Samstag, 9. Februar 2008

Harbin's Frozen Beauty

Mittwoch 9.Jänner 2008

Nach einer Nacht in den obersten zwei Betten in einem Hard-sleeper-Abteil, in dem wir von unserem Abteilnachbarn mit Peking Oper als GuteNacht-Musik verwöhnt wurden, wachten wir am Morgen in der Nähe von Harbin auf. Im Korridor war es schon merklich kälter und das Fenster war auf der Innenseite mit Eiskristallen überzogen.

Wir packten uns in unsere Thermoswäsche ein, legten 4 Schichten Pullover übereinander an, Ohrenschützer, 2 Schals, Handschuhe und 3 Paar Socken und wagten uns in die Kälte. So eingepackt watschelten wir durch den Bahnhof zum Ausgang, wo wir uns ein Taxi zum Studentenwohnheim nehmen wollten, in dem Leo und die Russen auf uns warteten. Sobald wir aus dem Bahnhofsgebäude kamen, rannten uns schon ein paar schreiende Chinesen entgegen die uns zu ihren Taxis bringen wollten. Wir fragten nach Dabiao (Taxometer) und als schließlich einer einwilligte, gingen wir mit ihm zu seinem Taxi, das sich gar nicht als seines herausstellte, sondern das eines anderen Fahrers war. Wir stiegen ein und verlangten nochmals nach dem Taxometer. Der Schreihals der uns hergebracht hatte, nickte zustimmend, machte aber zum Taxifahrer ein Pssst- Zeichen und zwinkerten ihm zu .Das Taxi war innen vergittert, und irgendwas schien hier krumm zu laufen. Als Ich Kingyan von den geheimen Zeichen erzählte, die sich die beiden gaben, packte der mich am Arm und sprang wieder aus dem Taxi. Völlig entzürnt schrie der Mann der uns hergebracht hatte den Taxifahrer an, und trat mit seinen dicken, schwaren Stiefeln gegen das Auto. Kingyan und ich sahen uns an, und waren froh, nicht mitgefahren zu sein. Wer weiß, wo der uns hingebracht hätte.

Unter den anderen Taxlern, die herumstanden, suchten wir uns einen, der ruhig in seinem Auto saß und auf Kundschaft wartete und fuhren mit dem zur Uni, die uns Leo angegeben hatte. Dort angekommen bezogen wir ein Minizimmer im Wohnheim, legten unsere schweren Rucksäcke ins Bett und machten uns gemeinsam mit Leo und den Russinnen auf zu einem Tempel.

Eisige Kälte schlug ins entgegen sobald wir aus dem Bus ausstiegen. Man hatte das Gefühl als würde tausend unsichtbare Nadeln die Gesichtshaut attackieren und in den Zehen und Fingern hatte man bald gar kein Gefühl mehr. Ich kaufte mir Einlagsohlen für meine Schuhe, doch die beißende Kälte ging durch alle Schichten.
Mit klammen Finger und eingefrorenen Nasen gingen wir schließlich in einen Souvenirladen neben dem Tempel, in dem 2 Stöcke voller Buddah-Statuen zum Verkauf ausgestellt waren. Wir schauten uns jede einzelne der Statuen „ganz interessiert“ an, bis zumindest das Gefühl in den Zehen wieder kam, un machten uns dann auf die Suche nach einem KFC, wo wir zu Mittag aßen.

Nachmittags wollten wir eigentlich eislaufen gehen, doch der Eislaufplatz den man uns als öffentlichen Eislaufplatz angegeben hatte, war nur für professionelle Eisschnellläufer Wir schauten dem Team das gerade beim Training war eine Weile zu und nahmen dann ein Taxi ins Stadtzentrum.

Kingyan und ich erwischten diesmal einen sehr netten und hilfsbereiten Taxifahrer, der uns alles mögliche von der Stadt erzählte und uns schließlich zu einem Natureislaufplatz auf dem zugefrorenen Fluss brachte. Dort rutschten wir ein wenig herum, schauten den Verrückten zu, die eine Rodelbahn aus Eis hinunterrauschten und gingen dann auf der Flucht von den Pferdekutschenfrauen, die uns unbedingt zu einer Fahrt auf dem zugefrorenen Fluss bringen wollten, wieder zurück in Richtung der mit Eisskulpturen gesäumten Fussgängerzone.

Als es dann schon bald dunkel war, wollten wir uns ein Taxi zur Eisriesenwelt nehmen. Doch dies war leichter gesagt als getan, wenn man nicht den 4-fachen Preis bezahlen wollte.
Wie wir von dem netten Taxler, der uns hergebracht hatte wussten, würde das Taxi höchstens 2 Euro kosten, doch die Chinesen sahen Ausländer, witterten Geld und plötzlich war der Preis 8 Euro.

Als wir schließlich einen Taxler fanden, der uns für 2 Euro hinbrachte, wollte der uns gleich auch für die Rückfahrt das Geld im Vorhinein abknöpfen… er würde dann auf uns warten…
Jaja, wer’s glaubt wird selig. Wir lehnten sein „super“ Angebot dankend ab, und stiegen aus um uns die Eisriesenwelt anzusehen.

Das war ein großer Park in dem einige der berühmtesten Gebäude der Welt in Echtgröße aus Eis nachgebaut waren. Neben historischen Gebäuden wie der Akropolis, der Westminster Abbey, der chinesische Mauer und der verbotene Stadt, gab es auch irgendeinen modernen Tower, eine Riesencolaflasche, die Maskottchen der Olympiade und zu Kingyans Freude ein paar Porsche aus Eis. Beleuchtet durch verschiedenfarbige Lichter, boten diese Eispaläste einen atemberaubenden Anblick, der einen sogar für kurze Zeit, die immer noch klirrende Kälte vergessen lies. Als ich irgendwann meine Zehen kaum mehr spürte, setzen wir uns in das Eiskaffee, wo ich meine Schuhe auszog und meine Füße an der Kaffeetasse wärmte.

Durch hartnäckiges Verhandeln schafften wir es sogar anschließen ein Taxi für 3 Euro zurück zu unserem Wohnheim zu bekommen, wo wir bei Tee und Knabbergebäck von unserem ersten Tag in eisiger Kälte erholten.

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