Montag 28.Jänner 2008
Nachdem ich noch eine Weile an diesem hübschen Flughafen gesessen war, ging ich hinüber zum Flughafen, von dem landesinterne Flüge abgingen. Dort saß ich dann den restlichen Tag neben laut quatschenden Chinesen und versuchte das Räuspern und Spucken auf allen Seiten zu ignorieren. Als mich dann jedoch ein Kind anpinkelte, verlor ich meine Geduld und begann am Flughafen auf und abzuwandern.
Chinesische Kinder haben ja im Normalfall keine Windeln oder Pampers an, sondern tragen so lustige Hosen, die zwischen den Beinen einen Schlitz haben, der sich öffnet, wenn das Kind in die Hocke geht, und aus dem man bestens herauspinkeln, ja sogar kacken konnte. Und diese Frau eben neben mir, hatte ihrem Kind, das auf ihrem Schoss saß, einfach im hohen Boden vor sich auf den Boden pinkeln lassen. Dass sie dabei mich mit vollspritze war ihr egal. Die Putzfrau kam dann irgendwann mit ihrem Wischmopp aber ohne Wassereimer und verwischte das ganze einfach auf dem Boden, bis die gelbliche Lache über den ganzen Boden verteilt war, und so dann bald trocknete.
Nach dem Einchecken fand ich dann in der Wartehalle keinen Sitzplatz mehr, da auf dem Festland offenbar plötzlich arge Winterstürme ausgebrochen waren, und viele Passagiere auf ihre verspäteten oder verschobenen Flüge warteten. Und da traf ich dann ein Frau aus Xingjian, die mir neben sich auf der Bank noch Platz machte, und mit der ich dann ganz lange redete, bis mein Flugzeug zum Einsteigen bereit war.
Sie war um die 50, vielleicht sogar ein bisschen älter, ich durfte sie „Ayi“ (Tante) nennen, und als ich dann ging, wünschte sie mir „Gute Reise mein Kind“…
Der Flug war dann ein bisschen wackelig, und ein paar mal dachte ich, dass wir das wohl nicht überleben werden. In dieser komischen Stimmung, und dem Flugzeug, das dauernd in irgendwelche Luftlöcher fiel, dachte ich an meine Lieben, und was ich ihnen wohl noch zu sagen gehabt hätte, wäre das Flugzeug dort abgestürzt. Doch dann landeten wir Gott sei Dank sicher in Guangzhou und sah dort auch schon Kingyan und Rukmani auf mich warten :-)
Die beiden waren zum Flughafen gekommen mich abzuholen. Kingyan schulterte nach einer Begrüssungsumarmung gleich meinen riesen Rucksack, und Rukmani und ich gingen Arm in Arm hinter ihm her zum Bus. Ich war froh, dass die beiden da waren, und irgendwie hatte ich das Gefühl, einen Teil meiner Familie wiederzusehen.
In Guangzhou saßen gerade eine halbe Million Menschen in den Bahnhöfen fest, und Kingy und Ruks hatten es am Nachmittag gerade noch geschafft, ein paar Zugtickets nach Hongkong zu bekommen. Wieder einmal waren unsere Schutzengel im Einsatz. Denn wie wir später erfuhren, war das einer der letzten Tage, an denen die Situation noch einigermaßen unter Kontrolle war. Da die Chinesen wie jedes Jahr zu ihrem Neujahr nach Hause fahren wollten, was in ihrer Tradition noch viel wichtiger ist, als bei uns gemeinsam Weihnachten zu feiern, sammelten sich Massen von Leuten um die Bahnhöfe, und konnten aber auf Grund des vielen Schnellfalls in Regionen des Landes, wo es kaum je geschneit hatte, nicht weiterbefördert werden. Züge wurden gecancelt, die Ticketschalter geschlossen, zu den schlimmsten Zeiten schlugen 8 Millionen Menschen in der Region um Guangzhou Trainstation ihr Lager auf. Die Helfer taten laut Fernsehen ihr möglichstes das Chaos zu lindern. Das Heer war im Großeinsatz um die Bahnlinien freizuschaufeln, und doch schien die Hoffnung immer geringer zu werden, dass die Leute vor ihrem Neujahr noch nach Hause kommen würden.
Doch uns betraf das Gott sei Dank im Moment nur am Rande. Wir schlängelten uns durch die Menschenmassen auf der Straße zu unserem Hotel, wo wir in gewohnter Dreisamkeit die Nacht verbrachten. Als wir dann alle in den Betten lagen, dick eingepackt, da das Hotel, wie fast alle Häuser im Süden Chinas keine Heizung hatte, schlief ich mit kalten Zehen, aber ganz warm im Herzen ein und dachte an die Worte der beiden zur Begrüssung. "Hey sweetie, we are so happy to have you back with us". Und ganz plötzlich hatte ich das Bedürfnis Gott einmal für eines der größten Geschenke zu danken, die man auf dieser Erde bekommen kann, gute Freunde. Wie schön war es doch, an einem Ort sich von einer wunderbaren Freundin zu verabschieden, und an einem anderen Ort wieder von lieben Freunden empfangen zu werden...
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