Sonntag, 30. März 2008

Ein außergewöhnlicher Freitag

Freitag 28. März 2008

Während die letzten Tage alle nach dem gleichen alltäglichen Schema abgelaufen sind, war der heutige Freitag mal wieder ein ganz besonderer Tag.
Unter der Woche ging ich jeden Morgen zur Schule, lernte dann Vokabeln, machte Hausübungen, ging um halb 4 in den HSK-Kurs und anschließend mit Helene ins Fitnesscenter. Da wir immer auf Französisch kommunizierten und sie mich immer korrigierte, wenn ich Fehler machte, war das zugleich Fitness für Körper und Kopf.

Nach dem Sport suchten wir uns dann irgendwo einen Platz in der überfüllten Gemeinschaftsdusche. Während das für uns Europäerinnen ja schon ein etwas seltsames Gefühl ist, da plötzlich mit 20 anderen Frauen nackig in den Duschen und Umkleiden herumzurennen, scheint das für die Chinesinnen gar kein Problem zu sein. Da es in den Wohnheimen der Chinesen meist keine Duschen gibt, viele Haushalte nach wie vor keine ausreichende Wasserversorgung haben, oder auch einfach um das Wasser zu Hause zu sparen, sind es die Chinesinnen von klein auf gewöhnt, in den öffentlichen Duschhäusern, alle gemeinsam zu duschen, sich gegenseitig den Rücken von alter Haut zu befreien, und währenddessen allerhand Tratsch zu verbreiten. Ich hatte mich ja, als ich in Dalian angekommen war, oft gewundert, warum hier dauernd irgendwelche Mädchen mit so kleinen Körben herumrennen, in denen sie ihr Duschgel und andere Duschutensilien herumtragen. Ich hatte damals noch so ahnungslos gefragt, ob die denn kein Badezimmer zu Hause hätten, doch was ich zu dieser Zeit eigentlich eher im Spaß gemeint hatte, kam der Wahrheit sehr näher als ich gedacht hatte.

Nach dem Sport lernte ich dann jeden Tag noch bis 1 oder 2 und ging dann, nach einem weiteren, bis zum Rande vollgepackten Tag ins Bett.
Doch der heutige Freitag sollte anders werden. Er war zwar ebenso vollgepackt, aber um einiges abwechslungsreicher.

Nach unserem Unterricht am Vormittag trafen sich Rukmani, Kingyan, Helene und ich, um gemeinsam einkaufen zu gehen. Ruks und ich führten Helene und Kingyan zu den Geschäften, die uns Hongying letzten Freitag gezeigt hatte. Ich machte einen anderen Frühlingseinkauf, nach dem sich mein Kleiderkasten wieder sehen lassen konnte, und dank hartnäckigem Verhandeln und Vergleichen, auch meine Geldbörse nicht eine gar zu radikale Diät erleiden musste.
Kingyan war zwar nicht so begeistert und fand nichts was er nehmen wollte, doch wir 3 Mädels fühlten uns wie im Schlaraffenland. Anschließend probierten Ruks und ich zu Hause unsere neuerstandene Frühlingskollektion an, und machten einen Haufen Blödelfotos in unseren neuen Kleidern.

Fast wäre ich dann zu spät zu unserem Klassenessen gekommen. Unsere ganze Klasse hatte sich heute Abend zum Essen verabredet. Im Gegensatz zu unserer letztjährigen Klasse, sind wir dieses Semester eine sehr „europäische Klasse“ zumindest wenn man die Russen auch zu den Europäern zählt. Wir aßen das feine koreanische Barbecue, von dem zwar hinterher die ganze Kleidung unglaublich nach gekochten Zwiebeln, Fett und der scharfen Soße riecht, aber sooooo lecker ist,dass man das gerne verzeiht, hatten Tintenfischringe, und Kimbab. Während ich anfangs als ich gerade nach China gekommen war, davon kaum etwas essen konnte, alles entweder zu viel nach Meer schmeckte oder viel zu scharf war, hatte sich mein Geschmack nach und nach daran gewöhnt, und jetzt war ich es, die fragte ob wir nicht ein scharfes Barbecue statt dem normalen haben könnten.
Irgendwie haben sich meine Geschmacksnerven bereits sowohl an scharf, Zwiebeln und Knoblauch gewöhnt und als auch an süß und Zucker. Während mir das Brot das Joghurt und der Kaffee anfänglich alles viel zu sehr gezuckert vorkamen, kann ich mich jetzt nicht mehr an den neutralen Geschmack unseres Toastbrotes erinnern und alles kommt mir nicht mehr so süß vor.

