Donnerstag 10. Juli 2008
Begleitet von Helene, Yuhong und Hongying machte ich mich heute morgen gemeinsam mit Chris und Stas auf zum Flughafen.
Ich hielt Helene an der einen Hand und Hongying an der anderen, lächelte Yuhong an und konnte es einfach nicht glauben, dass ich Dalian nun wirklich verlassen sollte. Wir checkten unser Gepäck nach Xian ein, wo ich vor meiner endgültigen Heimreise noch ein paar Tage mit Chris und Stas verbringen wollte. Stas nahm meine kleine Tasche, die bis oben vollgestopft mit Büchern über 15 Kilo wog, ich selbst hatte noch meinen großen Tramperrucksack, mit dem ich im Februar unterwegs war, meinen Laptoprucksack und noch eine Tasche.
Nachdem das geschafft war, gingen wir hinüber zum Security Check und ich umarmte Yuhong und Hongying. Helene wollte mir als letzte Goodbye sagen und ich drückte sie so fest ich konnte. In der schönen Tasche, die sie mir zum Abschied geschenkt hatte, war ein Brief von ihr, den ich erst nach dem Abflug öffnen durfte. Während ich es am Flughafen noch geschafft hatte, nicht schon wieder in Tränen auszubrechen, wurden mir im Flugzeug dann doch die Augen nass, als ich ihre wunderschönen Zeilen las. Gott sei Dank, hatte die Stewardess beim einchecken, Chris und Stas wo anders hingesetzt, so dass sich wenigstens nur die Chinesen neben mir verwundert ansahen, und berieten, ob der Brief wohl von meinem Freund war.
Angekommen in Xian, nahmen wir den Flughafenbus hinein in die Stadt, die uns mit schwirrender Hitze begrüßte. Nachdem wir unsere Sachen in die Jugendherberge gebracht hatten, machten Chris, Stas und ich uns wieder auf den Weg um beim Bahnhof Tickets für Chris und Stas Weiterreise zu kaufen. Als ich die Menschenmengen am Bahnhof sah, und Chris und Stas nach ewigem Schlangestehen schlussendlich nur Hartsitzplätze für eine 14 Stundenfahrt nach Xining bekamen, war ich heidenfroh, dass ich in Dalian noch Flugtickets von Xian nach Peking gekauft hatte, und mich schlussendlich doch nicht auf den Zug verlassen hatte.
Nachdem wir die Tickets dann endlich in der Tasche hatten, suchten wir uns einen Linienbus, der laut Chris Lonely Planet ganz gut als Sightseeing Bus geeignet war, und fuhren eine Runde durch die Stadt. Müde durch den wenigen Schlaf der letzten Tag und erschlagen durch die Hitze, bekam ich allerdings nur Teile der Fahrt mit und wurde erst dann wieder richtig wach, als wir bei der Endstation angelangt waren.
Wie schon beim Einsteigen vorher, war auch hier nirgends durch eine Tafel ersichtlich, wo der Bus wieder abfahren sollte, und so verließen wir uns wieder auf die Aussagen der Chinesen um uns. In dieser Stadt musste man wohl einfach wissen, wo, wie und wann die Busse fahren. Am Rückweg stiegen wir dann bei der Dayantan- Pagode aus, und schauten uns diese zumindest von außen mal an. Auf dem kleinen Markt dort kaufte ich auch eine Menge roter, kunstvoller Scherenschnitte, die ich meinen Freunden und Verwandten zu Hause als Geschenk aus China mitbringen wollte. Auf dem großen Platz hinter der Pagode unterhielten wir uns mit den Drachen- und Postkartenverkäuferinnen und posierten, wie so oft mit ein paar Chinesen die uns um ein Foto gebeten hatten vor deren Kamera.
Als wir genug hatten von dem ganzen Trubel nahmen wir dann den Bus, von dem wir diesmal sogar selbst die Einstiegstelle fanden, wieder zurück in die Stadt. Xian ist wirklich ein sehr schmuckes Städtchen, das innerhalb seiner alten Stadtmauern ein kleines Museum in sich selbst darstellte. Überall auf Straßen und Plätzen konnte man Zeugen einer uralten Kultur erkennen, die Menschen schienen freundlicher und fröhlicher als in Dalian. Sehr selten sah man jemanden sich laut räuspernd auf die Straße spucken, was ja in vielen anderen Städten Chinas zum erschreckenden Alltag gehört. Überhaupt das ganze Städtchen wirkte ungewohnt sauber.
Abends als wir uns auf die Suche nach einem Abendessen machten, trafen wir überall auf Gruppen fröhlich plappernder Menschen, sich übermütig vergnügender Kinder und wild gestikulierender Marktschreier, die die Kunden durch ohrendbetäubende Rufe zu ihren Ständen locken wollten. Xian, war im Gegensatz zu Dalian, dessen Straßen abends nach 8 menschenleer waren, auch in der Nacht eine kleine, pulsierende Stadt, die mich schon gleich am ersten Tag in ihren Bann zog.
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