen wir die Landschaft vor dem Fenster sich langsam ändern, die Bahnhofstationen waren nicht mehr in den am Mainland gebräuchlichen Kurzzeichen angeschrieben, sondern in den traditionellen chinesischen Zeichen, die sich in Hongkong, Macao, und Taiwan noch bewahrt haben. Die Umschrift, die unter den Zeichen stand, klang alles andere als Putonghua.
In Hongkong angekommen gingen wir durch den Zoll, und Kingyan und ich bekamen ohne großes Fragen, ein Visum für 3 Monate ausgestellt, obwohl wir es gar nicht für so lange beantragt hatten, und Ruks, mit ihrem indischen Pass, bekam nicht einmal ein Visum für einen Monat, sondern musste sich mit 2 Wochen zufrieden zu geben.
Doch da war nichts zu machen.
In der Wartehalle wurde dann Ruks von ihrem indischen Freund Rohed abgeholt und Kingyan und ich von seiner Mami. Sie lud uns gleich auf einen Kaffee ins Starbucks ein, half uns Hongkonger SIM-Karten zu kaufen, da unsere chinesischen hier nicht funktionierten, zeigte uns einen Bankomat um Hongkong Dollar abzuheben.
Dann fuhren wir hinaus aus der Stadt zu ihrem Haus in DB (Discovery Bay), ursprünglich als Ferienort konstruiert, glaubte man an einer Urlaubsdestination anzukommen. Es war nicht erlaubt mit dem Privatauto in das Gebiet hinein zu fahren. Das einzige Verkehrsmittel war ein Bus, und kleine elektrobetriebene Golfcars, mit denen die Leute innerhalb DBs herumdüsten. Das Haus selber war hell und freundlich, und Kingyans Mama hatte uns schon in 2 Zimmern Betten hergerichtet. Eines für mich im größeren Zimmer gleich neben dem Bad, und eines für Kingyan im Dachboden. Sie legte uns Handtücher und sogar Duschseife und Shampoo bereit, und ließ uns uns erst mal frisch machen. Dann saßen wir noch eine Weile mit ihr im Wohnzimmer, und sie erklärte uns, was wir in Hongkong und DB so alles machen könnten.
Kingyans Mama ist eine junggebliebene, aufgeweckte Frau, die mit ihrem Charme jeden um sich herum, in ihrem Bann zu ziehen schien. Sie war so lieb und herzlich, und gab nicht nur Kingyan, sondern auch mir das Gefühl hier willkommen zu sein. Auch ihr Freund, der später von der Arbeit heimkam begrüßte uns herzlich und hieß uns willkommen. Wir tranken alle gemeinsam ein Glas guten Rotweins und stießen an auf das Wiedersehen von Kingyan und seiner Mama nach 7 Jahren und auf eine gute Zeit in Hongkong :- )
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