Nach dem Essen spielten wir Stille Post und die chinesischen Anfangssätze deformierten sich, erschwert durch diese 4 verschiedenen Töne der chinesischen Sprache, einfach immer so gewaltig, dass am Schluss nicht mehr viel vom ursprünglichen Sinn übrig geblieben war. Anschließend versuchten wir es mit Pantomime, was auch in riesigem Gelächter endete, aber sehr unterhaltsam war.

Ich musste dann leider etwas verfrüht gehen, weil ich mich, bevor wir alle zusammen zu Alex Geburtstag ausgingen, noch mit Marie treffen wollte. Wir gingen gemeinsam ein Schokoeis kaufen, und setzten uns mit guter Musik und noch besserer Laune zu mir ins Zimmer. Ich führte ihr gleich meine neuen Sachen vor, und wir machten schon Pläne, wann wir uns wohl, nachdem ich heimgegangen bin, wieder sehen könnten.

Um 10 musste Marie dann nach Hause in ihr Wohnheim und ich machte mich für den Abend hübsch. Da ich sowie kein großer Fan von Make-up und sonstigem Krimskrams bin, war das auch relativ schnell wieder erledigt und Mate, Ruks und ich, kamen zwar mit dem letzten Taxi, aber doch noch rechtzeitig, um mit den anderen in den Club LOVE zu gehen, den Alex für ihre Geburtstagsfeier ausgewählt hatte.

Etwas abgeschreckt von dem komischen Namen und der kitschigen Beleuchtung waren wir uns nicht ganz sicher, wie dieses Geburtstagsfest wohl werden würde. Doch entgegen aller Befürchtungen wurde der Abend total genial. Nachdem es 5 Euro-Open bar gab, stießen wir zuerst mal mit allen möglichen aus unserer Gruppe auf die Freundschaft und Alexs Geburtstag an. Da Alex auch in der English- Futur- School arbeitet, waren viele von den Briten, und Amerikanern dabei, mit denen Mate, Mourad, Ruks, Leo und ich sonst nicht so viel zu tun haben.

Auch dieser eine amerikanische Blondi aus Washington DC, der Star aller koreanischen Mädels war da. Seit er bei uns auf der Schule ist, sind alle Koreanerinnen total hin und weg, und wenn er sich über den Hof bewegt, dann gleitet neben, vor und hinter ihm eine Masse quieckender, schwarzhaariger Koreanerinnen mit ihm mit, die alle um ein Stück kleiner sind als er. Tja, für eine amerikanische Staatsbürgerschaft, da zieht sich dann natürlich jede noch die kürzeren Röcke an, wobei das Lustigste an der Sache dann ist, wenn er aus der schwarzen Menge heraus, Alex, Gaby oder mir winkt, wo doch keine von uns Ende Winter einen Minirock trägt.
Doch heute fasste er sich mal ein Herz und verschwand gleich mit einer der hübschesten Koreanerinnen Richtung Tanzfläche. Die Musik war wirklich nicht schlecht, zumindest für chinesische Diskoverhältnisse, und so zog es auch den Rest von uns bald dorthin. Während wir anfangs noch in der großen Gruppe tanzten, bildeten sich nach und nach immer mehr Pärchen, die mehr oder weniger eng umschlungen auf der Tanzfläche herumshakten.

Ich redete gerade noch mit Mourad da stand plötzlich dieser hübsche, sportliche Koreaner hinter mir, und ich verstand eigentlich auch nicht genau wie das passierte, aber plötzlich waren wir auch eines dieser shakenden Pärchen. Wir hatten eine riesen Gaude dabei miteinander ein Lied ums andere zu tanzen, als wären dazwischen gar keine Pausen und ich konnte noch weniger verstehen wo dann die Zeit plötzlich so schnell hingeflogen war, als Ruks und Mate um halb 4 kamen um mich von der Tanzfläche zu holen, weil alle müde waren und heimgehen wollten. Es war so lange her, dass wir das letzte Mal alle zusammen ausgegangen sind, die Musik nicht zu laut und nicht zu leise war, der DJ ganz okay, die Stimmung ausgelassen und frech, …wir beschlossen einstimmig, als wir alle vor der Disko auf das Taxi warteten, dies baldmöglichst zu wiederholen.

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