Sonntag, 20. Juli 2008

Byebye Peking, byebye China

Dienstag 15. Juli 2008

Die letzten zwei Tage in Peking verbrachte ich größtenteils mit David, einem Kumpel aus Österreich, der gerade auch in China war um ein Praktikum zu machen. Wir gingen gemeinsam ein bisschen shoppen, und redeten über unsere Eindrücke aus China.

Da Davids Eltern Auslandschinesen sind, hatte er schon bevor er nach China gekommen war, recht anständig chinesischen quatschen können.

Ich konnte mich noch erinnern, wie er mir letztes Jahr bevor ich abgereist war, oft irgendetwas auf Chinesisch gesagt hatte, und ich einfach überhaupt kein Wort verstanden hatte. Doch wenn wir jetzt so durch die Marktstände schlenderten und um die Preise feilschten, so überlies er oft mir das handeln. Auch als wir uns dann am letzten Abend mit meiner Zimmerkollegin Sonia, die ich in der Jugendherberge kennengelernt hatte zum Abendessen trafen, konnte ich mindestens genauso viel quatschen als er, und da fiel mir zum ersten Mal so richtig auf, wie viel ich in dem Jahr gelernt hatte. Neben all den unvergesslichen Erfahrungen die ich hier gemacht hatte, all den schönen Momenten die ich hier erleben durfte, hatte sich das Jahr China vor allem auch wegen meinem Sprachniveau, mehr als nur rentiert.

Als ich am nächsten Morgen auscheckte, war mir richtig traurig zu Mute. Ich hatte zwar außer meiner Zimmerkollegin niemanden mehr um zu verabschieden, aber alleine bei dem Gedanken China zu verlassen, hatte ich das Gefühl, als würde man mich auffordern, einen Teil meines Herzens aufzugeben. In dem ganzen Gefühlskuddelmuddel vergaß ich schlussendlich auch noch meine große Rolle Scherenschnitte, die ich meinen Lieben zu Hause hatte schenken wollen, und ärgerte mich noch mehr.

Im Taxi konnte ich nicht anders als dem knurrigen alten Taxler neben mir zu sagen, wie gerührt ich war, und welch ein schönes Jahr China mir geschenkt hatte. Der kannte sich bei dem Emotionsausbruch erst gar nicht aus, sprang dann überfreundlich aus dem Taxi um mir beim Ausladen zu helfen, und verabschiedete sich dann, im Namen ganz Chinas von mir.

Und als hätte es der Zufall oder das Schicksal so geplant, rannte ich am Flughafen wieder in Leo. Der war ja nun eine Woche bei Mate in Budapest gewesen, und kam heute wieder zurück nach Peking um von hier dann zurück nach Mexico zu fliegen. Wir frühstückten nochmals gemeinsam, und umarmten uns dann lange zum Abschied. So hatte ich wider Erwarten, doch jemand der mir am Flughafen in Peking zum Abschied zuwinkte.

Der Flug war dann wirklich angenehm, da die Hälfte der Plätze nicht besetzt war, und so jeder mehr Platz hatte um sich hinzulegen oder seine Beine auszustrecken. Der Service in der Air Berlin übertraf alles was ich in dem Jahr in China erlebt hatte, und ich hatte eigentlich keinen Grund mich nicht wohl zu fühlen. Doch als das Flugzeug Peking verließ hatte einen dicken Klos im Hals und einen großen Stein im Magen. Eigentlich wollte ich noch gar nicht weg. In Gedanken noch in China legte ich im dann schlafen, und als ich aufwachte gab es auch schon Essen. Für Flugzeugessen wirklich seeeeehr lecker. Dann schlug ich das Buch auf, das Helene mir gegeben hatte, und las darin, und mit jeder Seite die ich las, und jedem Kilometer, den wir näher der Heimat kamen, freute ich mich schlussendlich doch, nach so langer Zeit wieder nach Hause zu kommen. Und als wir dann über Deutschland aus den Wolken kamen und das Land mir grün entgegenstrahlte, der Himmel blau mit lustigen kleinen Quellwolken, da schlug mein Herz vor Freude wieder höher.

In Düsseldorf am Flughafen, wo ich umsteigen musste, wunderte ich mich, warum alle rund um mich plötzlich wieder Deutsch sprachen, und die Männer mich plötzlich wieder um mindestens einen Kopf überragten.

Nach dem ganzen Lärm, den einen in China ständig umgibt, kam es mir hier so unglaublich leise vor, dass ich glaubte, meine Ohren wären durch den Druckunterschied bei der Landung wohl zugegangen. Ich ging aufs WC und wunderte mich, wie sauber öffentliche WC sein können. Überhaupt der ganze Flughafen schien mir hygienisch rein zu sein.

Auf dem Flug von Düsseldorf nach München versuchte ich zu realisieren, dass ich nun bald zu Hause sein würde, und dass mein Jahr in China nun wirklich zu Ende war. Aber so ganz gelang mir das nicht, und als ich dann schon mit Mama und Papa die mich am Flughafen mit einer großen Sonnenblume in der Hand abgeholt hatten im Auto saß, und wir an einem Sutterlüty vorbeifuhren, da ertappte ich mich dabei, wie ich überlegte… Komisch, jetzt gibt’s Sutterlüty auch schon in China. ^^

Angekommen zu Hause begrüssten mich große Banner, die Mama über unserem Eingang aufgehängt hatte mit den Worten. "Desiree, Sunflower in China, herzlich willkommen zu Hause! Was für eine schöne Begrüßung! Und doch fühlte sich alles noch nach Ferienaufenthalt an, und auch mein Zimmer schien irgendwie nicht mehr so richtig meins zu sein. Nachdem ich noch ein bisschen mit Mum und Dad in der Küche gesessen bin, legte ich mich dann, in Träumen irgendwo zwischen zwei Realitäten, irgendwo zwischen zwei Kontinenten, vielleicht sogar irgendwo zwischen zwei Welten schlafen.

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