Montag, 26. Mai 2008

Tianmen - Das Tor zum Himmel

Sonntag 25. Mai 2008


Heute morgen, nach einem traditionell chinesischen Frühstück mit Zhou (Reissuppe) Maismantou (Maisdampfbrötchen) Toufu-Gerichten und Eiern machten wir uns mit dem Bus wieder auf zu unserem nächsten Ziel, Tianmenshan (Himmelstorberg). Wir parkten den Bus bei einem großen See, von wo aus wir einem kleinen Bach folgten, der uns hinein in einen romantischen, lichten Wald in Richtung des Himmelstorbergs führte. Helene und ich wanderten auf den großen Steinen des Baches, sprangen von einem zum anderen und überquerten den kleinen Wasserlauf von einer Seite auf die andere. Im Gegensatz zu gestern hatten wir heute Sonnenschein und strahlend blauen Himmel, die Vögel sangen wieder für uns, und bis auf ein 2-3 Autos die von Zeit zu Zeit den Berg hinausfuhren, waren wir ganz alleine in dieser duftenden Natur. Schmetterlinge kreuzten den Weg vor uns, in den kleinen Wasserlöchern am Wegrand quackten uns lautstark die Frösche entgegen. Bei einem Bauernhof am Wegrand sahen wir kleine lustige Ziegen, die alle auf der zweiten Etage ihres Unterstandes standen um sich die Füße nicht im Dreck darunter schmutzig zu machen. Reinliche Tierchen, das muss man sagen *gg*.

Angekommen am Fuße des Berges, wollte unser Guide nicht mehr weiterlaufen, und meinte wir sollen selber, jeden im Tempo wie er will bergsteigen gehen, und in einer Stunde wieder zurück sein. Einmal entlassen in die Natur, fühlten wir uns frei und glücklich. Leo, Helene und ich sprangen eine alte ein bisschen verkommende romantische Treppe den Berg hinauf. Obwohl wir im Schatten der Bäume liefen, hatten wir bald alle viel zu heiß, doch das war uns egal. Unten hindurch unter herunterhängenden Ästen, hinüber über kleine Wasserläufe, hinauf auf hohe Felsen. Es war als wären wir aus eine Käfig in die Freiheit entlassen worden. Wir erreichten den Gipfel, wo wir Tarzanrufe losließen, die an den anderen Bergen in der Umgebung widerhallten. Am Gipfel trafen wir auch Kingyan wieder, der zuvor einen anderen Weg genommen hatte. Meine Freunde, die Sonne, die Natur, ein paar Schmetterlinge und ich war glücklich J

Eigentlich war die Stunde, die uns unsere Fremdenführerin gegeben hatte ja schon längst um, aber irgendwie scherte uns das heute nicht. Es war es wert, sich eventuell anschimpfen zu lassen. Wir kletterten auf die alten Wettertannen am Gipfel des Berges und fühlten uns dem Himmel so nahe. Tianmenshan, war für uns wirklich ein Tor zum Himmel. Von hier aus konnte man das Tor sogar schon sehen, ein großer Fels der am Berg stand und ein Tor bildete, durch das wir dann hindurch wieder auf die Erde zurück wanderten. Leo ließ sich vom Wasser das vom Himmelstor heruntertropfte waschen, und Helene kletterte auf einen kleinen Gipfel nebenan, von wo sie am liebsten gar nicht mehr herunter gekommen wäre. Ich drehte mich mit ausgestreckten Armen im Kreis und drehte meinen Kopf Richtung Sonne. Mit geschlossenen Augen fing ich die Momente ein, die sich wie viele neue Mosaiksteinchen zu dem Bild glücklicher Momente in meinem Herzen hinzufügten. An der nächsten Wegkreuzung schlossen dann auch Xiaxi, Mitsue und Piaojiaxi zu uns auf, und wir wanderten alle gemeinsam wieder ins Tal, wo unser Guide auf uns wartete. Als sie die großen Smilies auf den Gesichtern ihrer Schützlinge sah, konnte sie gar nicht schimpfen und rief uns nur alle zusammen, in einen offenen Bus zu steigen, der uns wieder hinab brachte zum Ausgangspunkt unserer Wanderung. Am liebsten wären wir eh gar nicht wieder in den Bus gestiegen, doch beim Gedanke ans Essen, ließen wir uns dann schließlich doch von unseren knurrenden Mägen davon überzeugen, dass wir zurückfahren sollten.

Im Hotel aßen wir dann noch ein Abschiedsessen, und zurück ging es wieder. Zurück nach Dalian, das uns mit Smog und einer stickigen Hitze empfing. Für China gilt Dalian als eine der saubersten Städte, mit einer angeblich sehr sauberen Luft, doch als wir von diesem Paradies zurück kehrten, da war der Unterschied erdrückend, und ich verstand mit einem Male, warum ich hier so häufig Kopfweh hatte. Die Stadt war laut, die Menschen hektisch, und egoistisch, aus jedem Laden plärrten ein Lautsprecher heraus, und die Luft war mit sauberer Landluft einfach nicht zu vergleichen.

Blieb nichts als früh schlafen zu gehen, und in den Träumen noch mal zurück zu kehren, zum Tor des Himmels.

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