Donnerstag 28.Februar 2008
Seit ich zurück bin von meiner Reise, scheint hier in Dalian fast jeden Tag die Sonne. Obwohl es immer noch kalt ist, und der Wind geht, sodass selbst die best- fixierte Frisur sich nach ein paar Minuten verabschiedet, Kleider die man draußen zum Trocknen aufhängt hat, zu Segelfliegern werden und in Nachbars Garten wieder zu finden sind, merkt man, dass der Frühling langsam kommt. Vielleicht haben die Chinesen mit ihren immensen Böllerschlangen, die sie nun 3 Wochen lang abgefeuert hatten, den Winter nun endgültig vertrieben. Teilweise wachte man ja um 6 Uhr morgens auf und glaubte der Krieg wäre ausgebrochen, so ein Trommelfeuer lag über der Stadt. Die Menschen legten diese ewig langen Böllerschlangenrollen in der Wiese auf, hängten sie über den Balkon hinunter, oder machten die Straßen damit unsicher.
Dieser Brauch, dient soweit ich das mitbekommen habe, um die bösen Geister des alten Jahres zu verscheuchen und die Monster Danian und Xiaonian zu vertreiben, die an Neujahr aus dem Meer kommen um die Menschen zu fressen.
Falls ihr euch am Tag nach unserem Neujahr über die Raketenreste in euren Gärten geärgert habt. Schaut euch das Foto vom Garten vor Kingyans Wohnhaus an. Das Schwarze ist nicht etwa ein Farbfehler meines Apparats, sondern verbrannte Wiese, die den Böllerschlangen zum Opfer gefallen war.
Während die Chinesen eifrig damit beschäftigt waren, die Monster zu verjagen, setzten Leo, ich, und seit er wieder aus Hongkong da ist auch Kingyan, uns in unser neu entdecktes Starbucks in einem Bürogebäude der Japan und Korean Airlines und lernten. Da die Büromenschen nur in ihren Pausen und nach Dienstschluss schnell einen Kaffee nahmen und dann wieder verschwanden, hatten wir das Cafe fast für uns alleine. Ruks wollte in letzter Zeit nicht mehr mitkommen. So lieb sie ist, und so gern ich sie habe, in der letzten Woche brauchten wir glaub beide ein bisschen Abstand von voneinander.
Und so gingen Leo, Kingyan und ich unserer Wege, und sie ihre. Abgesehen davon, war sie eh nicht so die begeisterte Lernerin und ging lieber mit Mourad shoppen.
Leo und ich organisierten einen Billiardabend, zu dem ich meine chinesische Freundin Hongying einlud. Ruks, sie und ich spielten auf einer Bahn, und die Boys, Mourad, Leo, Tajiri und sein japanischer Freund auf der anderen. Wir hatten eine Menge Spaß, selbst wenn unsere Punkte im Durchschnitt immer nur die Hälfte der, der Jungs waren.
Hongying wollte an diesem Abend bei mir schlafen, da das Chinesenwohnheim 10 Uhr Abends schließt. Da Xiaxi damit einverstanden war, dachte ich, dass das keine große Sache sein sollte. Doch als wir am Guard vorbei in unser Wohnheim gingen, hielt der uns auf, und ließ nicht mit sich reden, Hongying hier übernachten zu lassen. Ich wünschte den anderen also eine gute Nacht und nahm Hongying bei der Hand um mit ihr noch irgendwo etwas trinken zu gehen. Doch Leo wollte mich nicht alleine lassen und brachte den Vorschlag wir könnten in das Teehaus gehen, in dem wir vor ein paar Tagen mit Julian, Tina und Mourad waren, und uns dort auf seinem Laptop Filme anschauen bis das Wohnheim um 6 wieder aufmacht. Und so machten Hongying, Leo, Mourad und ich In diesem Teehaus bezahlt man 1,8Euro, dass man dort sein kann, und kann dann den ganzen Abend bis zum Morgen Tee trinken. Neben normalen Tee haben sie auch diese Milkbubbeltees, Kaffee, Sodawasser in verschiedenen Geschmäckern, und sogar Eis und Knabberzeugs. Und so saßen wir dort eben die ganze Nacht, schliefen abwechselnd im Sitzen ein, und gingen dann im Morgengrauen wieder heim.
Und heute, waren wir den ganzen Tag Schi fahren. Die Piste war zwar nicht besonders aufregend, und rund um den beschneiten Teil war alles braun und erdgrün, aber das machte nichts. Denn gemeinsam mit Leo, Julian und Helene wurde der Tag auch ohne tolle Piste total lustig. Helene half mir ganz geduldig mein eingerostetes Französisch wieder ein bisschen aufzufrischen und bot mir an, mir im kommenden Semester zu helfen, wann immer ich Fragen hätte, oder jemanden zum Französisch reden brauche. Total lieb, find ich. Hab ja schon richtig Angst bekommen, dass ich bis ich nach Hause komme, gar nichts mehr kann in Französisch, und die Professoren auf meiner Uni damit gar keine Freude haben werden. Jetzt werde ich eben im nächsten Semester nur eine Stufe höher gehen als ich in diesem Semester war in Chinesisch und mich dafür wieder ordentlich hinter Französisch klemmen. Und dann wird das schon wieder werden.
Wie sagt man so schön. Wo ein Wille da auch ein Weg :-)
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