Donnerstag 13. März 2008
Heute nach der Schule traf ich mich mit Shenjing alias Marie, einer Mitschülerin aus dem Französischkurs, mit der ich abgemacht hatte ein französisches Buch zu lesen.
Da Xiaxi gerade am schlafen war, setzten wir uns gemeinsam in eines der leeren Klassenzimmer und ich versuchte ihr, so gut es ging, den Sinn der Buches zu erklären. Und wieder einmal stieß ich auf das Übersetzungsproblem, dass es Wörter gibt, die man zwar übersetzen kann, aber der Sinn für den anderen dann nicht das widerspiegelt, das es im ursprünglichen Text, eingebunden in einen Kulturkontext bedeutet. Ich konnte zwar den französischen Text verstehen, aufgrund meines eingeschränkten Vokabulars in Chinesisch aber keine Umschreibung finden, die denn Sinn dem ursprünglichen Wort getreu wiedergeben konnte, und sie konnte war das Chinesisch verstehen, meinen französischen Umschreibungen aber nur zur Hälfte folgen, und so gelang es uns schlussendlich zwar etwas Licht in die Sache zu bringen, doch nicht wirklich richtig zu erhellen.
Dafür hatte ich dann eine Erleuchtung, als Marie mir versuchte zu erklären, wie man genau den Unterschied zwischen zh & ch und j & q formen muss, dass er vom Zuhörer auch wahrgenommen werden kann. Während meine Fudao mir ein ganzes Semester lang erklärt hat, wie ich dabei meine Zunge verdrehen muss, und ich es trotzdem nie verstanden habe, bzw. nie nachahmen konnte, schaffte es Marie in einer halben Stunde. Zwar muss ich diesen Unterschied noch immer üben, damit er auch von selbst klar herauskommt, da ich beim Reden nicht jedes Mal dran denke, aber immerhin war das schon mal ein großer Fortschritt.
Da Marie Sprecherin beim Kulturradio ist, trainiert sie ihre Aussprache und ihre Töne selbst auch bis zur Perfektion, und hat in ihrem Chinesisch nicht diesen Dalian-Akzent den viele andere hier haben. Da sie will, dass ich mit ihr irgendeine Kultursendung über Europa mache, oder über Musik aus Österreich, ist sie auch Feuer und Flamme, mir eine gute chin. Aussprache beizubringen, ohne die man selbst mit wunderbarem Vokabular immer ein bisschen wie ein Doofie aussieht. Wir hörten uns auf ihrem MP3 Player Sendungen an, die sie in der letzten Woche moderiert hatte. Total beeindruckend.
Abgesehen davon, dass ich mit ihr gemeinsam sicher unglaublich viel lernen kann, ist sie auch sonst eine der wenigen chin. Mädels mit der ich eine gute Freundschaft schließen könnte. Ich freue mich jedenfalls schon, sie spätestens nächsten Donnerstag wieder zu sehen.
Am Abend ging ich dann mit Helene beim Koreaner essen und sie lud mich ein, wenn ich wieder mal in Frankreich bin, zu ihr nach Paris zu kommen *freu*
Als wir dann fertig waren, stieß Tina noch dazu, die mir meinen USB mit den Fotos die sie die letzten Wochen geschossen hatte brachte. Da meine Kamera leider vielleicht strapaziert von der langen Reise den Geist aufgibt, konnte ich selbst den letzten Monat nur ganz selten Fotos machen. Doch Tina und auch Julian haben mir mit ihren Fotos ausgeholten, damit ich mein Fotoalbum wieder einmal aktualisieren kann.
Anschließend an das Abendessen wollte ich ja ursprünglich mit Hongying essen gehen. Aber da es so stark windete und man kaum gegen den Wind ankam, beschlossen wir stattdessen zu mir zu gehen, und noch ein bisschen zu lernen. Ich hatte noch Fragen wegen ein paar Formulierungen in meiner Hausübung und sie wollte Xiaxi noch was fragen wegen Japanisch. So in Gespräche vertieft übersahen wir ganz die Zeit und plötzlich war es 22:10. Was tun? Hongying konnte nicht mehr zu sich nach Hause ins Heim gehen, da das um 10 Uhr bis morgens um 6 schließt, und dableiben konnte sie eigentlich auch nicht. Da ich aber morgen unbedingt Hausübungen machen musste, wollte ich auch nicht wieder eine ganze Nacht im Teehaus verbringen, und so schlief sie eben über Nacht bei mir im Bett. War schon lange her, dass ich das letzte Mal mit jemanden so ein kleines Bett geteilt hatte, aber da sie Gott sei Dank eine nicht sehr große Person ist, hatten wir gut Platz nebeneinander.
Als wir dann am Morgen gemeinsam frühstückten meinte sie, dass wir nun zu Folge eines alten chin. Sprichworts ein 100-jähriges Band der Freundschaft geknüpft hätten.
十年修得同船渡, 百年修得共枕眼.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen