Montag, 26. Mai 2008

Wer hat an der Uhr gedreht… ist es wirklich schon so spät?

Donnerstag 22. Mai 2008

Und dann, dann musste sich die Erde plötzlich schneller gedreht haben, denn auf einmal waren die Stunden keine Stunden mehr und die Tage nur mehr halb so lang. Ich hatte das Gefühl ich wäre gerade erst aufgestanden, da war auch schon wieder Nacht, und von der ganzen Woche ist mir nicht viel mehr im Kopf geblieben, als ein paar Bilder die wie im Zeitraffer an mir vorbeigezogen sind. Eines davon, ein besonders Schönes, ist unser Crepeessen beim dem Kingyan die Küche stellte, Mourad die Nutella, Helene die Crepes machte und ich, ja ich war nur da um zu essen :-)

Dann sind da zwei Bilder von emotionalen Diskussionen in unserer Kouyu-Klasse. Das eine Mal ging es wieder mal ums Geld, das bei den Chinesen über allem anderen steht, Liebe, Heirat, Scheidung, Lebenseinstellung alles wird vom Geld bestimmt. Ausgegangen war alles davon, dass die Kinder dagegen sind dass ihre Eltern wenn sie verwitwet sind, wieder Heiraten… aus Erbgründen natürlich. Da wäre das Erbe ja eventuell wieder aufzuteilen. Dann ging das Thema in Richtung unserer eigenen Partner und ob Geld dabei eine Rolle spielte, und sowohl die Lehrerin als auch meine koreanischen Mitschülerinnen, schauten mich an, als ob ich vom Mond wäre, als ich sagte, dass ich nicht daran glaube, dass es wichtig ist wie viel Geld jemand schon mit in eine Beziehung bringt, sondern wenn überhaupt, wie viel Motivation, Elan und Energie der Mensch hat, dann gemeinsam sich etwas aufzubauen.
Also was diesen Europäern nicht einfällt. Wie kann man auch vom obersten Gott Geld, nach dem hier ein Großteil der Menschen ihr Leben richtet, den sie öfters huldigen als selbst der gläubigste Muslim Allah, so ohne Respekt reden. Das ist auch wirklich ein Frevel…

Ein anderes, aber ebenso denkwürdiges und interessantes Bild entstand wieder in einer Kouyu- Stunde als wir über Kinder, Kindererziehung und schlussendlich auf übers Essen sprachen. Die Lehrerin sagte, dass die Mädchen in China und auch in Korea nach dem Uniabschluss häufig eine Haushaltsschule besuchen um Kochen und andere Haushaltsarbeiten zu lernen. Dies warf natürlich die Frage auf, warum die das nicht, so wie wir, mit ihrer Mama lernen können. Diese eigentümliche Frage, die wir Europäer uns da zu stellen erlaubt hatten, beantwortete die Kouyu-Lehrerin damit, das hier die Frauen auch etwas Ordentliches kochen würden, und nicht nur so simpel wie die Westler. Das konnten wir uns natürlich nicht gefallen lassen. Woher nahm sich die Lehrerin auch das Recht von ihrem Amerikaaufenthalt auf den ganzen Westen zu schließen. Und schlussendlich kam dann eben wieder heraus, dass das Geld wie so oft eine große Rolle spielte, da die Kinder um später viel Geld zu verdienen, neben der Schule noch alle möglichen Kurse belegen sollten, in der Schule am Besten immer viel besser als alle anderen sein müssen, und daher nicht auch noch mit Hausarbeit belastet werden können. Zeit ist Geld, und wenn’s ums Geld geht, dann zählt jede Sekunde...

Eine Menge anderer Bilder die sich zu meinen eigenen Eindrücken aus der vergangen Woche mischen, stammen aus den Katastrophenberichte die über das Erdbeben in Sichuang.

Bei dem gewaltigen Beben waren über 60 000 Menschen ums Leben gekommen, unzählige sind noch immer vermisst, und zu allem Unglück regnet es in der betroffenen Region seit Tagen in Strömen, so dass die Helfer nun auch noch gegen Überschwemmung und das Wasser kämpfen müssen. Am Montag, eine Woche nach dem Beben wurden in ganz China, laut unserer Kouyu-Lehrerin zum ersten Mal in der chinesischen Geschichte für Todesopfer aus dem normalen Volke 3 Schweigeminuten abgehalten. Für 3 Tage wurde jegliches Entertainment untersagt, im Fitnesscenter wurde Musik und Fernsehen ausgeschaltet, und wir hörten sogar Eltern zu ihren Kindern sagen, dass sie heute nicht herumtoben könnten. Wenn der Fernseher lief, dann wurde auf allen 9 staatlichen Sendern keine Spielfilme, Serien und Talkshows ausgestrahlt, sondern lediglich von den Zuständen in Sichuang berichtet. Während man sonst von den Menschen hier oft das Gefühl hat, dass jeder nur für sich selbst denkt, für sich selbst und seinen eigenen Profit, scheint dieses Unglück doch den Sinn für Solidarität unter den Chinesen geweckt zu haben, und ein ganzen Land in Trauer um die Menschen in Sichuang vereinigt zu haben.

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